Was ist bloß mit dem Ponyhotel passiert

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Re: Was ist bloß mit dem Ponyhotel passiert

Beitragvon Oma Janzen » Mo 22.Sep.2014 7:48

Es geht auf`s Schiff

In Marseille war es schon nicht mehr ganz so Kalt wie heute Morgen in Hamburg. Nachdem sie ihre Koffer und den Buggy ein gesammelt hatten, verließen sie den Flughafen. Dort auf dem Vorplatz bekamen sie auch gleich ein Taxi, was die drei Personen mit mehreren Koffern, Buggy und Handgepäck aufnehmen konnte. Der Fahrer sah aus, wie Dick sich so einen typischen Clochard vorstellte. Doch als er seinen Mund aufmachte, musste sie ihr Urteil berichtigen. Auch wenn sie den Mann nicht verstand, klang es doch sehr freundlich, außerdem konnte ein Obdachloser sicher auch in Frankreich kein Auto fahren. In einem Deutsch-Französisch Kauderwelsch fragte er: „Das sieht ja aus als ob sie dérapage wollten.“
„Wie bitte, was meinen sie“,
fragte Ralph verwundert, der jetzt gar nichts mehr verstand. Bevor weitere Sprachprobleme auftauchten, kam die freundliche Stewardess, aus dem Flugzeug, ihnen zu Hilfe. Sehr gut deutsch konnte sie zwar auch nicht, sie hoffte jedoch, dass es reichte und übersetzte was der Taxifahrer gesagt hatte. „Das sieht ja aus als ob sie auswandern wollten.“
„Ach so! Da hat der Mann sogar Recht.“
„Wo wollen sie denn genau im Hafen hin?“
„Wir wollen zum Kreuzfahrtterminal.“
„Kein Problem, soll ich mit dem Fahrer auch gleich den Fahrtpreis ausmachen?“
„Ja gerne“,
sagte Ralph verlegen. „Aber ich habe nur deutsches Geld mit, ob er das nimmt?“
„Bestimmt nicht! Aber sie können es mir geben und ich wechsele ihnen das in die Landeswährung um. Als Chefstewardess kenne ich den Wechselkurs.“
„Gut wenn sie das machen könnten“
, sagte Ralph erleichtert. Denn er hatte sich schon auf umständliche Verhandlungen gefasst gemacht und das bei dieser Temperatur, gefiel ihm dass gar nicht.
Die Stewardess wendet sich dem Mann mit der Baskenmütze zu und es gab eine Lautstarke Diskussion, bei der, der Taxifahrer vor Wut seine Mütze abnahm und hinein biss. Nach einer Weile wendet sich die Stewardess wieder zu Ralph und sagt: „Er sagt er will für die Fahrt zweihundert Franc, außerdem bringt er sie genau dahin wo sie wollen.“ Was der Mann sonst noch alles gesagt hat und erst recht seine Flüche, übersetzte sie lieber nicht.
„Ist das nicht etwas teuer“, fragte Ralph, vor dessen inneren Auge eine Rechenmaschine ratterte.
„Oh no, no“, wehrte die Stewardess ab, mit starrem Gesicht. „Das sind ja gerade Mal zweiundsechzig Mark für die weite Strecke. Soll ich ihm das Geld geben?“
„Ja, wenn es sein muss“,
sagte Ralph mit zusammen gebissenen Zähnen und er überlegte, ob die Reisekasse überhaupt ausreichen würde, wenn es so weiterging. Während die Stewardess bezahlte, holte er das deutsche Geld raus und übergab es der Stewardess. Weil sie ihnen doch sehr geholfen hatte, bedeutete Dick im noch etwas drauf zu legen. „Bitte sehr, sie haben uns sehr geholfen.“
Die Dame sah die Summe und meinte: „Das ist aber zu viil.“
„Nein schon gut! Ohne sie hätten wir wahrscheinlich mehr bezahlt und auch noch mehr suchen müssen.“

Dann nahm der Fahrer ihr Gepäck und verstaute es im Wagen, sogar der zusammengelegte Buggy fand neben den drei Personen noch Platz. Dann stieg auch er ein und brachte sie zum Hafen. Unterwegs fragte Dick neugierig: „Ralph, wann sagst du mir endlich mit was für einem Schiff wir fahren?“
Weil sie schon eine gute Stunde gefahren waren, sagte Ralph geheimnisvoll Grinsend: „Dick du erfährst es doch noch innerhalb der nächsten Stunde, wart`s doch ab. Ich bin mir fast sicher, das du begeistert sein wirst.“
„Du bist gemein, wir haben doch weder Weihnachten noch habe ich Geburtstag, das du mich auf die Folter spannst.“

Eine halbe Stunde später bremste der Fahrer und Ralph dachte sie müssten an einer roten Ampel warten, stattdessen waren sie schon am Kreuzfahrtterminal. Hinter dem kleinen Gebäude ragten vier hohe Masten, eines Großseglers auf und Dick stotterte: „Ralph, das ist doch nicht etwa unser Schiff oder träume ich?“
„Du träumst nicht, sondern siehst ganz richtig, gefällt es dir denn?“
„Na klar, aber ich glaube wenn ich alles gesehen habe wird es mir noch besser gefallen“,
antwortete sie lachend.
Nachdem der Fahrer den Motor abgestellt hatte, ging er zum Kofferraum und holte ihr Gepäck aus dem Wagen. Er baute sogar den Buggy auf und brachte ihn mit einem Lächeln im Gesicht an die Seitentür, wo der Mann mit dem Kind saß. Sie stiegen aus und setzten Franzi in den Buggy. Anschließend wollten sich noch bedanken, aber da stieg der Fahrer auch schon wieder ein und fuhr weiter.
Nachdem sie die nötigen Papiere ausgefüllt hatten und sie aus der Halle traten, sah Dick das Schiff zum ersten Mal in voller Schönheit.
„Das ist doch die *Star Cloud*, von der alle im Segelclub geschwärmt haben. Und jetzt … und jetzt, soll ich mit diesem eleganten Großsegler fahren?“
„Ja und stell dir vor das gleich für volle drei Wochen! Genieße es, denn sobald werden wir wohl keinen Urlaub machen können.“

In dem Augenblick zuckte Dick zusammen und stieß ein kurzes „Au“ aus.
„Was ist, gefällt dir doch etwas nicht?“
„Doch alles in Ordnung, nur unser Nachwuchs hat mich gerade vor Begeisterung getreten. Lass uns doch endlich an Bord gehen.“
„Hoffentlich bekommen wir keinen Seemann, sondern einen Australier.“
„Ralp, woher willst du denn wissen, ob das Kind ein Junge ist“,
fragte Dick erstaunt.
„Natürlich, weiß ich dass nicht, aber ich wünsch es mir wohl.“
Damit holte er die Tickets aus der Tasche und ging zu der Gangway, die zum Schiff führte. Die Koffer mit dem Buggy, hatten ihnen schon zwei freundliche Matrosen abgenommen und brachten sie auf anderem Weg auch an Bord.
Mit Frau und Tochter, die inzwischen auf Papas Schultern ritt, gingen sie an Bord. Dort servierte ihnen eine nette junge und hübsche Französin mit einem kecken Hütchen auf dem Kopf, einen süßen dampfenden Empfangsdrink, der ein kleines Schirmchen hatte. Als die Schönheit sie aber dann auf Deutsch ansprach, war nicht nur Dick überwältigt.
„Hallo, ich bin Marlene und eure Ansprechpartnerin hier auf dem Schiff. Macht es euch da drüben erst einmal gemütlich, ich bringe euch nachher zu eurer Kabine. Ich muss nur noch einige andere Passagiere begrüßen.“
Ralph hatte sich so ziemlich von der Überraschung erholt und antwortete schon flirtverdächtig, mit schwimmenden Augen: „Aber gerne Marlene!“
Damit Franzi nicht sofort auf dem Schiff Unsinn machte, setzte er sie zwischen sich und Dick auf die Bank. Sie saßen mit dem Rücken zur Reling, wo sie die langsam steigende Sonne beschien. Bald waren Ralph und seine Frau der warmen Herbstsonne der *Côte d’Azur* erlegen und dösten ein, nur Dick riss sich immer wieder zusammen, weil sie ihre Tochter doch nicht ganz aus den Augen lassen. Doch hätte sie sich keine Sorgen machen müssen, es gab viel zu beobachten, darum vergaß Franzi ganz das übliche zappeln. Nicht nur ihre Tochter war von dem Schiff begeistert, auch ihre Mutter konnte sich erstmal gar nicht satt sehen, an dem ganzen Segelutensilien.
Irgendwann wurde selbst Ralph hellwach, als laute Segelkomandos zum ablegen über Deck schalten. Dick überließ es ihrem Mann Franzi zu beobachten und suchte sich an der Reling eine Stelle, von der sie dieses Manöver gut sehen konnte. Dabei überkam sie wieder die die Sehnsucht, selber Hand anzulegen. Marlene beobachtete diese Frau schon einige Minuten und sprach sie an.
„Jetzt hätte ich Zeit euch die Kabine zu zeigen, aber ich glaube du möchtest lieber erst zusehen.“
„Ja auch! Aber ich würde gerne mal ein solches Schiff segeln.“
„Ja kannst du denn so etwas?“
„Natürlich, zwar nicht in dieser Größe, aber ich habe meinen Segelschein gemacht.“
„Ja dann, wird unser Kapitän dir sicher gerne die Brücke zeigen und beim Segel setzen und sonstigen Tätigkeiten an Bord, kannst du sowieso mit anfassen. Aber jetzt lass uns doch erst mal den Rest deiner Familie holen.“
„Wieso machst du denn so ein Geheimnis wegen der Kabine, Marlene?“
„Ich nehme an, dein Mann wollte dich damit überraschen, deswegen will ich jetzt dazu nichts sagen.“
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Re: Was ist bloß mit dem Ponyhotel passiert

Beitragvon Oma Janzen » Fr 26.Sep.2014 22:15

Wer bleibt auf dem Friesenhof

„Ja, meine Herren wen würden sie gerne übernehmen?“
„Dann werde ich mal anfangen“,
sagte Karl Haase. „Ich möchte Vorschlagen Helge Kampen zu übernehmen, denn er hat sich im Gespann fahren und auch im Fahrsport ganz gut gemacht. Zu den anderen drei frischgebackenen Pferdewirten, kann ich ja nichts sagen. Außerdem …“
„Was ist denn noch Herr Haase“
, fragte ihn der Chef neugierig.
„Tja wie soll ich das sagen … Ihr vertrauen in mich ist ja auch gerechtfertigt, aber ich werde nun mal nicht jünger und ich könnte mir vorstellen, dass der Helge eines Tages mein Nachfolger wird.“
Gut Herr Haase, wenn sie meinen dann überlasse ich ihnen alles weitere, in dem Punkt. Bis jetzt haben sie mein Vertrauen noch nie enttäuscht und sie kennen Herrn Kampen ja auch länger wie ich.“

Jetzt wendete sich Larsen zu seinem Reitlehrer. „Herr Kornelius, aber sie kennen doch alle drei anderen neuen Pferdewirte, was würden sie mir den empfehlen?“
„Okay, Peter Jensen ist zwar kein guter Dressurreiter aber sonst arbeitswillig und zuverlässig. Auch die beiden Damen sind empfehlends wert. Nur vor einer Entscheidung möchte ich gerne mit allen vier Anwärtern sprechen, wie sie sich ihre Zukunft vorstellen.“
„Ja da haben sie auch wieder Recht! Meine Herren dann holen sie doch unsere vier neuen Pferdewirte. Ach wenn sie Herrn Kampen wollen, sollten wir ihn nach seiner Meinung fragen.“

