Ankunft auf Immenhof

Hier bitte NUR die 'Geschichten' - JEDER darf schreiben...

Beitragvon Ethelbert© » So 22.Mär.2009 18:01

Der edle Retter

... kam der Torpedo immer näher unn....“ Die ganze Kneipe hörte gespannt zu was Hein Daddel denn nun getan hatte um die Katastrophe abzuwenden. „Unn dannn.... dreh ich mich um unn tret mit dem Fuß gegen die Heckflossen vom Torpedo....unn der Torpedo iss tatsächlich am Panzerkreuzer vorbei geschrammt.“

„Ah Gottseidank!“ rief Jochen laut und prostete Hein Daddel zu. Dieser bedankte sich freundlich mit einem Augenzwinkern und hob sein Bierglas, um den unbekannten Mann ebenfalls freundlich zu grüßen. „Na erzähl schon weiter, Hein“ meinte nun Bartholomäus Barthel, der Bruder vom Bauer Barthel, der in der Nähe des Immenhofes seinen Bauernhof hatte.

„Also ich steh immer noch auf dem Torpedo da seh ich aufeinmal einen riesigen Eisberg vor mir auftauchen. In allerletzter Sekunde spring ich vom Torpedo runter und schwimm zurück zum Panzerkreuzer Prinz Eugen. Und daa.... unnn da......“... Hein Daddel nahm erstmal einen kräftigen Schluck aus seinem Bierglas und wartete einige Sekunden ab bis die Spannung bei den Stammtischbrüdern nicht mehr zum aushalten war. „Ja was denn dann, Hein? Erzähl schon...“ ermahnten ihn seine Kumpels.

„Dann fuhr der Torpedo in den Eisberg und es machte BUM BUM....“ ... Hein Daddel stand auf und schwang die Arme wild um sich zwecks Illustration der gewaltigen Explosion, die sich damals ereignet haben mußte.... das heißt wenn die Geschichte überhaupt wahr war... aber eigentlich war es ja gar nicht so wichtig ob die Geschichte nun wahr war oder eher ein ganz klein wenig geflunkert.

„Es machte BUM BUM BUM.... und plötzlich war der Eisberg nich mehr da.... weg war er... furt unn wech... wie wechjeblasen....“. Jetzt mußte sich Hein zunächst mal den Bierschaum von den Lippen wischen. Anscheinend hatten sich einige Überreste dieses Eisberges in seinem Bierglas wiedergefunden. „Unn da...... ick schau auf den Panzerkreuzer unn watt see ich?“ „Ja was denn, Hein? Was war denn auf dem Panzerkreuzer?“

Weisse Weihnacht in Afrike

„Der Panzerkreuzer war janz weiss vom Schnee. Dat war der Eisberg. Der iss explodiert unn iss dann uff die Schiffe geschneit. Unn die Negerkinder hann gejubelt... die hatten nämlich das erste Mal weisse Weihnachten!“ Nun tobte der Applaus. Denn zweifelsohne war dies eine sehr gelungene Seemansgarn-Geschichte.... wenn auch erstunken und erlogen vom Anfang bis zum Ende.... aber dafür war sie ziemlich lustig.

Nun hielt es Jochen nicht mehr an seinem Platz. Er begab sich zum Stammtisch und lud die gesamte Stammtisch-Besatzung zu einer Runde Bier bzw. Glühwein ein. Dieser Vorschlag wurde mit großer Begeisterung aufgenommen und Jochen wurde eingeladen am Stammtisch Platz zu nehmen. Allerdings hatte der Wirt des Dorfkruges bzw. „Gasthaus zum Krug“ keinen Glühwein aber Rum war vorhanden. So gab es also eine Runde heissen Grog für die lustige Runde. Jochen unterhielt sich angeregt mit den Stammtischbrüdern und hatte aufeinmal viele neue Freunde gewonnen.

Spät in der Nacht brach man dann auf und Hein Daddel begleitete Jochen auf dem Rückweg zum Immenhof. Er erzählte ihm allerhand lustige Geschichten und die beiden verabredeten sich dann für nächste Woche im Gasthaus. „Wissen'se wat man machen müßte, Käptn?“ meinte Hein Daddel. „Pferdezüchten müßte man hier. Richtije schöne Pferde züchten....“. „Machen wir“ meinte Jochen im Scherz. „Wir zwei tuen uns zusammen und stehlen... ähhh... züchten Pferde“.

Natürlich nahm Jochen den Vorschlag von Hein Daddel nicht ernst.... aber als er so in seinem Bett lag und nachdachte....
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Beitragvon Ethelbert© » So 29.Mär.2009 10:13

Die alte Heimat

... kamen ihm wieder die Erinnerungen an die verlorengegangene Heimat. Ja seine Heimat... damals wuchs er in Oberschlesien auf einem Landgut auf. Das Landgut gehörte der Familie von Roth schon seit über 100 Jahren. Und nun war alles verloren. Die einzigen Angehörigen, die Jochen noch hatte, lebten zerstreut in aller Welt. In Südafrika lebt ein Cousin von Jochen. Und in Kanada hatte sich ein Teil des mütterlichen Zweiges seiner Familie niedergelassen. Jochen hatte schon mehrfach daran gedacht Deutschland zu verlassen und ganz einfach ein neues Leben in Kanada oder Südafrika anzufangen.

Und schliesslich war Jochen sogar ein geborener „von“. Von dem „von“ pflegte Jochen allerdings niemals Gebrauch zu machen. Das war in seinen Augen nun überhaupt nicht wichtig. Während Jochen so da lag und alle möglichen Gedanken durch seinen Kopf schossen war draußen weit entfernt das Bellen eines Hundes zu hören und das Zirpen der Grillen drang durch das geöffnete Fenster. Schliesslich schlief Jochen ein und verschlief sich fast am nächsten Morgen, wenn ihn Hannes, der Stallknecht vom Immenhof, nicht wachgerüttelt hätte.

So vergingen die Tage und Wochen. Jochen hatte sich mittlerweilen mit den Lüttjohanns angefreundet, den Pächtern des Dodauer Forsthauses, welches Oma Jantzen gehörte. Dort war er häufiger zu Gast und half wo er nur helfen konnte. Opa Lüttjohann tat sich immer schwerer mit der Arbeit. Zwar konnten die Lüttjohanns nicht viel bezahlen, aber irgendetwas fiel immer für Jochen ab.

Es waren nun zwei Monate vergangen. Jochen befand sich mit Lotte, der Schleswiger Kaltblutstute, und dem Wagen auf dem Weg nach Dodau. Der Wagen war vollgeladen mit Heu und Futter. Als Jochen auf Dodau ankam bemerkte er sofort, dass irgendetwas nicht in Ordnung war. Er ging in den Stall und fand niemanden vor. Dann ging er in das Forsthaus. Stimmen waren zu hören als Jochen durch die geöffnete Haustür eintrat.

Glück im Unglück

„Ja Frau Lüttjohann, ich kann ihnen nur raten zu ihren Verwandten zu ziehen.“. Jochen trat ein und grüßte höflich. Im Wohnzimmer saß Opa Lüttjohann schwer atmend auf einem Stuhl und neben ihm standen seine Frau und Doktor Oltmann aus Malente. Der Doktor war wohl gerade dabei Opa Lüttjohann zu untersuchen und hatte einge seiner ärztlichen Utensilien auf dem Tisch ausgebreitet.
„Ach Herr Jochen“ sagte Oma Lüttjohann. „Herr Jochen, es sieht nicht gut aus für meinen Mann und für mich. Mit der Arbeit hier ist wohl bald Schluß. Mein Mann und ich müssen wohl wegziehen.“

„Ja Frau Lüttjohann“ sagte Doktor Oltmann und wischte sich erstmal mit einem Taschentuch über die Stirn. „So ist es. Ich kann ihnen nur empfehlen mit ihrem Mann nach Husum zu ziehen. Die gute Luft wird ihrem Mann gut tun.“ Dann nahm der Doktor Jochen beiseite. „Herr von Roth... der Herr Lüttjohann muß jetzt unbedingt kürzer treten. Er hat nochmal Glück im Unglück gehabt. Ich habe den beiden emfohlen die Landwirtschaft hier aufzugeben und sich sofort auf ihr Altenteil zurückzuziehen. Wenn Herr Lüttjohann so weitermacht kann ich für nichts mehr garantieren. Sie sehen ja selbst wie es um ihn steht.“

Und in der Tat... Opa Lüttjohann sah nicht gut aus und rang um Atem. Und Oma Lüttjohann machte einen ziemlich verzweifelten Eindruck. „Herr von Roth. Wenn sie sich um die beiden ein wenig kümmern würden und mit Frau Jantzen die Formalitäten regeln würden....“. Jochen zögerte einige Sekunden. Dann antwortete er dem Doktor: „Ich werde mich um die beiden kümmern so gut es geht. Und das mit Oma Jantzen... verlassen sie sich auf mich. Wir werden das schon regeln.“
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Beitragvon Ethelbert© » Mo 30.Mär.2009 15:39

Ein schmerzvoller Abschied

Dann gab Jochen Frau Lüttjohann sehr lange die Hand und sah sie dabei an. „Ich werde mich um alles kümmern, Frau Lüttjohann. Machen Sie sich keine Sorgen. Den Umzug nach Husum werde ich auch organisieren. Und sie sollten sich jetzt um ihren Mann kümmern.“ Frau Lüttjohann schaute Jochen voller Dankbarkeit an und sagte kein Wort. Tränen standen in ihren Augen. Jochen ging nun aus dem Haus und lud die Sachen vom Wagen. Dann schwang er sich auf den Kutschbock. „Hüh Lotte! Auf nach Richtung Immenhof. Wir haben noch einiges zu erledigen.“ Die Schleswiger Kaltblutstute schüttelte kurz ihre Mähne und trabte los.

Schließlich waren Lotte und Jochen auf Immenhof angekommen. Jochen sprang vom Kutschbock und lief so schnell er konnte in Richtung Gebäude und sofort schnurstracks die Tür hinein in Richtung Küche. Denn dem Lärm nach zu urteilen hatte sich der größte Teil der Familie wohl dort eingefunden. An der Küchentür sprangen Dick und Dalli Jochen entgegen. Die beiden trugen Küchenschürzen und Dallis Mund war mit Mehl und Teig verschmiert. „Jochen, wir backen mit Oma Kuchen“ rief Dick, die einen grossen weissen Küchenlöffel in der rechten Hand hielt.

„Ja ja... Kuchen backen“ erklang es aus Richtung Oma. „Ihr nascht mir den ganzen Kuchenteig weg.“ Allerdings hatte Jochen mit Kuchen im Augenblick wohl nicht allzuviel im Sinn. „Frau Jantzen. Ich muß sie dringend sprechen!“. Dann erzählte Jochen was er gerade erlebt hatte. Es stünde gesundheitlich um Opa Lüttjohann nicht gut und es sei unmöglich für die beiden dort wohnen zu bleiben. Die beiden wollten sich wahrscheinlich schon in den nächsten Tagen von Dodau verabschieden und nach Husum ziehen.

Keine guten Nachrichten

„Ach du Schreck“ antwortete die Oma. „Das habe ich fast erwartet. Die beiden waren so gute und zuverlässige Pächter. Die haben immer regelmäßg ihre Pachtschulden beglichen und um Dick und Dalli haben sie sich auch manchmal gekümmert“. „Ja ja“ antwortete Jochen. „Die beiden sind wirklich nett. Tut mir wirklich leid um sie. Wenn man nur helfen könnte... ich weiss bloß nicht wie.“

„Das war zuviel Arbeit für Opa Lüttjohann“ meinte nun Oma Jantzen. „Das ist aber auch eine Rackerei da drüben auf Dodau. Ich muß ja auch rackern, aber wenigstens muß ich mich nicht um die Landwirtschaft kümmern. Und wenn die Lüttjohanns sich auf ihr Altenteil zurückziehen wollen dann muß es wohl sein. Ja vielen Dank, Herr von Roth. Ach Herrjeh... was mach ich nun bloß? Jetzt ist ja kein Pächter mehr auf Dodau... ach Herrjeh....“ Es waren offensichtlich keine guten Nachrichten, die Jochen gerade überbracht hatte. Den Sorgenfalten auf Oma Jantzen's Stirn nach zu urteilen schien das ganze sogar äußerst unangenehm zu sein.

Jochen verließ das Haus und begab sich in Richtung Stall wo noch einiges zu erledigen war. Zwei Stunden später hörte Jochen ein Fahrradklingeln, das er nur allzugut kannte. Es war Fräulein Angela, die aus Plön zurückgekehrt war. Dort arbeitete sie nämlich bei einem Kaufmann... genau gesagt machte sie dort eine kaufmännische Lehre. Außerdem besuchte sie zweimal in der Woche eine Handelsschule in Lübeck und büffelte dort fleissig Kontoführung, Schreibmaschine schreiben, Fremdsprachen-Korrespondenz und alles was man sonst noch so brauchen kann... falls man irgendwann einmal ein großes Landgut übernehmen sollte oder sogar müßte!

Jochen schaute kurz aus der Stalltür hinaus und winkte Fräulein Angela zu. Die bedankte sich mit einem freundlichen Lächeln und ging ins Haus. „Na das wird ein schöner Schock für Fräulein Angela“ murmelte Jochen vor sich hin und legte sich dann tatendurstig den Spaten über die Schultern... denn eine Jauchegrube wartete begehrlich darauf von ihrer übelriechenden Last befreit zu werden.
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Beitragvon Ethelbert© » Do 02.Apr.2009 15:18

Heile Welt adé!

Zwei Tage waren vergangen und auf Immenhof schien die Welt nicht mehr in Ordnung. Die beiden Lüttjohanns waren inzwischen nach Husum abgereist, um sich dort auf ihr Altenteil zurückzuziehen. Der Abschied war voller Wehmut und Jochen hatte es sich nicht nehmen lassen zum Abschied eine Flasche echten französischen Champagners zu spendieren. Das hatte seine schon arg knappen finanziellen Mittel zwar sehr in Anspruch genommen... aber die beiden Alten hatte er in den Wochen und Monaten seitdem er in der Holsteinischen Schweiz war richtig liebgewonnen.

Die Oma schien jedoch der Verzweiflung nahe zu sein. Denn Dodau stand leer und neue Pächter zu bekommen schien sehr sehr schwer zu sein. Wer wollte denn heutzutage noch eine Pacht? Sehr viel Geld warf so etwas schließlich nicht ab. Und andauernd war die Oma mit den beiden kleinen Schwestern unterwegs um nachzuschauen ob das Dodauer Forsthaus noch stand, ob niemand dort eingebrochen hätte... die Oma machte sich halt große Sorgen.

Es war an einem Mittwoch morgen kurz vor 11 Uhr als Dr. Pudlich, der Tierarzt und Dauerverehrer von Oma Jantzen, wiedermal auf Immenhof nach dem Rechten schaute. Natürlich sprang bei dieser Gelegenheit auch regelmäßig ein gutes Püllecken für den Doktor ab... so nannte er nämlich den leckeren Dornkaat-Schnaps, den Oma ihm bei seinen Besuchen kredenzte.

Pudlich's großartiger Plan

Jochen war wiedermal am schuften. Diesmal mußte der Stall mal wieder ausgemistet werden. Plötzlich stand Dr. Pudlich in der Stalltür und begrüßte Jochen mit erhobenener Hand: „Herr von Roth. Kommen se doch mal her!“ Jochen begab sich zu Dr. Pudlich und stützte sich auf seiner Schaufel ab. „Herr von Roth. Sie wisse och dat da in Dodau keena mehr iss.... dat Haus is ja leer. Unn dat iss ned gut, Herr von Roth. Denn im Wald sinn nämlich die Räuber. Uff so'n Haus muß ma jut aufpasse....“.

„Ja zweifelsohne, Herr Doktor“ entgegnete Jochen. „Da muß wohl eine Lösung her.“ „Ja eben, Herr von Roth“ meinte Dr. Pudlich und schaute Jochen spitzbübisch lächelnd an. „Ich hann da eene Idee, Herr von Roth.“ „Meinen sie etwa mich? Soll ich das Dodauer Forsthaus pachten? Aber Herr Dr. Pudlich... wie soll ich denn das bezahlen? Ich bin arm wie eine Kirchenmaus.“

„Ja Hihihi... wie eene Kirchenmaus... dat is jut... Hihihi...“ Dr. Pudlich sah Jochen immer noch mit diesem verschlagenen, spitzbübischen Lächeln an. Irgendwas schien der Tierarzt in Petto zu haben. „Wissen se watt ma mache?“ fragte Dr. Pudlich. „Hihi... ma werde Ferkel züchten in Dodau... HiHiHi....“

Jochen mußte erstmal durchatmen. Dann begann Dr. Pudlich seinen großartigen Plan zu erläutern. Die Ferkelzucht würde sehr viel Geld abwerfen, da die Leute immer mehr Fleisch essen würden. Mit der Ponyzucht das sei sowieso so eine Sache... und das hätte er der Oma Jantzen nun schon seit Jahren erzählt. Die Zukunft läge zweifelsohne darin Ferkel zu züchten und diese dann in der Holsteinischen Schweiz zu leckerem Holsteiner Schinken verarbeiten zu lassen... und außerdem käme er als Tierarzt viel rum und wüßte jede Menge über Ferkel, Schweine und anderes Getier.
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Beitragvon Ethelbert© » Sa 04.Apr.2009 10:48

Aus gutem Holz geschnitzt...

Dr. Pudlich schien auf jeden Fall von seinem eigenen Plan sehr begeistert zu sein. Aber ob man die Oma von diesem tollen Plan überzeugen könnte schien keineswegs sicher. Denn eine Pony- und Pferdeüchterin ist schliesslich keine Schweine- und Ferkelzüchterin. „Sie haben sich awwa jut einjelebt, Herr von Roth“ meinte Dr. Pudlich dann. „Dat jefaällt mir ja dass sie sich so anstrengen tun“.

„Ja Herr Doktor“ meinte Jochen von Roth. „Langsam sehe ich wieder Land. Als ich vor einigen Wochen hierhin gekommen bin ging es mir überhaupt nicht gut. Ehrlich gesagt hatte ich schon resigniert. Die langen Jahre in Russland... wissen Sie, Herr Doktor... wenn man von da zurückkommt ist man kein richtiger Mensch mehr.“ „Ja wem sage se dat“ antwortete Dr. Pudlich. „Ich hann ville Kriegsheimkeher jesehen unn denen jeht es nid imma jut. Aber sie schaffe dat, Herr Jochen. Sie schafffe dat! Sie sinn us eenem juten Holz jeschnitzt, Herr Jochen.“ Dr. Pudlich klopfte Jochen noch einmal freundschaftlich auf die Schultern und ging von dannen.