Damit verließen die beiden ohne weitere Worte das Büro um ihre Schützlinge zu holen. Der Reitlehrer steuerte natürlich erstmal auf seine Frau zu und fragte sie: „Weißt du wo Olga und Peter stecken?“
„Soviel ich weiß, sind sie bei den neuen Auszubildenden und geben ihnen einige Tipps. Wieso was willst du denn von ihnen?“
„Ich nichts, aber Larsen möchte euch alle sprechen, wer hier bleibt. Karl holt gerade Helge dazu.“
„Dann werde ich den beiden Mal bescheid sagen und mit ihnen ins Büro kommen. Aber du weißt doch was ich vorhabe?“
„Das schon, aber es geht ja auch nicht nur um dich und ich glaube so ein Abschlussgespräch wird ganz interessant.“
„Na gut, ich bin ja schon unterwegs“
, maulte Dalli und ging in die Futterkammer, wo sich die acht versammelt hatten.
Nachdem die vier jungen Pferdewirte im Büro waren, fragte Larsen sie nach ihren beruflichen Wünschen für die Zukunft. Dalli hielt sich erst mal im Hintergrund, da sie fest damit rechnete, hier auf dem Gestüt weiterarbeiten zu können. Zumindest für die nächsten Monate, bis Kornis und ihr Flieger nach Amerika ging. Helge begann frei heraus: „Ich möchte eigentlich gerne hier bleiben und von Herrn Haase noch einiges lernen, bevor ich mich endgültig entscheide was ich mache. Herr Larsen ich hoffe, das ich diesen Weg einschlagen kann.“
„Herr Kampen, das würde mich natürlich freuen! Aber über die genauen Einzelheiten würde ich gerne mit ihnen, nach dieser Runde sprechen.“
Daraufhin lächelte ihm Karl Haase erfreut zu, denn er hatte ja schon vorher mit Helge über seine Zukunft gesprochen.
„Herr Jensen, was ist denn ihr Plan?“
„Ich würde gerne auf dem Immenhof im Stall arbeiten und eine Zusatzausbildung als Reitlehrer machen.“
„Das ist eine gute Idee, aber dann sollten sie schnellstens sich bei der Gemeindeverwaltung bewerben.“
„Auch wenn sie es vielleicht nicht so gerne hören werden; ich habe den Brief noch am Tag der Prüfung bei die Gemeindeverwaltung abgegeben.“

Falls Herr Larsen von Peters direktem Verhalten doch etwas verärgert war, ließ er sich nichts anmerken. Im Gegenteil er gratulierte Peter zu seiner Zielstrebigkeit.
„Fräulein Müller, haben sie schon eine Idee, was sie machen wollen?“
„Natürlich habe ich schon darüber nachgedacht“,
antwortete Olga mit fester Stimme, schließlich sollte ihr bisheriger Chef sie nicht für ein wankelmütiges Mädchen halten. „Für`s erste möchte auch ich hier bleiben, aber gleichzeitig möchte ich mich den Reitern der *Ostseequadrille* anschließen. Ich hoffe, das sie für mich eine Möglichkeit hier finden.“
„Natürlich Fräulein Müller! Bei ihrem erfreulichen Prüfungsergebnis würde ich mich sogar freuen, wenn sie dauerhaft hier bleiben. Für ihr Arrangement bei den Ostseequadrille werden wir bestimmt eine Lösung finden.“

Dann schaute er Dalli fragend an: „Und was planen sie? Wollen sie demnächst unter die Arbeitgeber gehen?“
„Ach sie meinen weil ich den Immenhof gekauft habe! Nein, den habe ich ja nicht ohne Grund verpachtet. Ich möchte in einigen Monaten wie geplant, mit meinem Mann in die Staaten gehen, dort will ich meine Zucht Erfahrung noch vervollständigen. Ich hoffte, das ich für diese wenigen Monate noch bei ihnen als Pferdewirt arbeiten könnte.“
„Frau Kornelius, da muss ich sie leider enttäuschen, für einen solchen Zeitvertrag bin ich nicht eingerichtet. Aber ich bin überzeugt, dass sie auf dem Immenhof genug Beschäftigung finden um sich die Zeit zu vertreiben.“

Sowohl Kornelius als auch seiner Frau fiel auf diese Antwort nichts mehr ein. Für Dalli war es sogar wie ein Schlag in die Magengrube, daraufhin verließ sie wortlos das Büro. Nur ihr Mann konnte sich als Festangestellter sich nicht so einfach zurückziehen, auch wenn er gerade das am liebsten getan hätte.

An diesem Tag sahen sich der Reitlehrer und Dalli tatsächlich erst Abends wieder. Als Dalli ihren Mann in der warmen gemütlichen Wohnung über dem Stall erwartete, konnte sie seiner Miene entnehmen, dass er immer noch wegen Herrn Larsens Antwort wütend war. Eigentlich wollte sie mit ihrem Mann den Abend auf dem Immenhof verbringen. Weil es aber mittlerweile angefangen hatte zu schneien und immer stärker wurde, hielt sie es für besser zu Hause zu bleiben. Zum Glück war sie schon vor einigen Stunden gekommen und hatte so die nötige Zeit, um alles für einen gemütlichen Abend am Kamin vorzubereiten.
Jetzt überredete sie ihren Mann dort Platz zu nehmen und den Abend noch etwas zu genießen. Seine Pfeife und eine Flasche Rotwein standen auch schon bereit und im Kamin knisterten die Holzscheite. Erst wollte er nicht, sondern wollte mit grimmigen Gedanken und ohne Essen ins Bett gehen.
„Wie nachdem was Larsen, gesagt hat kannst du noch so ruhig sein?“
„Ja Korni, ich glaube wir sollten es akzeptieren und das beste aus den vier Monaten machen.“

Eigentlich wollte er noch eine bissige Antwort darauf geben, denn *der Kloß lag ihm immer noch schwer im Magen*. Nachdem er aber gesehen hatte, welche Mühe sich seine Frau gegeben hatte huschte doch ein Lächeln über sein Gesicht. Widerstrebend setzte er sich knurrend hin und zündete sich seine Pfeife an.
„Was hast du eigentlich mit mir vor?“ rief er laut, denn seine Frau war in die Küche gegangen. Statt einer Antwort stieg ihm in diesem Augenblick der Duft eines Schweinebratens in die Nase und ihm lief das Wasser im Mund zusammen. Da kam Dalli auf schon mit zwei dampfenden Tellern ins Zimmer und sagte lachend: „Also habe ich doch recht gehabt, das du Hunger hast und ich kann auch etwas mitessen.“
„Natürlich! Komm doch her zu mir. Womit habe ich denn dieses gute Essen mitten in der Woche verdient?“

Dalli gab ihrem geliebten Korni einen dicken Kuss und antwortete: „Erstens haben wir meine Prüfung noch gar nicht gefeiert und außerdem …“
„Was außerdem?“
„Ich dachte mir, dass du wegen Larsen sauer bist und ich wollte versuchen dich etwas versöhnlich zu stimmen; damit dir die letzten Monate nicht allzu schwer fallen.“
„Mit dem was du da alles vorbereitet hast, könnte dir das durchaus gelingen.“
Vorher zog er sie aber noch zu sich heran und meinte: „Auch die Vorspeise kann nicht auf einem Bein stehen.“ Allerdings fiel dieser Kuss bedeutend länger aus. Als nächstes rückte er aber dem dampfenden und saftigen Schweinebraten, mit Messer und Gabel zu Leibe. Mit vollem Mund meinte er: „Deine Kochkünste können mich doch immer wieder besänftigen. Sei mir nicht böse, ich möchte trotzdem nicht mehr so lange sitzen bleiben.“
„Aber mein Schatz das verstehe ich doch. Du hattest doch sicher heute wieder einen harten Tag?“
„Das kannst du Laut sagen und nicht nur wegen Larsen.“
„Korni, nimm das doch nicht so schwer. Ich war danach drüben und habe festgestellt, das es bist zu unserem Abflug noch eine Menge zu tun gibt.“

Er nahm den Kopf seiner Frau in beide Hände und schaute sie ernst an.
„Stimmt das wirklich oder willst du mich nur beruhigen?“
„Nein das stimmt schon. Erst war ich auch sauer, aber umso länger ich auf dem Immenhof war, sah ich dass er Recht hatte. Obwohl … er das wohl gar nicht wissen konnte.“
„Na gut“,
sagte er gähnend. „Lass uns doch jetzt ins Bett gehen. Immerhin muss ich kurz nach vier schon wieder aufstehen, soll ich dich schlafen lassen?“
„Nein weck mich ruhig; ich hab zwar noch Zeit, aber ich werde auch einen langen Tag haben. - Machst du noch dass Licht aus?“

Das machte er sofort und zog Dalli zu sich ran. Als sie dann verwundert fragte: „Was hast du denn jetzt vor, ich dachte wir wollten Schlafen?“
„Ist ja auch richtig so, aber zusammen schläft es sich doch besser.“

Als Antwort grunzte Dalli nur und rollte sich an der Seite ihres Mannes zusammen.
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Re: Was ist bloß mit dem Ponyhotel passiert

Beitragvon Oma Janzen » Do 02.Okt.2014 13:09

Die Übergangszeit

Dalli verwöhnte auch am nächsten Morgen mit einem leckeren Frühstück, um ihn für das frühe Aufstehen zu entschädigen.
„Was du alles für mich tust ist ja lieb gemeint, aber du brachst nicht zu befürchten, dass ich Herrn Larsen anfalle.“ Danach drückte er seiner Frau noch einen schnellen Kuss auf den Mund und stieg die steile Treppe runter zum Stall.
Als er dann unten im Stall war, legte Dalli sich tatsächlich noch mal für eine Stunde hin und zog sich dann mit ungewohnter Ruhe an, um auch ihren Tag zu beginnen. Erst einmal räumte sie die Küche auf und machte die Betten.
Gegen acht Uhr, hatte sie soweit alle Hausarbeit erledigt und quälte sich durch den frisch gefallenem Tiefschnee zum Immenhof. Eigentlich waren es ja auch nur wenige Kilometer, nur konnte sie ja jetzt kein Rad benutzen, sondern musste zu Fuß gehen, was normaler weise auch kein Problem gewesen wäre. Es war zwar trockene Kälte und dazu schien die Sonne, dass sie doch tatsächlich ihre Sonnenbrille holen musste und sie Stiefelte munter los. Wenn sie schon in die Wohnung zurück musste, konnte sie auch gleich zwei Stöcke mitnehmen, die ihr neulich beim aufräumen begegnet waren. Die Stöcke waren für sie auch etwas zu lang, wahrscheinlich war ihr Mann früher Mal Skilaufen. Doch nach wenigen Metern merkte sie, dass der Weg kein gemütlicher Spaziergang würde und sie dankte ihrem Einfall, dass sie die Stöcke mitgenommen hatte. Denn der Schnee ging ihr bis zur halben Wade und sie musste gehen wie der Storch im Salat. Zum Glück hatte sie den Friesenhof schon hinter sich, so dass auch keiner über sie lachen konnte.
Na gut, wenn Larsen meinte mit Olga und Helge käme er aus, dann soll das ja nicht mehr ihr Problem sein. In Gedanken war sie manchmal schon jenseits des großen Teichs und machte für sich und Korni Zukunftspläne. Darum wunderte sie sich, als sie plötzlich vor der halbrunden Treppe mit den steinernen Säulen stand. Über ihre Gedankenspiele hatte sie gar nicht gemerkt, dass sie eine halbe Stunde gegangen war und sie war nach der Schneewanderung durchgeschwitzt, trotz der zweistelligen Minusgerade. Sie stand gerade verschnaufend auf die Stöcke gestützt und blinzelte in die Sonne als am oberen Ende der Treppe langsam die große Eingangstür wurde geöffnet und Rieke schaute sich zögernd um, denn sie glaubte, dass da jemand gekommen sei. Als sie Dalli sah winkte sie ihr zu, das sie schnell kommen solle.
„Was ist denn passiert Rieke“, rief sie ihr zu und stieß bei jedem Atemzug ein weißes Wölkchen aus.
„Nix schlimmes, aber komm mal schnell ans Telefon, du wirst staunen“, rief Rieke zurück.
Nachdem Dalli jetzt am Fuß der Treppe längere Zeit stand, merkte sie erst wie geschafft sie war und zog sich mithilfe der Stöcke die Stufen hoch. In der Halle ließ sie sich in Ermangelung eines Stuhls auf eine Treppenstufe fallen.
„Dalli willst du nicht hören wer am Telefon ist“, fragte Rieke und hielt ihr den Telefonhörer hin. Dalli hatte das Gefühl ihre Beine seien unendlich schwer, deswegen wollte sie sich am Treppengeländer hochziehen. Doch sobald sie auch nur versuchte die Arme anzuspannen, durchfuhr sie ein Höllenschmerz der ihr die Tränen in die Augen trieb.
Erschreckt beendete Rieke das Gespräch und eilte zur Treppe: „Soll ich einen Arzt holen?“
Da Dalli stocksteif wie eine Statue auf der Treppenstufen verharrte, war sie im Augenblick auch schmerzfrei und antwortete: „Sieht so aus, als ob ich sonst nicht mehr hier weg komme, hoffentlich ist es nichts Schlimmes.“
„Sieh mal nicht so *Schwarz*“,
sagte Rieke die schon so einiges in ihrem Leben erfahren hatte und ging wieder zum Telefon. Nach kurzem Gespräch sagte sie: Dr. Huber unser Hausarzt kommt sobald er von der Praxis weg kann.“
„Das heißt, ich muss noch bis heute Mittag hier ausharren, eigentlich wollte ich noch einiges erledigen.“
„Dalli die Arbeit wird dir wohl kaum weglaufen, dass weiß ich ganz gewiss. Und den Rest, müssen wir tatsächlich abwarten.“