Jochen wandte sich wieder seiner Arbeit zu und auf Immenhof ging der Tag zu Ende. Dr. Pudlich's Plan eine Ferkelzucht auf Dodau aufzumachen schien allerdings kläglich gescheitert zu sein. „Puuuuulich! Ach Puuuuuudlich!“ hörte Jochen die Oma rufen als Dr. Pudlich vom Hof fuhr. Und das schien daraufhin zu deuten, daß die Oma sich nicht nur gegenüber Dr. Pudlich's Heiratsanträgen resistent gezeigt hatte. Auch die Ferkelzucht auf Dodau war wohl gescheitert.

Am nächsten Morgen in der Früh stand die Oma zeitig auf der Matraze und das im wörtlichen Sinne. „Raus Herr von Roth. Aufstehen! Raus mit Ihnen!!“ rief die Oma, die gerade unangemeldet in das Gesindehaus eingetreten war wo Hannes und Jochen ihre Unterkunft hatten. „Herr von Roth! Ich habe mir es überlegt. Das Dodauer Forsthaus kann unmöglich leerstehen. Da muß jemand wohnen. Und das werden sie sein. Und zwar werden sie solange in Dodau wohnen bis wir einen neuen Pächter gefunden haben. Außerdem werde ich die beiden kleinen Schwestern für ein paar Tage nach Dodau schicken. Sie passen auf die beiden auf und kümmern sich dann um Dodau und um die beiden Kleinen.“

Der Umzug

Oma Jantzen ging wieder davon und Jochen begann sein Tagwerk. Nachmittags kamen die beiden Schwestern angetanzt. Sie waren gerade aus der Schule gekommen hatten die Neuigkeit bereits vernommen. Dick schien vollauf begeistert: „Jochen, Jochen... hast du gehört? Wir werden jetzt in Dodau wohnen. Das wird fein.“ „Ja ja...“ rief die kleine blonde Dalli und hüpfte in der Gegend herum als wäre sie ein Gummiball. „Ja ja ... Dodau Dodau. Wir nehmen Mäuschen und Pepita mit nach Dodau... au ja... fein fein... das wird toll!“

Mäuschen und Pepita waren zwei noch recht junge Shetland-Ponys. Mit ihnen ritten die beiden Schwestern schonmal gerne zur Volksschule. Ab und zu nahmen sie auch mal die Kutsche und manchmal gingen sie auch zu Fuß zur Schule. Das war allerdings kein kurzer Weg und darum gingen Dick und Dalli halt auch nur „ab und zu“ zu Fuß zur Schule.

Jochen hatte unterdessen schon den Umzug nach Dodau organisiert. Lotte, die Schleswiger Kaltblutstute, wartete bereits auf die Abfahrt. Die Oma hatte großzügigerweise Lotte und das Fuhrwerk von den Lüttjohanns gekauft und hatte auch einen anständigen Preis dafür bezahlt. Das hatte Jochen sehr gut gefallen und die Oma war in seiner Wertschätzung um mindestens zweieinhalb Punkte gestiegen.

Die Kutsche war mit etlichen Sachen beladen denn wahrscheinlich würde man ja etwas länger in Dodau bleiben. Die beiden Schwestern bestanden natürlich darauf möglichst viele Spielsachen mit nach Dodau zu nehmen und das Reitzeug dürfte auf keinen Fall vergessen werden. Und außerdem hatte die Oma Lebensmittelvorräte für mindestens 3 Wochen eingepackt. Omas sind in der Beziehung halt immer sehr vorsichtig. Man weiß ja nie was so alles passieren kann...
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Beitragvon Ethelbert© » Mo 06.Apr.2009 16:23

Große Pläne

Jochen saß vorne auf dem Kutschbock während die beiden Schwestern hinten auf der Ladekante sassen und die beiden Ponys Mäuschen und Pepita am Zügel mitzogen. Die beiden hatten offenbar große Pläne von wegen „was man so alles in Dodau anstellen kann weil die Oma ja nicht immer da ist“. Und von wegen „dann können wir abends auch länger aufbleiben und mit den Ponys reiten“ sowie „und unsere Freunde laden wir auch nach Dodau ein... Mensch das gibt eine Mordssause“.

Jochen entging das ganze natürlich nicht, denn Dick und Dalli unterhielten sich so lautstark, daß man einen ganzen Friedhof hätte aufwecken können. „Hört mal zu ihr zwei“ rief Jochen dann nach hinten. „Wenn ihr zwei glaubt ihr könnt jetzt machen was ihr wollt, dann habt ihr euch aber geschnitten. Ihr werdet nur das machen was ich will. Ich bin schlimmer als eure Oma!“

Das helle Lachen, das kurz darauf durch den Dodauer Forst erschallte, deutete darauf hin, daß weder Dick noch Dalli Jochen's Androhungen in irgendeiner Form ernst genommen hatten. Dieses Lachen klang in Jochen's Ohren schon fast ein wenig höhnisch, denn schließlich waren die beiden ja gerade mal 9 bzw. fast 11 Jahre alt. Dick und Dalli waren in den letzten Tagen ziemlich unausstehlich gewesen... auf jeden Fall nach Meinung der Oma, die im Augenblick ja jede Menge Sorgen hatte. Und darum hatte sie die beiden Schwestern dem Jochen anvertraut.

„Na ihr zwei werdet euch wundern“ murmelte Jochen leise vor sich hin. Denn eins war ja wohl klar: Jochen hatte jetzt für einige Zeit die Aufsicht über die beiden Gören und eins würde er garantiert nicht tun... nämlich seine Aufsichtspflicht in irgendeiner Weise zu verletzen.

„Ich werde nachschauen ob ihr eure Hausaufgaben macht... und dann werdet ihr auch zur Küchenarbeit eingeteilt und müßt das Forsthaus und den Stall sauber halten. Und jeden zweiten Tag reitet ihr nach Immenhof und kümmert euch um die Ponys!“ rief Jochen nach hinten und bemühte sich seiner Stimme einen möglichst strengen und bestimmenden Klang zu geben.

Armer Jochen!

Dick und Dalli antworteten nicht und Jochen ahnte instinktiv was sich jetzt wohl ereignet hatte. Denn schließlich war er ja auch mal jung gewesen und hatte allerlei Schabernack angestellt. Und in die Gedankenwelt der beiden kleinen Biester konnte er sich mittlerweilen auch hineinversetzen. Schließlich kannte man sich ja schon seit einiger Zeit. Aber was war denn nun passiert? Dalli hatte dem Jochen eine lange Nase gemacht und Dick hielt sich beide Hände vor den Mund um nicht vor Lachen zu explodieren. Darum war es so verdächtig still auf der hinteren Ladekante.

„Na wartet, ihr zwei“ murmelte Jochen noch einmal halblaut. Und schon war man sozusagen auf die Zielgerade eingebogen. Die Kutsche, gezogen von der gutmütigen und phlegmatischen Schleswigerin Lotte, befand sich auf dem Weg, der entlang einer Hecke direkt zum Forsthaus führte. Nur noch 100 m war es bis zum Dodauer Forsthaus, wo Jochen und die beiden Schwestern nun eine Zeitlang hausen würden.

Die beiden Schwestern sprangen von der Kutsche und eilten, die beiden Ponys am Zügel hinterher ziehend, in Richtung Forsthaus. Sie waren schon dabei ihre zukünftigen Untaten zu planen. „Hier auf der Wiese spielen wir Völkerball... und da drüben werden wir Wettrennen mit den Ponys veranstalten.“ „Nein... die Wettrennen machen wir hier auf der Wiese... und hier reiten wir dann nachts durch den Wald.....“ „Na ich werd euch eins geben... von wegen nachts durch den Wald reiten. Nachts werdet ihr schlafen“ rief Jochen. Doch auf die beiden von kindlicher Begeisterung entfesselten kleinen Schwestern schienen solche leeren Drohungen nicht den allergeringsten Eindruck zu machen.

Da hatte Jochen auf einmal einen genialen Einfall. Wie wäre es denn wenn...
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Beitragvon Ethelbert© » Fr 10.Apr.2009 8:58

In Dodau, um Dodau und um Dodau herum

...man die beiden Rabauken mit etwas beschäftigen würde was sie garantiert immer in der Nähe des Forsthauses hielte? Jochen's Blick fiel auf den freien Platz vor dem Forsthaus. „Ja... genauso werde ich es machen“ murmelte er leise vor sich hin. Dann fiel ihm noch ein Erlebnis aus seiner eigenen Kindheit und Jugendzeit ein. „Na wartet, ihr beiden! Ihr werdet mir nicht auf der Nase herumtanzen... ihr nicht... ihr kennt den Jochen von Roth nicht!“ flüsterte er leise und sein Gesicht heiterte sich auf.

Unterdessen waren die zwei Rabauken dabei das Forsthaus auf den Kopf zu stellen. Schließlich war ja keine ständig herumnörgelnde Oma da, die einen immer zurecht wies. Und auch keine große Schwester Angela, die zwar nicht so streng und energisch wie die Oma war... aber auch andauernd es für notwendig hielt Dick und Dalli zurechtzuweisen. Ständig sollten die beiden dies und jenes machen... aber dies und jenes nicht machen... und überhaupt.

„Und überhaupt“ meinte Dick zu ihrer jüngeren Schwester. „Weisst du wie gut wir es hier haben ohne die Oma und Angela? Jochen wird schon nichts sagen. Wir laden Mans und unsere Freunde ins Forsthaus ein und machen was wir wollen!“ „Au ja“ entgegnete Dalli. Dieser Vorschlag schien ihr sehr entgegen zu kommen.“ „Und wir reiten doch nachts mit den Ponys durch den Wald“ meinte Dalli dann noch.

Jochen hatte untererdessen die Sachen ins Haus gebracht und begann damit sich wohnlich einzurichten. Wer weiß wie lange er hier bleiben würde... und für die nächsten paar Tage oder Wochen dann noch mit den zwei kleinen Teufelchen. „Du Jochen“ rief Dick. „Dalli und ich würden gerne ganz nach oben unters Dach ziehen. Dürfen wir das?“ Jochen hatte sich unterdessen eine Pfeife angezündet. Das war der einzige Luxus, den er sich leistete oder eher leisten konnte.

„Na mal sehen“ meinte er. „Komm wir gehen nach oben“. Dick und Jochen gingen die Treppe hinauf. Dalli stand bereits oben unter dem Dach und schaute Jochen gespannt an. „Na mir soll es recht sein. Wenn ihr unbedingt hier oben schlafen wollt könnt ihr es machen. Allerdings müßt ihr dann auf dem Boden schlafen.“ Es dauerte keine 5 Minuten und Jochen hatte sich breitschlagen lassen die zwei Feldbetten, die er vom Immenhof mitgebracht hatte, nach oben zu schleppen. Das war allerdings das letzte Zugeständnis, das er machen würde... das schwor sich Jochen. Schon morgen würden neue Seiten aufgezogen werden.

Papi Jochen

Die kleine Dachkammer war nicht gerade geräumig und lag direkt unter dem Reetdach, sodaß ein angenehmer holzartiger Duft den Raum durchzog. „Und wann gibt es zu essen?“ fragte Dalli. „Überhaupt nicht“ entgegnete Jochen. „Ums Essen müßt ihr euch jetzt selbst kümmern. Ihr könnt doch sicher kochen? Dort wo ich früher wohnte konnten alle kleinen Mädchen, die so alt wie ihr waren, kochen und waren perfekte kleine Hausfrauen.

Auaaaa... das hatte anscheinend gesessen. Denn weder Dick noch Dalli gaben eine Antwort und schauten stattdessen etwas beschämt nach unten. Aber dass sie nicht kochen konnten und keine richtigen kleinen Hausfrauen wären.... das würden die beiden Mädels auf gar keinen Fall auf sich sitzen lassen. Das sah Jochen den beiden an. Nun stieg Jochen wieder die Treppe herunter. „Das war gut“ sagte er sich selbst. „Mit geschickter Psychologie kommt man denen schon bei. Und ich glaube ich bin ganz gut in dieser Materie. Etwas Erziehung könnte den beiden ja nichts schaden.“

Jochen erinnerte sich wieder an die langen Jahre, die er im Krieg verbringen mußte. Und danach die
langen Jahre der Kriegsgefangenschaft in Russland. All das hatte ihn sozusagen einen Teil seines Lebens gekostet. Geheiratet hatte er nicht.. wie denn auch wenn man jahrelang an der Ostfront liegt und dann Zwangsarbeit ableisten musste. Dabei hatte er damals in seiner Heimat ein sehr nettes Mädel gekannt.... und wie schön wäre es wenn man eine Familie und eigene Kinder hätte. Vielleicht mochte er aus diesem Grund die kleinen Schwestern so sehr... und immer wenn Jochen solche Gedanken hatte dann tauchte auf einmal das Fräulein Angela in seinen Gedanken auf....

Nachdem alle Sachen abgeladen waren und man sich einigermassen in der neuen Behausung eingerichtet hatte, streifte Jochen einige Minuten lang vor dem Forsthaus umher und paffte dabei wieder ein Tabakspfeifchen. Er ließ seine Gedanken schweifen. Hier könnte es ihm gefallen. Und irgendwie erinnerte ihn alles hier doch sehr an seine ehemalige, nun verlorengegangene Heimat in Oberschlesien.

Die beiden Schwestern jagten mit den Ponys über die Wege und Wiesen um das Dodauer Forsthaus.“Jetzt wird’s aber Zeit“ rief Jochen schliesslich. „Rein mit euch und ab in die Küche!“ Dich und Dalli sahen sich kurz an und...
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Beitragvon Ethelbert© » Sa 11.Apr.2009 8:53

Gesegneten Appetit!

... verschwanden erstaunlich schnell im Forsthaus. „Na nu?“ entfuhr es Jochen. „Was ist denn mit denen los?“ Er ging nun ebenfalls ins Forsthaus und wusch sich erstmal die Hände. Dann ging er in die Küche von woher seltsame Geräusche zu vernehmen waren. Dick und Dalli wirbelten in der Küche herum und machten dabei einen Riesenlärm. Überall standen Teller und Tassen herum und den Kohleofen hatten die beiden auch schon angeheizt. Das hatte Oma Lüttjohann den beiden wohl beigebracht. Jochen staunte nicht schlecht über so viel ungewohnten Fleiss.

„Ja was habt ihr zwei denn vor?“ fragte Jochen neugierig. „Jochen, geh ins Wohnzimmer und ruh dich aus. Wir werden dir Essen machen“ meinte Dick während Dalli Jochen sanft aus der Küche schob. „Die Küche ist nichts für Männer!“ meinte sie dabei mit einem fast ein wenig unverschämt klingenden Unterton. Jochen war sowohl erstaunt als auch amüsiert. Was die beiden wohl vor hatten?

Aber wenn die beiden unbedingt Essen kochen wollten dann sollten sie es ruhig tun. Schliesslich hatte er es den zweien ja selbst vorgeschlagen. Also ging Jochen ins kleine Wohnzimmer des Forsthauses und legte sich auf die Couch. Und im Grunde war Jochen ein wenig stolz auf sich, denn seine erzieherischen Massnahmen schienen Wirkung zu erzielen.

Nach einigen Minuten erschien Dalli auf der Bildfläche. Sie trug einen Teller vor sich her, den sie Jochen dann vor die Nase stellte. „Hier Jochen. Die Suppe habe ich für dich gekocht. Du mußt aber alles aufessen, damit du groß und stark wirst.“ Dann ging Dalli wieder in die Küche zurück. Jochen schaute den Suppenteller recht erstaunt an und noch erstaunter war er über die Farbe der Suppe. Die leuchtete irgendwie violett-rötlich und sah auch sonst ziemlich seltsam aus. „Die haben doch hoffentlich kein Ponyfutter in die Suppe gemacht?“... Jochen kratzte sich am Kopf.

Dann kostete er aber trotzdem von der Suppe... und siehe da... das Gebräu schmeckte gar nicht mal so schlecht... wenn auch ein wenig salzig. Dalli kam zurück und schaute Jochen neugierig an. Sie erwartete wohl ein grosses Lob wegen ihrer überragenden Kochkünste. „Das hast du gut gemacht, Dalli“ meinte Jochen und das meinte er sogar ehrlich. Denn die Suppe war ja wirklich nicht so schlecht. „Die Suppe hat mir wirklich hervorragend geschmeckt, Dalli. Ich danke dir auch dafür, meine kleine.“

Restaurant Dick und Dalli

Dalli schien ziemlich begeistert zu sein und lief sofort zurück in die Küche. Es dauerte keine 10 Sekunden und dann stand Dick vor Jochen. Sie hielt einen Teller mit einem Spiegelei und so etwas ähnlichem wie gekochtem Schinken in der Hand. „Hier Jochen, probier mal. Das habe ich für dich gekocht.“ Jochen griff den Teller und kostete... und siehe da... das war auch nicht schlecht. Mittlerweilen hatte sich Dalli hinzugesellt und die beiden schauten Jochen aufmerksam zu. Sie studierten jeden einzelnen Bissen und jede einzelne Gesichtsbewegung von Jochen.

„Also Mädels. Ich bin ja begeistert. Das hat ja wunderbar geschmeckt. Das habt ihr aber wirklich fein hingekriegt. Ich bin richtig stolz auf euch“ sagte Jochen schliesslich und wischte sich den Mund mit einem Küchentuch ab, das Dalli ihm neben den Teller gelegt hatte. „Und jetzt“... „Und jetzt füllst du die Speisekarte aus, Jochen“ meinte Dick nun und hielt Jochen eine Blatt Papier unter die Nase.