Da klingelte das Telefon schon wieder und Rieke sagte ärgerlich: „Ausgerechnet jetzt ruft wohl Gott und die Welt an. Tut mir leid ich muss ans Telefon.“
„Ist ja nicht weiter schlimm, ich lauf dir bestimmt auch nicht weg. Wenn ich mich nicht bewege tut`s auch gar nicht mehr weh.“

Rieke wollte darauf etwas antworten, aber sie spurtete doch lieber zum Telefon, was ungeduldig klingelte. Außer Atem meldete sie sich: „Hier Hotel Immenhof, was kann ich für sie tun?“
„Ich wollte meine Tochter gerne für den Reitkurs in den Osterferien anmelden, oder bin ich dafür schon zu spät“,
fragte der Herr am Telefon.
„Nein das sind sie nicht, nur nehmen wir im Augenblick keine weiteren Anmeldungen an, da es hier einen Besitzerwechsel gegeben hat. Aber sie können mit gerne ihre Nummer geben, wenn wir wieder Gäste aufnehmen rufe ich sie gerne an.“
Daraufhin notierte sie sich den Namen, die Telefonnummer und den Wunsch des Herren, der sich dann auch gleich verabschiedete und auflegte. Gleich darauf klopfte es an der Tür und Rieke meinet entsetzt: „Sind wir denn heute in einem Tollhaus?“ Dann ging sie zur Tür und machte auf.
„Wenn ich Ungelegen komme, kann ich ja wieder gehen, aber ich dachte sie erwarten mich hier.“
„Natürlich Dr. Huber, bitte kommen sie doch rein. Da drüben sitzt die Patientin.“
„Hallo Fräulein Janzen, dass sie auch einmal meiner Hilfe benötigen hätte ich nicht gedacht.“
„Ja Dr. Huber“,
sagte Dalli steif, die sich nicht zu bewegen wagte. „Das mit dem Namen stimmt nicht mehr ganz, aber ich bin ja auch nicht mehr das kleine Mädchen.“
„Natürlich nicht, sie sind ja inzwischen uralt“,
sagte Dr. Huber mit ironischem Unterton. „Was haben sie denn für ein Problem?“
Anhand von Dallis Haltung konnte er sich schon fast denken was geschehen war und als sie ihm dann von der Schneewanderung erzählte, war alles klar. Daraufhin bekam der Arzt erst mal einen Lachanfall und sagte: „Ja wenn alle meine Patienten nichts schlimmeres wie einen Hexenschuss hätten, wäre ich ja bald Arbeitslos“ und zog eine Spritze mit der entsprechenden Flüssigkeit auf. „Oder sie könnten gleich eine Fahrpraxis aufmachen“, antwortete sie in einem plötzlichen Anfall von Humor. Nachdem er die Injektion an verschiedenen stellen in der Nähe der Lendenwirbelsäule verteilt hatte, meinte er: „So jetzt legen sie sich für einige Stunden hin und danach werden sie sich wie neu fühlen.“
„Danke! Aber wieso kam es denn dazu?“
„Während sie durch den Schnee gestapft waren, haben sie sich wohl etwas überanstrengt.“
„Ja stimmt! Heißt das, dass ich solche Touren demnächst nicht mehr machen darf?“
„Nein das heißt es nicht! Sie sollten nur demnächst etwas mehr Pausen einlegen. Aber so hat sich die Rückenmuskulatur verkrampft und die Nerven eingeklemmt, daher der Schmerz. Ich habe ihnen jetzt ein Schmerzmittel mit etwas entkrampfenden gespritzt. In einigen Stunden müsste der Schaden wieder gut sein.“
„Na gut“,
sagte Dalli und zog sich am Geländer hoch. Sie spürte zwar noch einen leichten Schmerz, aber kein vergleich zu vorher. Also zog sie sich die Treppe hoch, in die ehemalige Mädelsstube, in der Olga eigentlich jetzt nur noch alleine wohnte. Aber sie würde bestimmt nichts dagegen haben, wenn Dalli sich dort etwas hinlegte.
Sie hörte noch, wie unten Dr. Huber mit Rieke sprach, aber da war sie auch schon eingeschlafen; denn die Anstrengung von dem Weg und die Spritze, taten ihre Wirkung.

Nachmittags kam Dalli tatsächlich die Treppe herunter gesprungen, als ob es heute Morgen nicht gegeben hätte. Weil Rieke zufällig in der Halle war, rief sie runter: „Wer hat denn heute Morgen eigentlich angerufen?“
„Sag ich nicht“,
antwortete Rieke vergnügt. „Aber ich versuche Mal ob ich den Teilnehmer an den Apparat bekomme.“
Erst schaute Rieke rätselhaft, als sie wählte, wobei sie sich so hinstellte, das Dalli die Nummer auf keinen Fall erraten konnte. Dann hellte sich ihr Blick auf, als sich der Teilnehmer meldete und sie auch schon in den Apparat sprach.
„Jetzt ist Dalli da, möchtest du mir ihr sprechen?“
Was der Teilnehmer antwortete konnte Dalli ja nicht ahnen, aber das ganze wurde ihr immer rätselhafter. Jetzt sagte Rieke auch noch: „Das soll sie dir mal selber erzählen! Ich geb mal weiter, sonst wird sie noch ganz unruhig.“
Jetzt war sie aber neugierig genug und riss Rieke den Hörer aus der Hand.
„Hallo wer ist denn da“, rief sie in den Hörer.
„Na was meinst du wer hier ist“, fragte eine bekannte Frauenstimme.
„Margot“, rief Dalli, vor Begeisterung laut aus. „wie geht es dir und den Kindern?“
„Wunderbar! Es war genau das richtige, was du mir geraten hattest. Den Kindern und mir geht es super. Sicher ich vermisse auch hier Jochen, das wird sich wohl auch nie ändern. Ich arbeite auch wieder hier im Betrieb mit, wie früher. Papa hat den Kindern auch ihr geliebtes Pony vom Immenhof gekauft. Aber das wusstest du ja sicher schon. Es ist hier einfach alles perfekt“,
sprudelte Margot hervor.
„Ist ja schön, dass es dir so gut gefällt, aber wegen dem Pony wusste ich von nix“, log Dalli ins Telefon „Wenn du gerade Mal eine Pause machen musst um Luft zu holen, möchte ich gleich mal fragen, wie geht es denn deinem Babybauch?“
„Der wird langsam genauso dick wie bei meiner ersten Schwangerschaft.“
„Sag bloß du bekommst schon wieder Zwillinge“,
fragte Dalli die sofort geschaltet hatte.
„Richtig!“
„Was macht eigentlich Ramona jetzt und natürlich auch deine anderen Kinder?“
„Die hat den Umzug wunderbar überstanden und macht jetzt sogar riesen Fortschritte. Hier gibt es eine Sportguppe, die sich speziell auf Ramonas Behinderung einstellen und sie nicht nur im reiten fördern. Wenn Ramona geht siehst du fast gar nichts mehr. Die drei spielen gerade oben im Kinderzimmer.“
„Ist ja Prima! Übrigens du bist gerade zur richtigen Zeit gegangen, denn jetzt fängt der große Umbau an und das wäre für kleine Kinder nichts.“
„Papa lässt mich kaum noch aus den Augen, so besorgt ist er. Ich darf auch gar nicht mehr als sein Chauffeur arbeiten. Ach Dalli am liebsten hätte ich dich hier!“
„Margot mach dir nix draus, irgendwann sehen wir uns bestimmt wieder.“

„Ich glaube es geht los, lass uns nen andermal weiter telefonieren. Tschüß“ und schon war die Leitung tot.
Nachdenklich legte Dalli den Hörer weg und ging zum Stall, schließlich wollte sie noch Diana reiten.
Dort traf sie Andrea und erzählte ihr von Ramonas Fortschritten.
„Ist ja Super und wie geht es Margot?“
Jetzt musste Dalli ihr doch alles erzählen; aber dabei konnte sie Diana schon einmal putzen, also verlor sie wenigstens keine Zeit. Immer öfter in letzter Zeit konnte Andrea Dallis und Dianas ritt kommentieren. Also konnten sich die beiden noch etwas über Margot und ihre Familie unterhalten.
Zum Schluss stand fest, das Dalli in der verbleibenden Zeit bis zur Auswanderung, Margot besuchen sollte. Abends sprach Dalli auch mit Rieke und Hein und dies meinten: „Mädel fahr mal ruhig, so viel kannst du uns hier doch nicht helfen.“ Und Rieke ergänzte. „Wenn wir mal gar nicht weiter wissen, können wir dich ja immer noch anrufen.“
„Da hast du auch wieder recht, nur … was wird Korni sagen?“
„Frag ihn doch einfach.“
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Re: Was ist bloß mit dem Ponyhotel passiert

Beitragvon Oma Janzen » Sa 11.Okt.2014 21:56

Dallis Abenteuer

Drei Tage später, brachte Korni seine Frau nach Hamburg zum Hauptbahnhof, von wo ihr Zug nach Köln abfuhr. Über das Reisebüro in dem Ralphs Freund arbeitet, hatte sie auch schon die weiteren Zugverbindungen erfahren und die ganze Reise bezahlt.
Als sie im Zug saß dachte sie noch einmal darüber nach, wie ihr Mann auf ihren Plan, an den Rhein zu fahren, reagiert hatte. Natürlich hatte er auch schon längst erfahren, was seiner Frau an dem Vormittag zugestoßen war und er hatte sich ziemliche Sorgen gemacht. Rieke hatte ihm jedoch gesagt: „Der Arzt war schon eine halbe Stunde später da und nachdem sie sich aus geschlafen hatte, war alles wieder Okay.“ Doch als seine Frau Nachmittags immer noch nicht anrief wurde er immer nervöser, auch weil er keine Gelegenheit hatte zum Immenhof rüber zu gehen. Erst als sie lange nach Einbruch der Dunkelheit nach Hause kam wurde er ruhiger.
Das Abendessen fiel ziemlich karg aus, denn beide hatten einen harten Tag hinter sich. So gaben sie sich mit Brot, Butter, etwas Aufschnitt und einer Flasche Rotwein zufrieden, bevor sie dann ins Bett fielen und sofort einschliefen.