„Schingenbrod unt Tohmaden... Gekochde Eier... Malzkavee unt Zwiebagg“ ... Jochen las aufmerksam was auf dem Zettel stand. „Das ist unsere Speisekarte, Jochen“ meinte Dalli. „Ja Jochen, wir haben gerade eine Restaurant aufgemacht. Das Restaurant Dick und Dalli“ ergänzte Dick ihre Schwester. Und du bist unser einziger Gast.“ „Aha so so so“ sagte Jochen. „Ich bin also euer einziger Gast?“

„Ja Jochen“ riefen die beiden Schwestern und verschwanden lachend wieder in der Küche. „Na sowas“ murmelte Jochen erstaunt und wollte gerade aufstehen und sich noch etwas im Haus umsehen. Dazu kam er nicht, denn Dick stand einige Sekunden später wieder mit der Speisekarte vor ihm. „Du mußt dir was aussuchen, Jochen“ meinte sie und legte ihm den Zettel vor die Nase. „Hier mußt du ankreuzen was du essen willst.“ „Aber Kind... ich bin satt“ sprach Jochen lachend und schüttelte den Kopf. „Nein Jochen! Du mußt jetzt etwas ankreuzen. Dalli und ich sind doch gerade bei der Küchenarbeit. Und du hast bestimmt noch Hunger!“

„Aber Dick. Ich hab keinen Hunger mehr“ entgegnete Jochen. Daraufhin schaute Dick ihn fast grimmig an. Und nach einigen Sekunden sagte sie dann. „Du mußt essen, Jochen! Du mußt!“ „Aber Kind“ wollte Jochen gerade sagen doch dann überlegte er es sich anderes und kreuzte „Malzkavee unt Zwiebagg“ an. Das sollte vermutlich „Malzkaffe und Zwieback“ heissen. Dick riss Jochen den Zettel aus der Hand und entschwand wieder in Richtung Küche.
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Beitragvon Ethelbert© » Mo 13.Apr.2009 9:33

Der reinste Kochwahn...

„Ei was hab ich denn da angestellt?“ fragte Jochen sich selbst. Denn das die beiden Mädels gleich ein Restaurant eröffnen würde wo er der einzige Gast sei, schien ihm doch leicht übertrieben. Schliesslich war Jochen ja kein Vielfraß sondern ein Mensch mit sehr bescheidenen Ansprüchen. Aus der Küche kam nun ein Duft nach gekochten oder gebratenen Kartoffeln geflogen und Jochen wußte nun, dass es ihm gleich an den Kragen bzw. Magen gehen würde.

Die Kartoffeln konnten nur für ihn bestimmt sein und es schien ihm nahezu unmöglich noch etwas in seinem Magen unterzubringen. Noch viel unmöglicher schien es jedoch den beiden Mädels etwas abzuschlagen. War er es nicht, der die beiden dazu „angestiftet“ hatte sich als Köchinnen oder „kleine Hausfrauen“ zu bestätigen? Aber dass die beiden gleich so loslegen würden...

Für weiter Überlegungen war allerdings keine Zeit mehr, denn Dalli stand mit einem Teller voller dampfender Kartoffeln auf der Matte. Mit dieser Menge von Kartoffeln hätte man wahrscheinlich bequem eine ganze Horde von Pfadfindern drei Wochen lang durchfüttern können... oder sagen wir mal: es waren eindeutig mehr Kartoffeln als sie Jochen's satter Magen jetzt vertragen konnte.

Dick stellte sich neben Dalli und sah Jochen mit der ihr eigenen Art an. „Friß oder stirb“ war in Dick's Gesicht zu lesen und Jochen versuchte gute Miene zum zwar gut gemeinten aber letztendlich doch eher bösen Spiel der beiden sich im Kochwahn befindenden kleinen Schwestern zu machen. „Hmmm schmeckt das fein... das ist aber lecker“... Jochen begann in den Kartoffeln rumzustochen als man plötzlich ein lautes Klopfen vernahm. Jemand stand an der Haustür und wollte anscheinend Jochen und die Schwestern besuchen.

Jochen öffnete die Haustür und staunte nicht schlecht. „Ja der Herr Grobisch! Das ist aber eine Überraschung. Freut mich, daß sie uns hier besuchen kommen.“ Herr Grobisch trug eine Jacke und eine Schiffermütze auf seinem etwas spärlich behaarten Haupte. „Ei Käptn. Dat hatt ich ihnen ja versprochen dat ick sie ma besuchen komm.“

Retter in der Not

Herr Grobisch trat ins Haus und schon kamen Dick und Dalli angesprungen und umringten Herrn Grobisch. „Hein... toll dass du uns besuchen kommst. Willst du etwas essen?“ Der Herr Grobisch war niemand anderes als der berühmte Hein Daddel, der vor einiger Zeit auf Immenhof als Tagelöhner gearbeitet hatte und von der Oma rausgeschmissen wurde, weil er die Speisekammer vom Immenhof offenbar mehr schätzte als die harte Arbeit dort.

Und im Dorfkrug war Hein Daddel ebenfalls ein Dauergast... und genau von da kannte Jochen von Roth diesen Herrn Grobisch bzw. „Hein Daddel“ wie ihn eigentlich jeder hier nannte. Die beiden hatten sich mittlerweilen angefreundet. Hein schlug sich mit Gelegenheitsarbeiten mehr schlecht als recht durchs Leben. „Tschä Käptn. Der Schiffsarzt Pudlich hat ma vertellt dat sie jetz in Dodau vor Anker gegangen sinn.... Tschä unn da hann ich gedacht dat ick mal dat Schiff inspizieren komme.“

Hein Daddel trat ins Haus und ging dann sofort wieder nach draußen. „Käptn, ick muss meinen Seenotrettungskreuzer ins Dock bringen.“ Dieser Seenotrettungskreuzer war ein altes, schwarzes und bereits leicht angerostetes Damenfahrrad mit dem Hein Daddel die Gewässer in und um die Holsteinischen Schweiz unsicher zu machen pflegte. Dann trat Hein Daddel händereibend ein und stellte ein Täschchen auf den Tisch. Und in diesem Täschchen befand sich ein Fläschchen. Und in diesem Fläschchen, das eigentlich eine ausgewachsene große Flasche war, befand sich ein hellbraunes Getränk.

„Hein, du kommst wie gerufen“ sagte Jochen. „Hast du Hunger?“ „Und ob Käpn. Ick hab Hunger wie'n ganzer Rudel Walfische.“ „Na dann komm, Hein“ rief Jochen lachend. „Hier ist genug für drei Rudel Walfische. Dick und Dalli! Bringt dem Hein mal einen Teller. Das taten die beiden Schwestern.

Hein Daddel begab sich zu Tische, sah mit großen Augen den Kartoffelteller an und schritt ohne Umschweife zur Tat. Zielsicher viesierte er den Kartoffelteller an und harpunierte mit traumhafter Sicherheit die beiden größten Kartoffeln, die sich auf dem Teller befanden. Den beiden Kartoffeln bot sich keine Fluchtmöglichkeit mehr... und so verschwanden sie denn freiwillig und ohne lange zu zögern in Hein Daddel's weit geöffnetem Schlund.

„Hein, du weißt gar nicht was für einen Gefallen du mir getan hast.“ flüsterte Jochen als die beiden Schwestern in Richtung Küche entschwunden waren, um für weitere Verpflegung zu sorgen. „Dick und Dalli sind im Kochwahn. Die wollen mich anscheinend mästen.“ Hein Daddel griff erstmal zu der Flasche, die er mitgebracht hatte. „Käptn uff den Schreck...
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Beitragvon Ethelbert© » Mi 15.Apr.2009 16:14

Das besoffene Seeungeheuer

... brauch ick unbedingt einen Rum!“ Hein goss sich ein wenig von diesem stark alkoholhaltigen geistigen Getränk ein und Jochen tat das gleiche. Ab und an braucht man halt „geistige Nahrung“. „Käptn“ sagte Hein Daddel nun. „Käptn, sie brauchen 'ne Mannschaft für ihr Schipp. Prost!“ Auch Jochen genehmigte sich noch einen Schluck aus der Buddel. „Käptn“ meinte Hein. „Käptn, dat Forsthaus wär een gutes Schipp. Prost!“ Jochen und Hein genehmigten sich einen weiteren Schluck aus der Buddel Rum.

Unterdessen waren die beiden Schwestern fleissig dabei ihre beiden Restaurantsgäste nach allen Regeln der Kunst zu bekochen und zu verpflegen. Dick ging mit der Speisekarte von Gast zu Gast, nahm die Bestellungen entgegen und zusammen mit ihrer Schwester Dalli machte sie sich dann daran die Speisen zuzubereiten. Meist handelte es sich dabei um irgendwelche Butterstullen mit verschiedenen Wurstsorten und gewürzt mit allem möglichen, was den beiden gerade einfiel. Und davon abgesehen schien der Alkoholkonsum von Hein und Jochen deren Geschmacksnerven mittlerweilen relativ unempfindlich gemacht zu haben.

Schliesslich setzten sich Dick und Dalli zu Hein und Jochen an den Tisch und lauschten den Erzählungen von Hein Daddel. Insbesonders die Geschichte mit der riesigen Seeschlange schien vor allem Dalli grenzenlos zu begeistern. War die Seeschlange anfangs noch knapp 10 m lang und hatte große Augen und zwei große Schneidezähne.... so wuchs sie im Verlauf von Hein's Geschichte auf mindestens 60 m an, dann auf ca. 200 m und schliesslich hatte sie drei Köpfe und einen 50 m langen Schwanz.

Höhepunkt der Geschichte war schliesslich Helgoland wohin sich die Schiffsbesatzung auf der Flucht vor dem Seeungeheuer zu flüchten versuchte. Nur Hein's Heldenmut und Harpunierkünsten war es am Ende zu verdanken, daß die Schiffsbesatzung überlebte und das Seeungeheuer erlegt wurde. Mit einem ins Meer geworfenen Fass Rum hätte Hein die Seeschlange besoffen gemacht... sie anschließend mit einer riesigen 20 m langen Harpune arg in Mitleidenschaft gezogen... und dann sei das Seeungeheuer mit voller Wucht auf die Insel Helgoland aufgeprallt und die Insel sei dabei erheblich beschädigt worden. Womit nun auch erklärt sei, warum Helgoland so zerklüftet und steinig ist.


Der Mietvertrag

Dalli schien jedes Wort zu glauben, während ihre Schwester den Hein musterte, als würde er ihr einen Bären aufbinden. Aber das konnte ja wohl nicht sein.... schliesslich war das riesige Seemonster ja eine Seeschlange. Es war schon etwas spät geworden und Zeit zum Bettgehen für die beiden Schwestern. Das meinte auf jeden Fall Jochen von Roth. Da schlug Hein spontan vor, daß er doch in Zukunft häufiger mal zu Besuch kommen könne... und Dalli schlug ebenso spontan vor, daß Hein doch zu Jochen und den beiden Schwestern nach Dodau ziehen könne. Woraufhin Jochen meinte, daß „Platz selbst in der kleinsten Hütte sei“ und daß Hein hochwillkommen sei.

Hein meinte nun, daß er selbstverständlich Miete zahlen wolle... woraufhin Dick auf der anderen Seite der Speisekarte einen Mietvertrag aufsetzte. Das hatte sie von ihrer Oma und ihrer Schwester wohl so gelernt... von wegen Ponys verkaufen und so.... da bräuchte man immer einen Vertrag. „Hein Daddel wohnt jetzt in Dodau“ stand auf dem „Mietvertrag“. Jochen und Hein unterschrieben den Mietvertrag und schließlich einigte man sich darauf, daß die Miete pro Tag einen Groschen betragen solle.... was nach Dalli's Aufassung eine Riesensumme sei.

Dann waren alle müde und gingen zu Bett. Aber am nächsten Morgen....
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Beitragvon Ethelbert© » Fr 17.Apr.2009 14:39

Die große Schlacht

... ging es gleich ordentlich zur Sache. Und zwar mit einer ausgewachsenen Kissenschlacht. Der Schlachtplan war offensichtlich schon am Abend zuvor ausgeheckt worden. Zuerst nahmen sich die beiden Schwestern Hein Daddel vor, der in einem Nebenraum auf einer Matraze döste und laute schnarchartige Geräusche von sich gab.

„Immer feste drauf, Dalli“ rief Dick und zog dem Hein mit ihrem Kopfkissen drei kräftige Schläge über. Und die Schläge hatten es in sich... denn so ein Ponymädchen hat keinen Pudding in den Oberarmen. Dalli sprang auf die Matraze und während sie abwechselnd auf der Matraze und abwechselnd auf Hein Daddel herumhüpfte schrie sie „Ich bin die Seeschlange, ich bin die Seeschlange, ich bin die Seeschlange...“ und zog dabei alle Register des Kissenschlacht-Kriegshandwerkes.

Hein Daddel hatte wahrscheinlich schon viel erlebt, aber so etwas mit Sicherheit noch nie. „Beim Klabauddermann!! Jooo ihr Landratten! Sodom und Gomorrha! Ihr zwo vermaledeiten Satansbraten, Shitgören.... ihr zwo Bettpupser!“ fluchte und schimpfte Hein Daddel, nachdem er sich vom ersten Schock erholt hatte. Doch die Schwestern waren bereits unterwegs um ihr zweites Opfer aufzusuchen. „Oooooo Dickie.... Ooooohhhh“... rief Dalli enttäuscht. Denn dort, wo sie eigentlich Jochen von Roth vermuteten, stand nur ein leeres Bett.

Die beiden gingen nach draußen und sahen Jochen auf dem Hof herumgehen... mit einem Zollstock in der Hand. Schade... nichts war es von wegen Kissenschlacht mit Jochen. „Ihr zwei!“ rief Jochen. „Gut daß ihr schon wach seid. Jetzt macht mal Frühstück und zieht euch an. Gleich bring ich euch zur Schule!“ „Oooohhh du bist gemein, Jochen“ schimpfte Dalli. Wahrscheinlich hatte sie sich heimlich ausgemalt, daß man während des Aufenthaltes in Dodau es mit dem Schulbesuch weniger ernst nehmen könne. „Du!“ rief Jochen und erhob den Zeigefinger.

„Komm Dalli, hat keinen Zweck. Jochen läßt sich nicht überreden. Wir müssen doch zur Schule.“ sprach Dick und nahm ihre kleinere Schwester an der Hand. Dann schlichen die beiden mit sichtlich gedrückter Stimmung wieder ins Dodauer Forsthaus hinein, um sich ihrem unausweichlichen Schicksal, also dem Schulbesuch, zu beugen. Jochen kam nun ebenfalls wieder ins Haus.

Alles Lug und Trug

„Das mit dem Mietvertrag gestern abend war ja ein schöner Spass“ meinte er zu den beiden Schwestern. Unterdessen hörte man Hein Daddel singen und gurgeln bzw. gurgeln und singen. Er war wohl dabei sich zu waschen und für alle Fälle hatte er sogar seinen Seesack mit allen wichtigen zum Überleben notwendigen Utensilien wie Rasiermesser, Kamm, Zahnbürste und Personalausweis mitgebracht. „Man weiß nie wo man morgen die Nacht verbringt“ schien die Devise von Hein Daddel zu sein. Die letzten Nächte hatte Hein abwechselnd in verschiedenen Scheunen, Heuschobern, einer Parkbank, einem Industrieschuppen sowie am Rand des Eutiner Sees verbracht.

„Wir nehmen Hein nachher mit und setzen ihn in Malente ab“ sagte Jochen. „Nein!“ rief Dalli. „Hein bleibt hier, bleibt hier, bleibt hier...!!“ Währenddessen betrat Hein Daddel die Küche, wo sich Jochen und die beiden Schwestern aufhielten und in den Resten der gestrigen Mahlzeiten herumstocherten. „Hein bleibt hier bei uns!“ brüllte Dalli nun. „Hier bei uns. Der geht nicht fort!“

Hein Daddel lachte in seiner gewohnt schnoddrigen Art. „Tschä Käptn. Dat lütte Gör hat 'nen Narren an mir gefressen. Wahrscheelich sucht se eenen für die Kissenschacht“. „Aber Jochen“ sagte Dick nun. „Wir haben doch gestern einen Mietvertrag mit Hein abgeschlossen.“ „Aber Kind“ entgegnete Jochen. „Das war doch nur ein Spass. Hein kann doch nicht hier bleiben. Das Haus gehört doch eurer Oma. Da kann ich doch nicht einfach einen Mieter aufnehmen... das geht doch nicht. „Neee dat geht nich“ pflichtete Hein Daddel dem Jochen von Roth bei. „Dat geht nich. Unn dat geht schunn gar nich bei eurer Omma. Die hat neemlich Haare uff den Zeehnen. Mindestens soviel wie een Yeti oder een Eisbär.“

„Ihr Erwachsene seid alles Lügner. Immer lügt ihr uns Kinder an“ flennte Dalli nun mit weinerlicher Stimme. „Aber Dalli....“
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Beitragvon Ethelbert© » Sa 18.Apr.2009 17:04

Sch... Schule

„... es geht halt nicht. Wir können Hein nicht einfach hier wohnen lassen ohne daß die Oma es erlaubt“ sagte Jochen. „Und damit ist das Thema erledigt. Ich bringe euch jetzt in die Schule und mittags hole ich euch mit Lotte und mit der Kutsche ab. Außerdem muß ich noch einige Besorgungen machen... und Hein müssen wir auch noch irgendwo unterbringen.“

„Jooo Käptn“ meinte Hein Daddel und nickte zustimmend mit dem Kopf. Er kannte ja Oma Jantzen und wußte nur zu gut, daß Jochen natürlich recht hatte. Denn dass Jochen wegen ihm von Dodau oder vom Immenhof verjagt würde... das wollte er ja schliesslich nicht.

Die Schule kam bedrohlich näher und Dick und Dalli zogen die Schultern zusammen. Am liebsten hätten sie sich ganz klein gemacht, damit der Lehrer sie nicht sähe. Nicht etwa, daß die beiden Schwestern schlechte Schülerinnen waren... ganz und gar nicht. Aber es macht halt bedeutend mehr Spass mit den Ponys im Dodauer Forst herumzujagen als einem langweiligen Dorfschullehrer zuzuhören, wenn er langweilige Rechenaufgaben auf die Tafel kritzelt oder wenn man dem ebenso langweiligen Heimatkunde-Unterricht lauschen muss.

Die Schwestern sprangen schliesslich von der Kutsche und eilten dem Schulhaus entgegen. Gerade hatte es geklingelt und der Unterricht fing gleich an. Keine Zeit mehr um den Freundinnen und Freunden zu erzählen, was man gestern erlebt hatte... es war nur noch Zeit um Hein und Jochen auf der Kutsche zum Abschied zuzuwinken.