Am nächsten Morgen wollte sie ihren Mann auch nicht gleich mit dem Plan überfallen, also tat sie an diesem Morgen als ob alles normal wäre. Gegen acht Uhr machte Dalli sich wieder auf den Weg zum Immenhof, doch weil es seit gestern nicht mehr geschneit hatte und ein Traktor den Schnee festgefahren hatte, konnte sie sogar mit dem Rad rüber fahren. Es war zwar eine ungemütliche Fahrt durch den eisigen Gegenwind, der ihr ins Gesicht fuhr. Doch wollte sie sich noch von Diana verabschieden, weil sie für einige Zeit wegfuhr und mit Andrea besprechen, dass sie die Stute in der Zeit immer wieder ritt.
Früh am Nachmittag machte sie sich dann auf den Rückweg, damit sie ein gutes Essen zubereiten konnte. Denn sie hatte das ungute Gefühl, ihr Mann wäre von so einer langen Trennung nicht gerade begeistert und ein gutes Essen hatte ihn schließlich immer noch beruhigt. Unterwegs überlegte sie krampfhaft was sie wohl gutes Kochen könnte, erst kurz vor dem Gestüt kam ihr eine hervorragende Idee. Besser gesagt sie schwankte immer noch, zwischen ungarischem Gulasch und Rinderroulade.
Als sie zu Hause in den Kühlschrank schaute, entschied sie sich für ein feuriges ungarisches Gulasch und dazu den kräftigen Rotwein den sie schon vor einige Zeit gekauft hatte. Auch diesmal verfehlte ihr Plan sein Ziel nicht, Korni war so überwältigt, dass er nur noch traurig fragte: Wie lange willst du denn am Rhein bleiben?“
„Weis ich noch nicht genau. Warum fragst du denn?“
„Dalli kannst du dir das denn nicht denken“
, fragte er erstaunt. „So lange sind wir doch noch nicht verheiratet und schon soll ich Strohwitwer sein.“
„Na gut“,
sagte sie lachend, „da hast du auch wieder Recht, dass ist natürlich ein ganz wichtiger Grund. Dann werde ich zurückkommen sobald Margot ihre Kinder hat. Ich schätze so ungefähr eine Woche. Kannst du das aushalten?“
„Gerade noch so eben“
, antwortete er schon wieder halb getröstet.
Trotzdem hatte er sie nur mit zusammengebissenen Zähnen heute Morgen zum Bahnhof gefahren und nach einem flüchtigen Abschied auf dem Bahnhofsvorplatz, ging sie auf den Bahnsteig und suchte sich das passende Abteil im Zug.
Sie hatte gerade mit ihren Erinnerungen abgeschlossen, als sie viereinhalb Stunden später in Köln aus dem Zug stieg. Was für ein Wetter wirklich war konnte sie nicht sagen, aber es war nicht ganz so kalt wie heute Morgen in Hamburg. Sie verließ ja auch nicht den Bahnhof, sondern wechselte nur den Bahnsteig. Dieser Zug in den sie dann stieg fuhr zwar bis Eltville durch, allerdings brauchte sie mehr Fahrtzeit. Sie hatte einen Panoramazug erwischt, aus dem sie allerdings die Schönheiten des Rheintales genießen konnte.
Klaus aus dem Reisebüro hatte ihr gesagt, das die ersten Kilometer hinter Köln, bis zum Drachenfels, nicht viel zu sehen ist. Derweil der Zug sowieso noch Aufenthalt hatte, griff sie zu dem Kriminalroman den sie schon fast durchgelesen hatte. Jetzt wo sie durch`s Rheintal fuhr, wollte sie die Lösung auch wissen, *Wer die Lady auf dem Drachenfels* ermordet hatte.
Das winterliche Siebengebirge bot allerdings keine Sehenswürdigkeiten und sie war darüber sehr enttäuscht. Denn sie erinnerte sich noch sehr gut daran, wie Oma von der Rheinfahrt geschwärmt hatte. Nun gut vielleicht lag es ja doch am Winter.
Der Fluss war in den Uferzonen sogar gefroren, aber die tief stehende Wintersonne ließ die Eiskristalle aufblinken. Entchen liefen unbeholfen übers Eis, weil sie mit ihren Schwimmfüßen immer wieder die Grätsche machten. Einige ganz schlaue hoben ab und landeten im offnen Wasser. Dort blieben sie bis, eines der wenigen Frachtschiff Rheinabwärts fuhr und sie verscheuchte.
Bei Koblenz kam ein verspätetes Frachtschiff, dem ein Eisbrecher das Fahrwasser aufhielt, die Mosel herauf. Als es endlich den Rhein erreicht hatte, fuhr es weiter stromaufwärts. Ab hier befand sich der Flusslauf auch Parallel zu den Bahngleisen und Dalli sah mit erstaunen dass er nur wenig langsamer war wie der Zug. Sie wollte den Frachter eigentlich noch weiter beobachten, aber da fuhr der Zug gerade in einen Tunnel. Draußen wurde es zwar Stockfinster, im Zug ging jedoch die Deckenbeleuchtung an.
Nachdem der Zug den Tunnel verlassen hatte, konnte Dalli das Frachtschiff allerdings nirgends mehr entdecken, dafür wurde jetzt die Fahrrinne durch das wachsende Eis immer weiter eingeengt. Schemenhaft konnte sie jetzt am anderen Rheinufer mehrere Burgen oder auch Ruinen erkennen, durch das in der Nachmittagssonne immer noch spiegelnde Eis im Vordergrund, war die Aussicht nicht gerade verlockend. Außerdem wurde es zunehmend dunkel und da war gar nichts mehr mit Panoramaansicht.
Die Deckenbeleuchtung war auch schon seit einiger Zeit auf Permanent gestellt worden. Darum griff sie zu dem zweiten Buch, was Olga ihr gestern noch zugesteckt hatte. Eigentlich war ein Liebesroman im Moment nicht nach ihrem Geschmack, aber was sollte sie sonst während der Bahnfahrt machen? Dann zog sie dieser Roman sie doch in den Bann, weil es außer Liebe noch Intrigen gab, unter denen sowohl eine junge Frau, als auch ein behindertes Mädchen zu Leiden hatten. Was noch zusätzlich ihr Interesse weckte, die Handlung spielte in Eltville und Umgebung. Jetzt hoffte Dalli nur, das dieser Roman nicht eines Tages Wahrheit würde, mit Ramona als Hauptperson, denn es geschah auch noch ein Mord in nächster Umgebung.
Sie hatte sich gerade festgelesen, als der Schaffner rein kam und sagte: „Dürfte ich bitte ihre Fahrkarten sehen.“
Zerstreut kramte sie ihre Fahrkarte aus der Handtasche und hielt sie dem Schaffner hin.
„Ja, Danke sehr, bei ihnen ist die Fahrkarte in Ordnung und wie sieht es bei ihnen aus mein Herr“,
fragte er den finster dreinblickenden Herrn der mit in dem Abteil saß. Der Herr kramte umständlich die Fahrkarte aus seinem dunkelblauen Lodenmantel und reichte sie dem Schaffner. Da auch dies Karte in Ordnung war, wollte er schon das Abteil verlassen. Weil er aber sah, das die Dame in ihr Buch vertieft war und er ja ihr Ziel kannte, sagte er laut: „Übrigens die nächste Station ist Eltville und dort kommen wir circa in vier Minuten an“, dann verließ er endgültig das Abteil.
Dalli schreckte hoch, tat in das Buch ein Lesezeichen und steckte es dann weg. Danach wollte sie ihren Koffer aus dem Gepäcknetz holen und zog ihren Mantel an den sie während der Langen Fahrt auf einen Nebensitz gelegt hatte. Aber der Herr war ein Kavalier alter Schule und stand auf um ihr den Koffer runterzureichen.
„Ich weiß die Leute erschrecken leicht über mein aussehen, aber ich hoffe sie denken nicht, dass ich der Mörder aus ihren Kriminalroman bin“, sagte er lachend und hielt ihr dann auch noch die Abteiltür auf.
„Nein, das hatte ich auch nie gedacht“, beeilte sich Dalli zu sagen.
Als sie den Gang betrat, wurde der Zug auch schon merklich langsamer und dann sah sie auch schon das Stationsschild *Eltville am Rhein*, zum Glück war sie jetzt an der Tür. Als der Zug mit kreischenden Bremsen zum stehen gekommen war, kämpfte mit dem Mechanismus um die Tür zu öffnen. Der Schaffner sah ihre Probleme und öffnete ihr die Tür.

Jetzt stand Dalli mit ihrem Koffer und in ihren Wintermantel gehüllt auf dem Bahnsteig und hatte im Moment dass Gefühl ganz alleine auf der Welt zu sein. Der Zug war inzwischen weitergefahren und die anderen Fahrgäste hatten sich inzwischen auch zerstreut, als ein ziemlich korpulenter Mann mittleren Alters, den Bahnsteig betrat. Irgendwie kam er Dalli bekannt vor, doch woher … doch als er näher kam erkannte sie ihn.
„Onkel Pankraz, wo kommst du denn her?“
„Vom Weingut, was meinst du denn sonst?“
„Aber woher wusstest du, dass ich heute und jetzt hier bin?“
„Na von deinem Mann, der hat mich heute Morgen angerufen und gefragt ob ich dich nicht abholen könnte.“
„Das hätte ich jetzt nicht gedacht, da Korni heute Morgen wenig begeistert war, das ich gefahren bin.“
„Das habe ich auch rausgehört, aber trotzdem macht er sich Sorgen um dich. Ich glaube er kommt jetzt schon vor Sehnsucht um. Aber jetzt erst mal *herzlich Willkommen*“
„Danke! Da hattest du auch den richtigen Eindruck, ich will auch nur ungefähr eine Woche bleiben“
, antwortete sie und stieg in Pankraz Hallgartens große Limousine, deren Verdeck natürlich jetzt geschlossen war.
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Re: Was ist bloß mit dem Ponyhotel passiert

Beitragvon Oma Janzen » Fr 17.Okt.2014 11:45

Im Rheinland

„Schön das du noch mal her kommst bevor ihr Auswandert oder wollt ihr nach einer gewissen Zeit wiederkommen“, fragte Pankraz während er den Motor anließ.
„Ich weiß es ehrlich gesagt nicht was wir da drüben vorfinden. Aber die Ausbildung die ich dort noch machen will dauert ein Jahr und wie lange Kornis Vertrag geht weiß ich auch nicht. – Wie lange müssen wir denn noch fahren, denn hier ist es ziemlich kalt.“
„So, findest du auf einmal“,
sagte Pankraz lachend, „ich kann mich da noch ganz gut an kalte Duschen erinnern.“ und fuhr los.
„Omas Zeiten sind ja nun lange vorbei“, erwiderte sie empört.
„Hmm! Jedenfalls haben wir nur noch wenige Minuten zu fahren. Im Haus kannst du dich dann erst mal aufwärmen. Weil wir ja nur kurz unterwegs sind, springt die Heizung noch nicht an. – Übrigens hier fängt schon mein Land an.“
Zwei Minuten später drehte er Tatsächlich den Zündschlüssel auf aus und machte Dalli die Wagentür auf.
„Ich hoffe du bis noch nicht so eingefroren, um ins Haus zu gehen.“
„Nö, das wird gerade noch gehen“,
antwortete sie in der gleichen lockeren Art.
Schon im geräumigen Hausflur des Gutes empfing sie wohlige Wärme, so das sie sagte: „Hier gehe ich nicht mehr weg.“
„Ich glaube das wirst du gleich bereuen“
und machte die Zimmertür auf, ohne weiter ins Zimmer zu schauen. Dalli sah natürlich sofort wer da saß, stürzte rein und jubelte: „Pudlich, wussten sie auch, das ich heute komme?“
„Nicht direkt! Aber Pankraz hat mich für heute Abend eingeladen, er meinte ich würde noch eine Überraschung erleben und das stimmt ja auch. Dalli komm doch erst mal rein, du siehst wie ein Eiszapfen aus.“

„So ähnlich fühle ich mich auch, obwohl es im Zug geheizt war. Auch in Köln war es nicht so kalt wie hier, so dass der Kurze Weg vom Bahnhof hierher gereicht hat, um anzufrieren.“
„Du bist zwar nicht meine verehrte Henriette, aber ein Rezept habe ich trotzdem für dich. Trink das mal aus, dann wird dir sicher wärmer.“

Dalli schaute das Glas skeptisch an, das Pudlich ihr in die Hand gedrückt hatte und wusste nicht was sie davon halten sollte.
„Mädchen jetzt trink schon, ich will dich nicht vergiften.“