Jochen und Hein winkten freundlich zurück und dann machten sich die beiden auf zum Fischer Scharpers. Das war der Fischer vom Kellersee und bei dem arbeitete Hein Daddel ab und an... das heißt wenn Hein mal ab und dann Lust hatte zu arbeiten. Der olle Seebär pflegte nämlich von der Hand in den Mund zu leben und den lieben Gott einen guten Mann zu sein lassen... wie das Sprichwort sagt.

Da waren Jochen und Hein recht unterschiedlich. Denn herumzigeunern wie Hein Daddel... nein das lag Jochen von Roth nun überhaupt nicht. Und irgendwie fühlte sich Jochen auch dazu berufen dem ollen Seebär ein wenig auf die Beine zu helfen.... aber zunächst müßte er sich selbst auf die Beine helfen. Wenn das nun mal so einfach wäre....

Jochen's Glückstag

Jochen brachte Hein zum Fischer und Hein verabschiedete sich. „Du Hein!“ rief Jochen ihm nach. „Die Scheune von Dodau ist zwar abgeschlossen aber am Tor ist was nicht in Ordnung. Wenn du das Tor ein wenig anhebst und nach links schubst dann kann man das Tor entriegeln. Das muß ich irgendwann mal reparieren... aber das muß ja nicht sofort sein. Ich hab aber der Oma Jantzen versprochen mich drum zu kümmern.“

Hein Daddel hatte den Wink mit dem Zaunpfahl verstanden. Er könne also in der Scheune von Dodau jederzeit übernachten... und Jochen würde da auch nichts sagen. Und wenn Oma Jantzen mal vorbeikomme könne man immer noch so tun als hätte Jochen gar nicht gewußt, daß Hein Daddel in der Scheune übernachtet hätte.

Jochen fuhr davon, um bei Kaufmann Brinkmeyer einige Besorgungen zu machen. Das gehörte nämlich zu Jochen's Pflichten, da die Oma Jantzen und Angela im Augenblick wenig Zeit hatten. Kaufmann Brinkmeyer war ein netter etwas älterer Herr, der ständig einen weissen Kittel trug, dessen Brille meistens auf der Nasenspitze lag und der die Gewohnheit hatte ständig mit einem Bleistift auf seine Lippen zu tippen.

Jochen stand an der Kasse und Kaufmann Brinkmeyer rechnete wie üblich ab. „Sie Herr von Roth“ meinte Kaufmann Brinkmeyer plötzlich. „Hätten Sie gedacht, daß es bei uns so wenig Reitlehrer gibt?“ „Wieso das?“ fragte Jochen neugierig. „Ja da war doch gerade wieder ein Ehepaar bei mir, das sich nach einem Reitlehrer erkundigen wollte. Das ist nicht das erste Mal, das man mich danach gefragt hat. Und mir fällt beim besten Willen niemand ein.“

„Ja seltsam“ antwortete Jochen. „Wo wir doch hier in einem Pferdeland sind.“ Jochen packte seine Sachen zusammen und wollte gerade aus der Tür gehen als Kaufmann Brinkmeyer ihm etwas nachrief. „Sie Herr von Roth. Das Ehepaar sitzt übrigens drüben im Tanzcafe. Sehen sie dort die dunkelblaue Limousine... die gehört dem Ehepaar. Also wenn sie einen Reitleher kennen können sie ja mal......“

Weiter kam Kaufmann Brinkmeyer nicht mehr.... denn Jochen ließ alles stehen und liegen... und lief so schnell er konnte hinüber in Richtung Tanzcafé. Brinkmeyer schüttelte lächelnd seinen Kopf während Jochen....
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Beitragvon Ethelbert© » So 19.Apr.2009 15:43

Eine neue Bekanntschaft

.... wie von der wilden Hummel gestochen die andere Strassenseite erreicht hatte. Zunächst hielt er für einen Augenblick inne, um seine Kleidung zu ordnen. Sowas macht man reflexartig, wenn man etwas vorhat. „Das ist meine Chance“ flüsterte er leise und betrat ruhig und besonnen das Tanzcafé

Sehr viele Gäste waren zu dieser Zeit noch nicht anwesend. Das Ehepaar konnten also nur der Herr und die Dame sein, die in der Nähe des Fensters sassen und sich anregend unterhielten. Beide waren recht sommerlich gekleidet und dem ersten Eindruck nach schienen die beiden hier in der Holsteinischen Schweiz ihre Sommerfrische zu verbringen.

Jochen trat an den Tisch. „Gestatten, von Roth ist mein Name. Ich komme gerade vom Kaufmann Brinkmeyer“. Jochen wies auf die gegenüberliegende Strassenseite. „Herr Brinkmeyer erzählte mir, daß sie einen Reitlehrer suchen.“ Der Herr und die Dame blickten Jochen erstaunt an und nach einigen Sekunden antwortete der Herr: „Ja in der Tat. Wir suchen einen Reitlehrer für meine Frau. Und wenn's geht hier in dieser schönen Gegend an den Seen.“

„Vielleicht haben sie bereits einen Reitlehrer gefunden, Herr....“ „Mein Name ist Kassubeck. Anton Kassubeck aus Bremen“ antwortete der Herr lächelnd und reichte Jochen die Hand. „Bitte nehmen sie Platz, Herr von Roth.“ Das ließ Jochen sich nicht zweimal sagen. „Wie gesagt mein Name ist Jochen von Roth. Ich stamme aus Oberschlesien und bin ein ehemaliger Gutsbesitzer, den es nach dem Krieg hierhin verschlagen hat.“ Herr und Frau Kassubeck staunten nicht schlecht. Und ihrem Minenspiel nach zu urteilen schien dieser Herr von Roth den beiden alles andere als unsymphatisch zu sein. Auf jeden Fall schien dieser Herr von Roth ein interessanter Gesprächspartner zu sein.

„Ja Reiten lernen... das wollen jetzt viele Leute. Aber einen guten Reitlehrer zu finden ist heutzutage schwer. Die meisten Reitlehrer arbeiten nämlich auf den großen Landgütern. Sie verstehen... der Hochadel... die feinen Damen und Herren gehen halt vor!“ Da hatte Jochen von Roth anscheinend voll ins Schwarze getroffen. Denn Herr und Frau Kassubeck, die in Bremen wohnten, waren nämlich keine „feinen Damen und Herren“ wie es sich rasch herausstellte.

Herr Kassubeck war Schrotthändler, stammte aus sehr einfachen Verhältnissen und nach dem Krieg hatte er ein kleines Vermögen verdient. Das Ehepaar gehörte also zu den „Neureichen“ wie man zu sagen pflegte. Und diese „Neureichen“ oder „Emporkömmlinge“ waren in der sogenannten feinen Gesellschaft alles andere als gut angesehen... im Gegenteil.

Der Reitlehrer

Jochen erzählte von seiner Vergangenheit in Oberschlesien. Schliesslich besaß seine Familie ja ein großes Landgut und sogar ein Gestüt. „Wissen sie, Herr Kassubeck, ich habe alles verloren und muß mir hier eine neue Existenz aufbauen. Und von Pferden verstehe ich etwas... ich bin ein Pferdenarr und bin mit den Viechern praktisch aufgewachsen. Mir schwebt vor hier eine Reitschule zu eröffnen. Und eins können sie mir glauben... bei mir lernt man reiten. Und wenn's nicht anders geht mit roher Gewalt. Ich bin nämlich ein harter Knochen!“

Dem Bremener Ehepaar schien dieser Herr von Roth immer besser zu gefallen. „Anton, der Mann ist richtig“ sagte Frau Kassubeck, eine Mitdreissigerin und etwa 10 Jahre jünger als ihr Ehegatte. Schliesslich verabredeten Jochen und das Ehepaar sich auf nächsten Sonntag in Dodau. Herr Kassubeck hatte noch etwas geschäftliches zu erledigen aber am Sonntag hätten sie dann Zeit und wollten sich das ganze mal anschauen. „Versprochen ist versprochen, Herr von Roth. Wir kommen! Darauf können sie sich verlassen“ sagte Herr Kassubeck und reichte Jochen lachend die Hand zum Abschied.

„Prima gelaufen“ entfuhr es Jochen von Roth als er das Tanzcafé wieder verliess. Er schaute auf die Uhr.... Zeit um Dick und Dalli aus der Schule abzuholen. Doch die beiden waren schon weg. „Na wen wundert's. Die sind wahrscheinlich längst schon wieder bei ihren Ponys“ murmelte Jochen. „Hüh Lotte, auf nach Immenof!“... Jochen gab Lotte, der braven Stute, die Zügel und dann ging es ab in Richtung Immenhof, um die Sachen abzuliefern.