Jetzt kam auch Pankraz ins Zimmer und lachte aus vollem Hals über die Szene, die sich ihm gerade bot.
„Wo ist den eigentlich unsere mutige, unternehmungslustige Dalli“, fragte Pankraz sie.
„Ach wisst ihr, die Zeiten wo ich so leichtsinnig war, sind für alle Zeiten vorbei. Heute weiß ich so vieles mehr und bin dadurch vorsichtig geworden.“
„Na gut miin Deern“,
sagte Pudlich. „Aber jetzt vertrau einem alten Viehdoktor mal.“
Sie glaubte sowieso nicht im Ernst, dass sie vergiftet werden sollte. Aber die Farbe war ihr suspekt und der Geruch stieß sie immer noch ab. Da sie ihr Gefühl nicht zeigen wollte, hielt sie die sie sich die Nase zu und schluckte die Flüssigkeit mit Todesverachtung runter. Pudlich und Pankraz lachten sich *Scheckig* über das Gesicht, was Dalli dabei machte.
Zu dritt verbrachten sie dann noch einen langen schönen Abend, an dem viel getrunken wurde, aber noch mehr erzählt.
Dann sagte Pudlich: „Dalli denkst du noch an Ethelbert, der das Hotel ja erst möglich gemacht hatte?“
„Na klar!“
„ Außerdem war er ja immer hilfsbereit“
, ergänzte Pankraz.
„Ne Onkel Pankraz! Zu Anfang war er ein ganz schönes Ekel, aber dass hast du ja gar nicht mit bekommen.“
„Das nicht! Aber wenn meine Schwester den Jungen genauso verzogen hat, wie ich sie in Erinnerung habe, kann ich mir vorstellen, dass ihr so einiges auszuhalten hattet.“
„Eigentlich wurde es erst besser nachdem wir ihn ignoriert hatten und Jochen mit ihm geredet hatte. Da änderte er sich auf einmal, er schien sogar wie ausgewechselt, auch wenn sein falscher Stolz immer mal wieder durchblitzte.“
„Trotzdem wart ihr doch eine ganze Weile ein hübsches Paar.“
„Das schon Dr. Pudlich, aber erst nachdem Dick ihn mir abgetreten hat. Doch hatte er im sehr bald seine eigenen Vorstellungen vom Leben entwickelt, damit kam ich irgendwann nicht mehr klar. Aber richtig gemerkt habe ich das erst, als ich in die Lehre ging.“

Nach einer Weile meinte Dalli: „Auch wenn der leichte Rheinwein herrlich schmeckt, möchte ich doch lieber ins Bett gehen, der Tag war lang genug.“
„Da hast du recht mein Kind“
, sagte Pankraz, „aber las uns *alte Männer*, noch etwas in Erinnerung schwelgen.“
„Von mir aus“,
antwortete sie gähnend und ging aus dem Zimmer.
Aber schließlich beendeten auch die Beiden auch den Abend und Pudlich hatte doch tatsächlich etwas Schlagseite, als er das Weingut Hallgarten verließ. Jetzt fiel Pankraz schlagartig ein, das er und Dalli ja am nächsten Morgen zu Margot ins Krankenhaus wollten und er bekam ein schlechtes Gewissen, weil er den Abend solange ausgedehnt hatte und verzog sich jetzt schnellstens ins Bett.

Dalli wusste natürlich was sie heute geplant hatten und war entsprechend früh aufgestanden und war jetzt frisch für neue Taten. Eigentlich war sie sogar spät aufgestanden, wenn sie an die letzten Jahre während der Ausbildung dachte. Sie wollte sich gerade an den Tisch setzten um zu frühstücken, als Pankraz mit kleinen Augen und noch im Schlafanzug ins Esszimmer gestolpert kam.
„Guten Morgen, war der Abend noch so lang?“
„Das nicht mal, aber noch sehr feuchtfröhlich“,
antwortete er und überlegte, wie es Pudlich wohl heute Morgen gehen musste.
Nach einem guten Frühstück und einer Kopfschmerztablette, wurde Pankraz doch munterer und meinte er wolle sich nur fertig machen, dann konnten sie auch zu Margot ins Krankenhaus fahren. Während Pankraz oben war, wurden Ramona, Melanie wach und kamen mit dem kleinen Wolfgang ins Zimmer, wie alle Kinder waren sie neugierig. Auch Ramona konnte mittlerweile ganz verständlich sprechen und löcherten Dalli mit Fragen wie es jetzt auf dem Immenhof aussah? Natürlich fühlten sich die Mädchen auch hier wohl, trotzdem war der Immenhof für sie ein Stück Heimat. Jetzt kam dass Kindermädchen rein und setzte die beiden auf extra für sie angefertigte Stühle. Die Haushälterin hatte ihnen beiden Das Frühstück auf extra Tellern gebracht und zwei Becher Milch, die sie mit Strohalmen tranken und für den kleinen Wolfgang hatte sie ein Breichen mitgebracht, womit ihn das Kindermädchen jetzt fütterte.
Gerade als Pankraz jetzt die Treppe runter kam, holte das Kindermädchen die drei nach oben ins Spielzimmer. Jetzt konnten Dalli und Pankraz endlich ins Krankenhaus fahren. Nur das sie sich in dem kalten Wagen, dick Anziehen mussten. Auch wenn Pankraz scheinbar munter war, wurde er auf der Fahrt recht wortkarg.
Dalli stellte fest, das die Landschaft in der Wintersonne einfach himmlisch aussah. Auch ihr war bei dieser Bilderbuchlandschaft nicht nach reden zumute, weil ihnen in der morgendlichen Kälte, die Zähne klapperten. Nach einer Fahrtzeit von zehn Minuten fuhr Pankraz auf den Parkplatz und sagte: So jetzt bist du erlöst, steig schon mal aus und geh vor ich komme gleich nach.“
„Gut ich warte an der Anmeldung auf dich“,
sagte Dalli und war froh, diese Eishöhle verlassen zu können. Draußen war es zwar auch nicht viel besser, doch konnte sie sich jetzt wenigstens bewegen und hatte die Aussicht ins warme Krankenhaus zu kommen.
Sie überlegte inzwischen schon, ob sie nicht vorgehen sollte, denn jetzt waren zehn Minuten vergangen und von Pankraz war noch nichts zu sehen. Als Pankrazplötzlich durch die Tür kam gingen sie zusammen auf die Gynäkologie, wo sie Margot mit Dallis Besuch überraschen wollten. Aber Margot überraschte sie Beide, weil in dem kleinen Kinderbettchen neben ihrem Bett, zwei kleine Paketchen lagen. Trotzdem freute sich Margot sehr, Dalli zu sehen.
„Wie lange kannst du denn hier bleiben?“
„Theoretisch bis unser Flieger in die USA geht. Ich glaube aber Korni möchte mich vorher noch wieder sehen, er tat sich gestern bei unserem Abschied furchtbar schwer. Ich hab ihm gesagt, dass ich ungefähr eine Woche bleibe.“
„Irgendwie kann ich ihn ja verstehen, aber du bleibst doch bis ich wieder zu Hause bin.“
„Davon gehe ich doch aus, dass du morgen oder übermorgen entlassen wirst, denn dir scheint`s ja bestens zu gehen.“
„Sag Mal, meine Tochter, wie oft willst du mich denn noch zum Großvater machen“
, fragte Pankraz belustigt seine Tochter.
„Das wird wohl das letzte Mal sein, sagte Margot traurig „denn ohne Mann geht das ja nicht.“
„Das stimmt schon,
erwiderte die Freundin. „Aber du bist ja noch nicht zu alt für eine neue Liebe.“
„Da hast du schon Recht, aber ich kann mir nicht vorstellen, einen anderen Mann zu lieben.“
„Na das hat ja noch Zeit“,
sagte ihr Vater. „Jetzt versorge Mal erst deinen jüngsten Nachwuchs, was ist es denn überhaupt?“
„Zwei Jungs! Eigentlich wollte ich einen *Jochen* nennen, aber welchen Namen soll ich als zweiten nehmen?“
„Hältst du das wirklich für eine gute Idee? Wenn du ihn so nennst quälst du dich doch nur jeden Tag mit der Erinnerung rum“
, schlug Dalli vor.
„Ja, da hast du auch wieder Recht“, sagte Margot ganz zerknirscht. „Dann gib du ihnen die Namen!“
„Nein das musst du schon machen, ich kann dir höchstens einen Vorschlag machen. Wie findest du *Andreas und Nils*?“
„Keine schlechte Idee, aber wie bist du darauf gekommen?“
„Ach einfach Zufallstreffer! Ich habe einfach die ersten beiden Namen genommen die mir einfielen.“
„Okay sagt ihr dann der Kinderschwester bescheid, wie die Jungen heißen sollen?“
„Klar können wir das machen“
, sagte Dalli, aber Margot war schon dabei Andreas und Nils zu stillen. Sie warteten noch bis die beiden Jungs gesättigt waren und legten dann die Babys in ihr Bettchen. Nachdem Dalli die Namen auf ein Schild geschrieben hatten, was sie am Doppelbettchen gefunden hatte, verabschiedeten sich Pankraz und Dalli und brachten das fahrbare Kinderbettchen wieder auf die Säuglingsstation.
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Re: Was ist bloß mit dem Ponyhotel passiert

Beitragvon Oma Janzen » Di 28.Okt.2014 12:53

Auf dem Weingut

Seit drei Monaten hatte Herr Hallgarten nun keinen offiziellen und auch keinen inoffiziellen Chauffeur mehr, sondern er musste selber fahren, soweit ihn seine Tochter nicht fuhr. Herr Raute, der ihn in den Jahren von Margots Ehe gefahren hatte, war in Rente gegangen und die allein stehende Mutter wollte er jetzt bei dieser Kälte auch nicht hinters Steuer zwingen.
Solange Margot noch mit ihren Söhnen im Krankenhaus war übernahm Dalli die Aufgabe für Pankraz Hallgarten den Chauffeur zu spielen, aber schon bald bereute sie ihre schnelle Zusage. Zum Glück war Eltville zu der Zeit noch nicht so groß, dass sie sich nicht richtig verfahren konnte. Auch wenn die Straßen hier eher Gassen glichen, wo zwei Autos nicht aneinander vorbei kamen. Aber hier nahmen es die Autofahrer ehr ruhig hin, wie ihre französischen Nachbarn jenseits der Grenze, die kaum hundertzwanzig Kilometer entfernt war. Diese Fahrtmethode kam Dallis Mentalität eher entgegen, so konnte sie sich gleich am ersten Tag im Rückwärtsfahren üben und das nicht nur in der Ebene, sondern auch im bergigen Gelände.
Sie fand dass Verfahren nicht so schlimm, aber Pankraz Hallgarten war ein lausiger Autofahrer und ein noch schlimmerer Beifahrer. Es konnte ihm nie schnell genug gehen, an einer roten Ampel trommelte er mit den Fingern. Schon bei der ersten Fahrt noch am gleichen Tag, verwirrte er Dalli so mit seinen Bemerkungen, dass sie beinahe wirklich einen Unfall gebaut hätte und das auch nur wenige Straßen entfernt. Als sie dann zitternd über dem Steuer zusammen brach, bemühte sich Pankraz sie zu trösten.
In dem Haus wohnte wohl ein moderner Künstler, jedenfalls hatte er in seinen Vorgarten eine ziemlich genaue Abbildung eines Esels aus Draht und Eisen erstellt hatte. Bis auf den Kopf und die Hufe war der Körper aus oxydiertem Eisendraht. Die vier zierlichen Eselshüfchen waren aus vier zurechtgeschnittenen Eisenblechen geformt, die rotbraune Farbe passte ja sehr gut. Auf dem Eselsrücken verlief noch ein Eisenband bis zum Schwanzansatz, was dem Aalstrich der Esel entsprach und natürlich den Hals hinauf, was die Mähne andeutete. Nur der Kopf und die langen Ohren waren komplett aus rotbraunem Eisenblech geformt. Die Nüstern waren als Löcher ausgespart und in die Augenhöhlen waren auch je einen Augapfel aus dem gleichen Material eingearbeitet, was die Figur recht lebendig aussehen ließ.
Auf jeden Fall stand sie mit Pankraz Wagen nur mit wenigen Zentimetern Abstand, dem Esel gegenüber. Pankraz wollte gerade lospoltern, als er Dallis Blick begegnete, der ihn innehalten ließ. Erst recht weil nicht wirklich etwas passiert war. Jedenfalls war der Esel unversehrt, nur Pankraz Luxuskutsche hatte sich zwei kleine Beulen eingefangen. Durch die Konfrontation mit den Holzzaun, der jetzt zerstört am Boden lag. Da kam schon der Künstler aus dem Haus gestürzt und wollte scheinbar gleich lospoltern. Als er aber sah, dass sein Esel unversehrt war, wurde er wohl wieder friedlich. Auf jedenfall sprach er den gebrochen Zaun an und meinte, den könnte er reparieren, aber als er dass Auto sah meinte er trocken: „Ich glaube, sie haben den größeren Schaden!“
Pankraz besah sich den Schaden und antwortete erst einmal mit einem lang gezogenem „Hmmmm“, dann sagte er nach einer Pause: „Können sie mir dass nicht Ausbeulen?“
„Sie sind gut mein Herr, ich bin ein Künstler und kein Automechaniker.“
„Das weiß ich, aber sie können doch mit Metall umgehen.“
„Da haben sie auch wieder recht, Herr Hallgarten, aber billig wird das nicht“,
antwortete der Künstler, denn er wusste ja das Pankraz im Geld schwamm und nur zu geizig war in eine Autowerkstatt zu fahren. Da dachte er Pankraz einen Strich durch die Rechnung zu machen und sich das Ausbeulen kräftig bezahlen zu lassen.
Pankraz erkannte jetzt seinen Irrtum, aber jetzt konnte er nicht mehr zurück; jedenfalls nicht ohne sich zu blamieren.
Aber erstmal fuhr Dalli ihn zu seinem Termin, jetzt hielt er für die weitere Fahrt tatsächlich seinen Mund. Schon zwei Stunden später auf der Rückfahrt zum Gut hatte er seine guten Vorsätze vergessen und wollte Dalli wieder vorschreiben, wie sie zu fahren hatte. Nur inzwischen hatte Dalli ihre Ohren auf Durchzug gestellt und die Rückfahrt verlief deswegen Fehlerfrei.