Und dann ging es sofort ab nach Dodau, denn Jochen hatte noch etwas sehr wichtiges vor. Die nächsten beiden Stunden verbrachte Jochen dann mit einer Schaufel bewaffnet auf einem freien Plätzchen, das sich einige Meter vor dem Dodauer Forsthaus befand. Er zog mit der Schaufel Linien durch den getrockneten Rasen. Was hatte Jochen wohl vor? Und wo waren eigentlich Dick und Dalli und die Ponys?
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Beitragvon Ethelbert© » Mo 20.Apr.2009 18:27

Überfall auf Fort Dodau

Schliesslich rammte Jochen einige Holzlatten in den Boden und spannte einige lockere Seile zwischen diesen Holzlatten. Allzu hoch sollten die Seile aber nicht angebracht werden... „So prima! Für den Anfang dürfte das wohl reichen“ murmelte der frischgebackene Reitlehrer in spé. „Aber wo sind bloss die Kinder? Das macht mir jetzt aber Sorgen....“

Jochen's Sorgen sollten jedoch nicht allzulange dauern. Denn einige Minuten später trabte ein ganzer Schwarm von kleinen Ponys und kleinen, aber auch einigen größeren Kindern heran. Und das mit einem ohrenbetäubenden Gebrüll. „Ach Gott! Wo kommen die denn all her?“ fragte sich Jochen von Roth. Offenbar war Oma Jantzen's kompette Ponyzucht und auf ihnen reitend mindestens die Hälfte aller Kinder aus Malente-Gremsmühlen unterwegs in Richtung Dodau.

Im Nu war Jochen umzingelt und ein noch nicht so grosser Junge auf einem noch nicht so grossen Pony erklärte Jochen zum Kriegsgefangenen. „Nein nicht schon wieder Kriegsgefangenschaft“ rief Jochen. „Ich bin Attila, der Hunnenkönig“ meinte der kleine Bursche. Er hatte sich ein Fell umgehängt und trug einen Pappbehälter auf dem Kopf. Außerdem hielt er eine angespitzte Bohnenstange in der Hand. Das sollte wohl die Lanze darstellen.

„Mans, ich habe dir doch gesagt, daß wir Indianer sind“. Anscheinend waren sich die Angreifer noch nicht einig, ob sie nun eine wilde Indianerhorde oder eine ebenso wilde Horde von Hunnen seien. Die kleine Indianer-Squaw, von der diese Bemerkung kam, trug eine schwarze Augenmaske und hatte sich einen schwarzen Schnurrbart aufgemalt. Außerdem hatte sie eine lange weisse Hühnerfeder in ihrem Pferdeschwanz. Aber seit wann haben Indianer-Squaws denn Schnurrbärte? Und tragen die wirklich Pferdeschwänze?

„Nein Dick, wir sind die Hunnen“ entgegnete Attila, der Hunnenkönig. Dann stieg er von seinem Streitross ab... offenbar um seinen grossen Sieg zu feiern. „Du bist jetzt gefangen und wirst gefoltert“ meinte Attila, der Hunnenkönig, zu Jochen von Roth. Dann näherte sich von links ein sehr gefährlicher Bandit. Das konnte man unschwer am Taschentuch erkennen, daß dieser Bandit zwecks Verschleierung seiner Identität um den Mund gebunden hatte. Außerdem hatte dieser Bandit, wie fast alle Banditen im wilden Westen, lange blonde Zöpfe.

Jochen im Glück

„An den Marterpfahl mit ihm!“ rief der Bandit, der eine auffallend helle Stimme hatte. Die Indianer-Squaw mit dem schwarzen Schnurrbart und der Hühnerfeder im Pferdeschwanz, widersprach jedoch. Auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden sollte dieser Gefangene. Aber erst nachdem man ihn mit den Ponys totgetrampelt hätte, sodaß nur noch die Eingeweide übrig seien. Anscheinend war diese Indianer-Squaw die Anführerin dieser gefährlichen Bande... oder war das Attila der Hunnenkönig?

Egal.... Jochen von Roth hielt es nun für angebracht sein Fort Dodau zu verteidigen. Und das konnte nur mit roher Gewalt geschehen! „In der Küche hab ich Milch und Rosinenbrot hingestellt. Außerdem habe ich Karamellbonbons eingekauft“ rief Jochen. Dieser Verteidigungsmaßnahme entuppte sich als außerordentlich wirksam. Denn innerhalb weniger Sekunden war der gefährliche Angriff der Indianer-Hunnen beendet und die Banditenschar erstürmte schreiend und kreischend das Forsthaus.

„Na da hab ich ja mal wieder Glück gehabt“ meinte Jochen und wischte sich erstmal den Schweiss von der Stirn.
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Beitragvon Ethelbert© » Mi 22.Apr.2009 14:50

Die Fischerin vom Kellersee

Nur wenige Kilometer entfernt wischte sich Hein Daddel ebenfalls den Schweiss von der Stirn. Danach streifte er einige Male über die Schürze, die er umgebunden hatte. „Tschäää.... bin ick eijentlich eene Fischerin? Unn die Fische stinken jo wie de asiatische Beulenpest.... Tschäää... grummel... grummel.“ Hein war dabei den Fischfang des heutigen Tages aus dem Boot zu hieven und dann mussten die Fische natürlich geputzt werden... und die Fischreusen mussten geflickt werden.... und ... und... und...

„Tschä watt für ein Sch.e.i.s.s.leben“ grummelte Hein Daddel in sein Seemansbärtchen hinein. Vor einem Jahr hatte er von einem Schoner abgeheuert und hatte versucht sein Glück auf dem Festland zu finden. Seitdem stromerte er eigentlich nur herum und lebte von Gelegenheitsarbeiten. Er war ja schon 50 Jahre alt und für so einen ollen Seebären, der Zeit seines Lebens eigentlich nur Schiffsplanken und Hafenspelunken gekannt hatte, war ein Neuanfang nicht gerade einfach. Und auf dem Festland schon mal überhaupt nicht...

Nicht etwa, dass ihn das Herumstromern so sehr missfallen würde... aber ein wenig Stetigkeit würde seinem eher unstetem Leben und seinem mittlerweilen leicht angekratztem Ego gut tun. „Ick gloob ick werd mich an den Käptn halten“ grummelte Hein Daddel. „Der Käptn der hod een Plan.“ Was so viel heissen sollte wie: „Häng dich Jochen von Roth an den Rockzipfel, denn der weiß amscheinend wo der Hammer hängt.“

„Tschä dat werd ick ja mol machen“ grummelte Hein Daddel weiter. „Hein watt quatscht du do andauernd?“ rief nun Fischer Scharpers, bei dem Hein stunden- oder tagesweise arbeitete. „Jooo Käptn... ick gloob ick werd hier bald abheuern. Ick zieh uffs Land!“ entgegnete Hein Daddel. Fischer Scharpers lachte nur... denn mittlerweile kannte er den Hein Daddel ja zu genüge. Und dieser Hein der quasselte gerne und viel und hatte mitunter recht seltsame Ideen.

Jochen der Hinterhältige

Auf Dodau war in der Zwischenzeit auch einiges geschehen. Die wilde Indianerbande hatte sich in der Küche breitgemacht und die dort gespeicherten Getränke- und Lebensmittelvorräte arg dezimiert. Aber Hauptsache es schmeckte...

Nun betrat Jochen die Küche und klatschte in die Hände. „Alle mal hergehört... wie steht es denn mit euren Reitkünsten? Könnt ihr alle gut reiten?“ „Aber ja... und ob... und wie...“ erschall es von überall her. „So so... das müßt ihr mir aber beweisen. Denn behaupten kann man alles mögliche. Ich will nämlich einen Ponyreitclub aufmachen... und da nehme ich natürlich nur die allerbesten Reiter auf.“

Die Kinder schauten Jochen erstaunt an. „Jawohl, Kinder. Ich will einen Ponyreitclub aufmachen. Den nennen wir die „Roten Reiter“... ich heisse nämlich Rot... genau gesagt „Jochen von Roth“ Habt ihr Lust mitzumachen?“

Das war natürlich eine ausgesprochen dumme und sinnlose Frage ... oder wie die etwas gebildeteren Zeitgenossen sagen „das war nur eine rein rhetorische Frage“. Denn natürlich hatte jedermann bzw. jederfrau bzw. jederkind Lust dort mitzumachen. „Na dann kommt mal alle mit nach draußen. Ich bin nämlich gerade dabei einen Reitparcours draußen zu errichten. Und da könnt ihr einmal zeigen wie gut ihr reiten könnt. Ihr müßt mir aber vorher beweisen, daß ihr geschickt und fleißig seid.“

Dass dies ein in allerhöchstem Maße mieser Trick war, um die Kinder zur tatkräftigen Mitarbeit am Reitparcours zu motivieren, war ja wohl augenfällig. Für Jochen lief das ganze allerdings unter dem Motto „erzieherische Massnahme“. Im Nu befand sich die gesamte Kinderschar mitsamt Ponys wieder draußen auf dem Platz, der noch kurz zuvor Austragungsort eines hochgefährlichen Indianerüberfalls bzw. äußerst gefahrenbirgenden Hinterhaltes war. „Hinterhältig kann ich auch sein“ murmelte Jochen und schaute in Richtung der Kinder.

„So Kinder, jetzt hört mal zu. Hier sind zwei Schaufeln für die stärksten unter euch!“ Das hatte eine ungeahnte Wirkung, denn alle Kinder drängten sich natürlich danach die stärksten sein zu wollen. „Und hier liegen einige Holzstangen für die geschicktesten unter euch!“ Auch hier war der Zuspruch überwältigend, denn alle Kinder waren natürlich geschickt wenn nicht sogar „die geschicktesten unter euch“. Irgendwie war das ganze wirklich ein ganz klein wenig hinterhältig... aber dafür sehr wirksam. Und darauf kam es ja schliesslich an. Jochen war nicht ganz unzufrieden mit sich selbst.
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