Am nächsten Morgen hatte der Winzer zum Glück auf dem Gut zu tun und so konnte Dalli deswegen alleine ins Krankenhaus fahren. Sie wusste ja jetzt auch wo das Zimmer war, darum sprang sie mit großen Schritten die Treppe rauf. Dann steckte sie vorsichtig den Kopf durch die Tür und wünschte der mehrfachen Mutter einen schönen Tag.
„Dalli komm doch rein, hier ist es sowieso sterbenslangweilig.“
„Wieso denn das?“
„Wie du siehst liege ich immer noch alleine. Außer wenn die Schwester Andreas und Nils zum stillen bringt, kann ich mit niemand ein Wort sprechen.“
„Tröste dich jetzt bin ich ja doch hier und ich habe nicht die Absicht gleich wieder zu verschwinden. Außerdem dachte ich dich gleich mitzunehmen.“
„Daraus wird wohl nichts“,
antwortete Margot. „Die Visite kommt zwar erst noch, aber bisher war der Arzt noch nicht mit dem zusammenziehen der Gebärmutter zufrieden.“
In diesem Augenblick klopfte es beherzt an der Tür und schon schob eine Krankenschwester die Zwillinge in den Raum.
„Ach sie haben ja Besuch, dann kann ihnen die Dame sicher helfen; denn ich habe es heute Morgen eilig.“
Ohne eine Antwort abzuwarten verließ sie das Zimmer. Margot wunderte sich zwar über das Verhalten der Schwester, aber Dalli stand auf und fuhr das Kinderbett so ans Bett das Margot die Zwillinge zum stillen raus nehmen konnte.
„Sag mal ist die immer so kurz angebunden?“
„Nö normalerweise nicht! Aber sie hat mir erzählt, dass sie mitunter auch in die Unfallambulanz runter muss und da ist wohl einiges los, so wie ich vorhin an der Musik gehört habe. Ich glaube zwischendurch war sogar ein Rettungshubschrauber hier.“
„Na gut dann sei ihr verziehen“,
sagte Dalli und wollte sich wieder auf ihren Platz setzen. Als schon wieder die Zimmertür auf ging, diesmal kamen direkt mehrere Herren im weißen Kittel herein und einer sagte zu Dalli: „Wir müssen Frau Roth noch einmal untersuchen, könnten sie bitte solange auf dem Flur warten.“
„Kein Problem“,
antwortete sie und verließ das Zimmer.
Nach fünf Minuten konnte Dalli wieder rein und fragte Margot neugierig: „Wie geht`s darfst du nach Hause?“
„Leider nicht ich muss noch bis Morgen hier bleiben. Einer sagte, dass Bindegewebe wäre nach so vielen Geburten nicht mehr so elastisch, sie wollen das erst Morgen entscheiden. Wahrscheinlich wieder erst bei der Visite.“
„Na gut, dann weiß ich ja bescheid! Kann ich dich trotzdem noch was fragen?“
„Schieß schon los“,
sagte Margot lachend, „wenn es dich nicht stört, dass ich mein Brut fütter.“
„Überhaupt nicht! – Sag mal wie hältst du eigentlich beim fahren, die Bemerkungen deines Vaters aus?“
„Ahhh dass ist dein Problem“
, sagte Margot mit Schadenfreude. „Er weiß es noch nicht, aber er wird sich wieder an einen Chauffeur gewöhnen müssen oder selber fahren. Jedenfalls habe ich keine Zeit mehr dafür. Okay, Büro ist was anderes. Weil es ja ach im gleichen Haus ist, kann ich ja zwischendurch immer mal nach den Kindern sehen.“
„Puh“,
machte Dalli. Als die Frage schon raus war, überlegte sie sich doch ob sie nicht wie in ihrer Kindheit, zu vorlaut gewesen war. „Da bin ich aber froh, das du es mir nicht krumm genommen hast.“
„Quatsch, ich möchte dich sogar bitten meinen Vater auf diese Veränderung vorzubereiten.“
„Das wird sicher nicht einfach werden, aber für dich tue ich auch das noch.“

Inzwischen lagen die beiden Buben auch satt und müde in ihrem Doppelbettchen und Dalli fragte. „Wo soll ich sie denn hinbringen?“
„Kannst du sie nicht hier lassen, dann kann ich sie noch ne Weile beobachten.“
„Für mich kein Problem, aber dann werde ich euch drei mal alleine lassen. Ich kommen Morgen auf jeden Fall wieder, vielleicht ist dann ja dein Vater dabei“,
sagte Dalli zum Abschied und verzog das Gesicht. Darüber musste Margot, trotz der Müdigkeit jetzt doch lachen und sagte zum Abschied: „Ich bin dir aber auch nicht böse, wenn du alleine kommst.“
Es war zwar Mittagszeit als Dalli nach Hause fuhr und die Sonne schien, währenddessen dachte sie noch einmal über Margots letzte Worte, nach und kam zu dem Schluss; dass ihr Vater ihr zeitweilig auf die Nerven ging, sie ihn aber trotzdem mochte. Da in Eltville nicht so ein starker Autoverkehr war wie zu Hause, sah die Landschaft auch Wunderschön aus; trotzdem lag die Temperatur immer noch unter dem Gefrierpunkt. Sie dachte wehmütig daran, dass es in Hamburg, als sie losfuhr doch um einiges wärmer war. Nur die Kälte würde ja auch vorbei gehen und dann kam Margot ja auch nach Hause.
Dalli kam durchgefroren und hungrig wie ein Bär im Weingut an. Dort empfing sie nicht nur wohlige Wärme, sondern zogen auch verführerische Essensdüfte durchs Haus und diese versöhnten sie.
Nachdem sie sich des dicken Mantels entledigt hatte, konnte sie es doch nicht unterlassen sich neugierig in die Küche zu schleichen.
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Re: Was ist bloß mit dem Ponyhotel passiert

Beitragvon Oma Janzen » Di 04.Nov.2014 16:10

Die Kreuzfahrt

Am Hafenkai von Marseille lösten die Festmacher genannten Männer erst die mittelschweren Vor- und Achtersprings und danach die schweren armdicken Vor- und Achterleinen von den Dalben. Gleichzeitig zog die Mannschaft mit Hilfe von Winden, das schwere Tauzeug ein und belegten die an Deck befestigten Poller. Nachdem auch noch die großen Fender an der Bordwand eingezogen wurden, die dem Kai zugewandt war; konnte der Kapitän das Schiff mit einem Hilfsmotor auf Kurs bringen. Als erstes steuerte er die Hafeneinfahrt an, die für ihr Schiff mehr als genügend Platz bot; da die Motorkreuzfahrtschiffe um einiges breiter waren.
Sobald die *Star Cloud*, auch mit dem Heck, den Hafen verlassen hatte, stellte der Kapitän die Maschine ab und gab den Matrosen den Befehl zum Segelsetzen. Plötzlich trampelten mehrere Füße in schweren Seestiefeln über die Decksplanken. Die meisten Mastbäume waren mit Motoren bestückt, damit nicht alle Matrosen in die Wanten klettern mussten. Nur die drei Vorsegel am Schiffsbug mussten von Hand gesetzt werden. Weil nur eine sanfte Briese wehte, konnten sogar alle Segel gesetzt werden.
Von Deck aus konnte Dick zwar nicht die volle Pracht der Segel bewundern, sie konnte ja nur drei der fünf Rahsegel bestückten Mastbäme sehen; trotzdem war sie stolz darauf auf so einem schönen Schiff zu fahren.
„Sagt mal wollt ich eigentlich gar nicht wissen wo ihr die kommenden Wochen wohnen werdet“, fragte Marlene die zu ihnen getreten war.
„Doch natürlich“, antwortete Ralph geistesabwesend, denn auch er war noch ganz überwältigt von den Bildern die er gerade gesehen hatte. Die einzige die wie immer voll bei der Sache war hieß Franzi, die an Marlenes Rock zupfte damit sie mit ihr spielte.
„Eure Tochter ist vernünftiger wie ihr. Am besten wir gehen schon mal vor, ihr könnt ja dann nachkommen.“
Jetzt bekam auch Dick endlich mit wo sie war und stieß ihren Mann an, damit er ihnen in die Kabine folgte und sagte: „Warte Marlene, wir kommen ja schon mit. Wo liegt denn unsere Kabine? Hoffentlich brauchen wir darin nicht so beengt aufeinander sitzen.“
„Sag mal Barbara, warst du denn nicht bei der Buchung dabei?“
„Nein, mein Mann hat mich mit der Schiffsreise überrascht. Wieso was haben wir denn für eine Kabine?“
„Wart`s einfach ab, wir sind gleich da“,
sagte Marlene schmunzelnd.
Okay, das Schiff war zwar ziemlich lang, trotzdem wunderte sich Dick dass die Kabine so weit hinten lag, sie mussten auch noch zwei Decks raufklettern. Als Marlene dann die Kabinentür, aus tiefrotem Mahagoniholz mit goldenen Beschlägen, öffnete und sie das großzügige Innere sah, wollte sie schon erschreckt zurück treten. Dies war allerdings nicht möglich weil Ralph gleich hinter ihr stand, der sie Liebevoll auffing.
„Barbara mach den Mund wieder zu, dein Mann hat die Eignerkabine gebucht“, sagte Marlene. „Sie ist zwar nicht mehr ganz so groß wie ursprünglich, aber immer noch fast genauso groß und komfortabel eingerichtet, wie die Kapitänskabine. Ich glaube ich lasse euch erst mal alleine, damit ihr euch in Ruhe umsehen könnt. Wir sehen uns dann später.“
Dick konnte sich von diesem Luxus immer noch nicht satt sehen, erst recht weil sie kaum glauben konnte dass sie jetzt darin wohnen sollte.
„Ralph schau doch mal die riesigen Betten und selbst Franzi hat ihr eigenes Bett ... Ich glaube so ein riesiges Bett hatte ich noch nie.“
Dann ging sie durch die anderen Räume und als sie ins Badezimmer kam, rief sie Ralph zu: „Komm mal her und schau dir das an! Ich glaub`s nicht, das ist ja schon ein Badetempel. Ich versteh zwar nicht viel von verschiedenen Materialien, jedenfalls ist das hier keine Keramik; ich vermute eher Marmor, dazu würden auch die Goldenen Armaturen passen.“
„Ich hab mich vor unserer Reise mal etwas schlau gemacht: Das Schiff wurde 1931, im Auftrag von einem reichen Börsenmakler, erbaut.“
„Das ist ja dann auch eine Erklärung für diesen Luxus. – Dann lass uns erst mal auspacken, hoffentlich finden wir hier unsere paar Sachen hier überhaupt wieder. Die Reise an für sich ist schon wunderbar, aber wieso hast du noch so viel Geld für diesen Luxus gezahlt?“
„Habe ich ja gar nicht, das hat alles Klaus im Reisebüro gemacht, als er hörte das du Schwanger bist. Er meinte, ein Inlandsflug geht ja noch, aber bei einem transkontinentalen Flug ist das Risiko zu hoch. – Wenn wollte ich dich mit einem Großsegler überraschen und da war nur noch diese Kabine frei, ich habe nur den normalen Preis für die Überfahrt bezahlt.“
„Und das soll ich dir glauben“
, sagte Dick und ließ sich rückwärts auf`s Bett fallen.
„Schatz ist alles in Ordnung“, fragte Ralph besorgt.
„Ja alles bestens, dies Schauckelei ist etwas Schwierig in meinem Zustand, denn außerdem macht unser Junior gerade seine Turnstunde. Solange möchte ich einfach nur liegen bleiben.“
„Dann ist ja alles gut“
, sagte er und deckte seine Frau mit eine leichten Wolldecke zu.
Erst begann er die Koffer auszupacken und zumindest einiges auf Bügel zu hängen. Dann sah er aber dass seine Frau und Franzi eingeschlafen waren; um die beiden nicht zu stören, nahm er seine Zeichensachen und verließ leise die Kabine.
„Hallo, wo hast du denn deine Familie gelassen“, fragte Marlene ihn die gerade vorbei ging.
„Die probieren gerade die Betten aus und ich wollte sie dabei nicht stören.“
Sie sah den Zeichenblock und meinte leicht spöttisch: „Da haben wir wohl einen Hobbykünstler an Bord.“
„Ja lach nur, du wirst es ja nachher sehen. Kannst du mir vielleicht einige schöne Motive zeigen.“
„Im Augenblick ist ja auf dem Meer nichts als Wasser zu sehen, aber mach doch mal eine Zeichnung vom Schiff, hier gibt es genug Motive. Ich glaube da gehst du mal besser alleine auf die Suche.“

Daraufhin ging er vor zum Bug, wo er einen guten Blick auf die Mastbäume mit den gesetzten Segeln hatte. Das wär bestimmt ein Interessantes Motiv. Er setzte sich auf einen der Poller und begann langsam die Bespannung der Wanten zu zeichnen, mit den Klampen für das Tauwerk, wenn die Segel nicht gesetzt sind. Am anderen Bildrand zeichnete er den Mastbaum, mit den vier geblähten weißen Rahsegen.
Er war so vertieft in seine Zeichnung, denn immer wieder zeichnete er noch eine Einzelheit ein die im mit der Zeit auffiel, dass er gar nicht merkte wie die Zeit verging und er auch die abnehmenden Temperaturen nicht wahrnahm. Erst als die Schatten länger wurden und dann auch noch seine Frau mit Franzi vor ihm standen, wurde er aufmerksam und stotterte: „Wie … ihr … habt doch eben noch geschlafen als ich aus der Kabine ging?“
„Von wegen eben“,
antwortete seine Frau amüsiert, „das ist schon mindestens zwei Stunden her, bist du denn hier gar nicht angefroren?“
„Jetzt wo du es sagst merke ich es auch, vielleicht sollten wir doch paar Schritte gehen.“
„Auf jeden Fall“
und ging Richtung Heck. „Nachdem wir ausgeschlafen hatten, habe ich auch die restlichen Kleider ausgepackt und jetzt habe ich Hunger. Ich habe Marlene schon das Gläschen gegeben, damit sie es in der Küche warm machen können.“
„Das ist ja alles okay, aber wo ist denn unsere Tochter, hast du sie nicht mit gebracht?“
„Doch, ich habe sie nur mal kurz losgelassen, als wir hier vorne standen“,
antwortete Dick erschrocken. „In dem Augenblick, muss sie sich wohl selbstständig gemacht haben. Komm lass uns suchen, so groß kann das Schiff ja nicht sein. Ich hoffe ja nicht, dass sie über die steilen Treppen auf ein anderes Deck gekrabbelt ist.“
„Da gehen wir am besten gleich in verschiedene Richtungen, dann haben eine größere Chance sie zu finden, was meinst du“,
schlug er vor, weil er hoffte seine Frau damit beruhigen zu können.
„Okay Ralph, du rechts ich links.“
Dick lief über alle drei Decks und fragte alle Leute die ihr begegneten, ob sie ein kleines Mädchen gesehen hatten, aber immer wieder schüttelten die Leute den Kopf. Ein paar mal hatten Matrosen dass Kind gesehen, aber die hatten sich dabei nichts gedacht. Verzweifelt dachte sie hoffentlich hatte Ralph mehr Erfolg, immerhin wurde es jetzt nicht nur immer kälter sondern auch dunkel.
Kaum hatte sie diesen Gedankenfaden zu Ende gesponnen, als sie mit ihrem Mann zusammen stieß. Er rieb sich den Kopf von dieser doch recht heftigen Begegnung und fragte: „Dick hast du Franzi gefunden?“
„Nein bisher nicht! Ralph ich habe Angst“
und lehnte sich bei ihrem Mann an. Er konnte die langsam größer werdende Panik in der Stimme seiner Frau hören. Da kam zufällig Marlene des Weges.
„He Leute, was habt ihr denn, ihr macht ja das ganze Schiff rebellisch.“
Unter Tränen berichtete Dick, das ihre kleine Tochter verschwunden ist, nachdem sie, sie eine Sekunde losgelassen hatte.
„Da habt ihr Recht, das ist ja auch ein schlimmer Anlass. Aber jetzt behaltet mal einen kühlen Kopf“, versuchte Marlene Beide zu beruhigen, denn Ralph war von der Panik auch nicht mehr weit entfernt. „Habt ihr denn dass Schiff schon durchsucht?“
„Ja“,
antwortete Ralph, weil seine Frau immer noch weinte. „Wir sind alle drei Decks abgegangen, nichts. Zwischendurch wurde sie zwar von Matrosen gesehen, aber dann war sie auch schon wieder weg.“
„Am besten, wir bringen deine Frau erst mal in die Kabine und ich hole den Schiffsarzt, das er ihr was zur Beruhigung gibt“,
regte Marlene an. Denn sie merkte recht schnell, dass Dick kurz vor dem zusammen brechen war.
„Aber sie ist doch Schwanger, schadet das dem Kind nicht?“
„Keine Angst, Barbara ist nicht die erste Schwangere, die wir hier an Bord haben.“

Ralph wusste nicht einmal, ob Dick überhaupt mitbekam, was um sie geschah. Als die drei endlich vor der Kabine ankamen, wurden sie schon vom Schiffsarzt erwartet. Drinnen legten sie mit sanfter Gewalt, die panische Frau auf`s Bett. Nachdem der Arzt ihr etwas gespritzt hatte, beruhigte sie sich sofort und schlief ein.
„Und was wird jetzt aus Franzi“, fragte Ralph ängstlich.
„Ich werde noch einige Leute zusammentrommeln und dann suchen wir sie mit vereinten Kräften.“
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Re: Was ist bloß mit dem Ponyhotel passiert

Beitragvon Oma Janzen » So 09.Nov.2014 17:31

Die Kreuzfahrt geht weiter

„Als erstes gehen wir mal auf die Brücke, von dort kann ich die Suche am besten koordinieren.“
„Und was ist mit Dick, wenn sie aufwacht?“
„Keine Angst Herr Schüller, ihre Frau wird erstmal einige Stunden Schlafen“,
meinte der Arzt.
„Wenn es dich beruhigt, kann ich eine Kollegin bitten bei deiner Frau zu bleiben, bis du wieder zurück bist“, schlug Marlene vor.
„Das wird wahrscheinlich das beste sein“,
nahm Ralph dankbar ihr Angebot an.
„Gut dann lass uns erstmal gehen. Es gibt zwar größere Schiffe, aber ein kleines Kind kann schnell rennen, bis wir die drei Decks abgesucht haben vergeht einige Zeit.“
„und wenn sie gar nicht mehr an Bord ist“,
fragte Ralph bange, das andere Wort wagte er gar nicht aus zu sprechen. Aber Marlene wusste sofort, was er meinte. „Nimm doch nicht gleich das schlimmste an, vielleicht ist sie ja auch in irgendeiner Ecke eingeschlafen, schließlich war der Tag für sie lang und aufregend genug.“
Langsam folgte er ihr aus der Kabine und ging mit ihr auf`s Lidodeck wo auch die Brücke war. Marlene war schon einige Schritte vorgegangen und rief Ralph zu, er sollte schnell kommen.
„Was ist …“, wollte Ralph gerade frage, als er ins stocken geriet. In einer Ecke der Brücke schief zusammengerollt auf der Jacke des Kapitäns, die kleine Franzi.
Ralph wollte gerade auf das Mädchen zustürzen und sie in die Arme schließen. Lächelnd sagte der ältere Kapitän, der aussah wie ein gutmütiger Opa: „Lassen sie dass Kind schlafen, es musste heute genug Aufregung ertragen. Glauben sie mir ich spreche aus Erfahrung, nicht umsonst bin ich inzwischen fünffacher Großvater.“
„Wahrscheinlich haben sie recht, aber ich kann sie doch hier nicht liegen lassen“,
sagte Ralph hilflos. „Was mich im Augenblick genauso interessieren würde wie ist meine Tochter eigentlich zu ihnen gekommen?“
„Das ist ganz einfach: Vor ungefähr einer Stunde hat mich die junge Dame besucht und wollte wissen, was ich hier mache. Bevor ich ihr richtig Antworten konnte, wurde sie müde und ich konnte ihr gerade noch meine Jacke unterschieben, bevor sie einschlief.“
Darauf hin hatte Ralph kurz die Brücke verlassen, weil er nicht wollte, dass alle seine Tränen der Erleichterung mitbekamen.
Als er sich einige Minuten später gefasst hatte ging er wieder zurück und wollte Franzi holen, als ihn der Kapitän festhielt und sagte leise: „Bevor ihre Tochter von der Müdigkeit übermannt wurde, hat mich so Amüsant unterhalten, dass ich gerne auch die Eltern kennen lernen möchte. Kommen sie und ihre Frau doch morgen auf die Brücke.“
Ralph wusste gar nicht wie ihm geschah und versicherte stotternd, das sie gerne kämen. Diesmal allerdings nicht nur vor Erleichterung, sondern auch weil er wusste, was ihnen da für eine Ehre zuteil wurde und er wusste dass sich seine Frau darüber sehr freuen würde. Dann hob er Franzi aber vorsichtig hoch und ging mit ihr zur Kabine. Marlene drückte sich an Ralph vorbei, um vor zu gehen und ihm die Kabinentür aufzuhalten.

Als Dick eine Stunde später aufwachte und ihren Man lesend dasitzen sah, wollte sie schon erregt aufspringen. Dann merkte sie aber, dass an ihrer Seite etwas Warmes lag und sie schaute erstmal genau hin. Beinahe hätte sie laut aufgeschrieen, vor Freude. Doch sie konnte sich gerade noch bremsen, damit sie ihre schlafende Tochter nicht aufweckte, danach döste sie auch noch einmal beruhigt ein.
Als Dick dann endgültig aufwachte, stand sie vorsichtig auf und ging leise zu ihrem Mann und bedeutete sie ihm ihr aus der Kabine zu folgen. Nachdem die Tür zu war und sie mit ihren Stimmen die kleine Franzi nicht mehr aufwecken konnte, fragte sie ihren Mann: „Wo hast du denn Franzi gefunden?“
„Das war eigentlich ein lustiger Zufall“,
berichtete er. Dann erzählte er ihr ausführlich, wie er mit Marlene auf die Brücke gegangen war und was dort passiert ist und von der Einladung des Kapitäns.
„Dann haben wir ja noch mal Glück gehabt. Meinst du, wir können Franzi in der Kabine Schlafen lassen und etwas Essen gehen“, fragte Ralph dann. „Ich habe einen mordsmäßigen Hunger!“
„Ich habe einen anderen Vorschlag, geh du ins Restaurant und wenn du zurück kommst gehe ich essen“,
sagte sie und schaute ihn an.
„Okay, ich wäre lieber mit dir gegangen, aber du hast Recht! Einer sollte schon da sein, wenn Franzi aufwacht. Ist ja nicht nötig, das sie sich auch noch ängstigt.“
„Ich werde Franzi jetzt nicht mehr aus den Augen lassen“, sagte sie mit ernstem Gesicht. „Für den Augenblick hast du ja Recht, zumindest solange wir noch unterwegs sind. Denk dran Franzi wird größer, wie willst du sie auf Schritt und Tritt bewachen? Außerdem haben wir dann mindestens noch ein Kind.“
„Ralph ich bin auch keine vernagelte Mutterglucke, dass meine ich doch auch nur jetzt wo wir noch kein richtiges Zuhause haben, oder möchtest du dass unsere Tochter aus versehen im Meer ertrinkt?“
„Auf keinen Fall, ich sehe doch auch ein, dass besser einer hier bleibt“
und wandte sich ab um zum Essen zu gehen.
Marlene hatte sich in der Nähe aufgehalten, falls die Familie etwas bräuchte und trat jetzt auf sie zu.
„Ich habe noch eine andere Idee: Einer kommt mit und sucht aus und wir bringen das Essen dann auf eure Kabine.“
„Ja geht das denn“,
fragte Dick ganz überrascht.
„Normalerweise nicht, aber dies ist ja eine Ausnahmesituation.“
„Da hast du auch wieder Recht! Was meinst du Ralph sollen wir das annehmen?“
„Keine schlechte Idee, aber wer geht“,
fragte Dick doch etwas hilflos.
„Willst du bei unserer Tochter bleiben, dann gehe ich mit Marlene. Ich kenne doch deinen Geschmack und wir werden bestimmt etwas Gutes zu Essen finden“, damit drehte er sich um und ging mit Marlene zum Restaurant.
Franzi lag immer noch schlafend und zusammengerollt auf dem riesigen Doppelbett, allerdings hatte sie jetzt ihr Däumchen im Mund. Eigentlich wollte die Mutter sich noch dazu legen bis das Essen kam, aber das schlafende Kind sah so niedlich aus; was sich bald wie eine Katze zusammengerollt hatte, das Dick ihr lieber alleine den Platz überließ und sich doch lieber in einen Sessel setzte.
Dick hatte sich zwar ein Buch vorgenommen, war aber trotzdem eingedöst, weil sie von der Spritze immer noch etwas benommen war. Sie meinte dass sie sich gerade erst hingesetzt, als Ralph sie sanft mit einem Kuss auf den Mund weckte. Erschreckt stotterte sie: „Wie … wo … was … ist das Essen schon fertig?“
„Ja, du brauchst dich nur an den Tisch zu setzen und zu genießen.“

Sie staunte: „Woher wusstest du denn so genau, was ich im Augenblick am liebsten mag?“
„Wieso soll ich das das denn nicht wissen, schließlich sind wir ja nicht erst seit gestern zusammen und das erste Mal bist du ja auch nicht schwanger.“
„Was soll das den heißen“,
fragte Dick scheinheilig.
„Ach ich kenn doch noch zu gut deine besonderen Vorlieben in der Zeit“, antwortete Ralph amüsiert. „Aber jetzt lass uns das Essen doch erst mal genießen, ehe es kalt wird“ und lüftete die blank geputzten Glocken über den Tellern.
Nachdem sie alles bis auf den letzten Krümel alles verputzt hatten, lehnte Dick sich genüsslich zurück sagte: „Hmmm, das hat geschmeckt! Aber nach diesem umfangreichen Menü, fühle ich mich wie ihm neunten Monat und nicht nur im vierten.“
„Mamiii“,
rief Franzi ganz verwirrt, weil sie eigentlich noch gar nicht richtig wach war. „Wo bist du? Ich habe Angst!“
„Ist ja schon gut mein Liebling“,
rief Dick und erhob sich schwerfällig aus ihrem Sessel. „Mami ist ja bei dir und es wird ja alles wieder gut“, versuchte sie ihre Tochter zu beruhigen.
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Re: Was ist bloß mit dem Ponyhotel passiert

Beitragvon Oma Janzen » Sa 15.Nov.2014 18:54

Dalli, Margot und Pankraz

Am nächsten Tag fuhr Dalli absichtlich erst später ins Krankenhaus, denn sie hoffte dass die Visite dann vorüber war und sie Margot wieder auf`s Weingut bringen konnte. Wie schon gestern lief sie mit leichten Schritten die Treppe rauf und stand jetzt mit klopfendem Herzen vor der Tür.
Nachdem sie aus dem Zimmer mehrere Stimmen hörte stoppte sie erst Mal ihren Lauf, weil sie vermutete, dass die Ärzte gerade bei ihr drin waren. Wie recht sie mit der Vermutung hatte erfuhr sie wenige Minuten später, als die Tür auf ging und ein Arzt mit einer Ärztin heraus kamen. Die Frau lächelte sie an und meinte: „Sie habe ich doch gestern schon gesehen, gehen sie nur zu ihrer Freundin rein, sie wartet sicher schon auf sie“ und drückte ihr die offene Tür in die Hand.
Hallo Dalli“, rief Margot fröhlich, „ich dachte schon du kommst gar nicht mehr.“
„Dass habe ich dir doch gestern gesagt, dass ich heute komme. Ich wollte nur die Visite abwarten und dachte, vielleicht weißt du danach was Neues.“
„Na klar hast du richtig gedacht, wir drei können noch heute nach Hause. Wollte mein Vater denn nicht mitkommen?“

„Ne Margot, ich glaube er war auch ganz froh darüber, auf diese Weise dem Krankenhaus entkommen zu sein. Wann können wir den gehen?“
„Das weiß ich noch nicht, die Ärztin sagte sie bringt mir die Entlassungspapiere. Hast du die Tragetasche mitgebracht?“
„Nicht nur eine sondern zwei.“
„Na gut, dann lass uns die beiden Herren schon mal umbetten, aber wir packen besser noch nicht die dicken Decken drauf, ich weiß ja nicht wie lange wir noch warten müssen.“
„Gar nicht mehr“,
sagte die Ärztin lachend. Sie war inzwischen leise ins Zimmer gekommen und hatte die beiden Frauen beobachtet. Im Stillen fragte sie sich, wie es wohl in einigen Monaten bei ihr sein würde, aber davon wusste bis jetzt hier noch niemand.
„Dalli dann können wir die beiden ja auch gleich dick einpacken.“ Dann drehte Margot sich zu der Ärztin um die sie in den letzten Tagen so nett betreut hatte, nahm ihr die Papiere aus der Hand und verabschiedete sich herzlich von ihr. Zum Schluss fragte sie die Ärztin: „Wann kommt denn ihr Kind?“
Die Ärztin war ganz verdutzt und fragte Margot ganz überrascht: „Woher wissen sie denn dass?“
„Frau Doktor, ich bin inzwischen fünffache Mutter und habe einen Blick dafür, wenn eine Frau Schwanger ist.“

Langsam hatte sich die Ärztin von ihrer Überraschung erholt und antwortete: „Ich bin erst im zweiten Monat, von meinen Kollegen hat mich noch keiner darauf angesprochen.“
„Ich glaube bis sie in Schwangerschaftsurlaub gehen, werden sie noch einige glückliche Mütter entbinden.“
„Damit werden sie wohl Recht haben, trotzdem wünsche ich ihnen viel Vergnügen mit den beiden Jungs. Genießen sie es, die Probleme kommen ja noch früh genug.“

Jetzt nahmen Dalli und Margot je eine Tragetasche, verließen die Klinik und gingen schnell zum Auto, damit die Kinder nicht doch noch frieren mussten.
Nach einer Fahrt von zehn Minuten zogen Andreas und Nils Roth in ihr neues Zuhause ein, wo sie zumindest die nächsten Jahre bleiben würden. Der Opa erwartete seine Enkel schon sehnsüchtig und musste sich sehr zurückhalten, die Beiden nicht sofort auf den Arm zu nehmen, aber Margot blieb hart und sagte: „Lass die Beiden erst mal in ihren neuen Bettchen schlafen.“
Denn Pankraz Hallgarten hatte es sich nicht nehmen lassen, für seine jüngsten Enkel nur das Beste zu kaufen. Alles hatte er in doppelter Ausführung gekauft, nur der Kinderwagen war ein Einzelstück, dafür war er so breit dass beide Babys nebeneinander liegen konnten.
Nachdem Margot sich überzeugt hatte, dass die Sprechanlage so eingestellt war, dass sie im Wohnzimmer hören konnte, ob es den Babys auch gut ging, ging sie zu den anderen ins Wohnzimmer.
Dort deckte die Haushälterin gerade den Tisch für drei Personen und Margot fragte sie, was es denn gibt?
„Genau weiß ich das auch nicht, die Köchin meint es wäre eine Überraschung für sie.“
„Margot bis es so weit ist komm doch mal her oder bist du schon am verhungern?“
„Nö dass nicht, aber ich bin froh das ich den Krankenhausfraß los bin.“

Pankraz lachte darauf hin laut und polternd los, er konnte Margot nur zu gut verstehen. Er hatte zwar ein gesundes aussehen, war aber trotzdem zweimal im Krankenhaus und durfte dass Essen ausführlich genießen.
„Übrigens Margot, heute Nachmittag bekommen wir noch Besuch.“
„Ach danach ist mir eigentlich nicht, wer ist es denn?“
„Eigentlich ist es auch kein richtiger Besuch, sondern es stellt sich ein Chauffeur vor. Wo du jetzt wieder hier bist würde ich gerne deine Meinung zu dem Bewerber hören.“
Das er sogar drei Bewerber eingeladen hatte und darunter sogar eine Frau, erwähnte er natürlich nicht.
„Gut, wann kommt er denn“, fragte Margot und dachte bei sich nicht mal dazu ist er in der Lage. Obwohl er ja während meiner Ehe auch jemand hatte mit dem er wohl ganz zufrieden war, nur Pech dass auch Angestellte mal in Rente gehen.
Aber erst mal wurde das Essen aufgetragen und es gab tatsächlich das, was sie sich im Augenblick auch am liebsten gewünscht hätte. Knusprige Bratkartoffeln, mit Speck und Rührei und dazu einen knackigen Blattsalat, der süß sauer zubereitet war und dass beste war sie konnte von jedem essen soviel sie wollte. Eigentlich hatte ja keiner von ihnen großen Hunger, trotzdem war die Masse die auf dem Tisch stand in kurzer Zeit verputzt.
Pankraz wollte es sich gerade mit seiner Pfeife, die er seit neuestem öfter rauchte gemütlich machen, als Margot fragte: „Ich gönne dir ja die Pause, aber wann kommt den der Bewerber?“
Erschrocken schaute Pankraz auf die Uhr: „Mein Gott, der muss ja jeden Augenblick kommen.“
Kaum hatte er dass ausgesprochen, als es auch schon klingelte. Margot war der Tür am nächsten und öffnete die Tür. Vor ihr stand ein schlanker und Gutgebauter Mann im Alter von ungefähr Mitte vierzig, er stellte sich ihr vor und fragte verwundert: „Ich dachte, ich solle für einen Herrn Hallgarten fahren, aber das sind sie ja nun ganz und gar nicht“, setzte er mit einem Lächeln hinzu, was Margot irgendwie an Jochen erinnerte.
„Nein ich bin nur seine Tochter und Aushilfschauffeurin“, erwiderte Margot und lächelte dabei. Aber erst mal bat sie den Herrn herein und bat ihn in die Bibliothek, wo ihr Vater schon wartete.
Sie selber verabschiedete sich erst einmal und ging zu ihren Kinder nach oben. Warum sie nicht ihre Kinder erwähnte wusste sie selber nicht, nur dass sie dieser Mann durcheinander brachte.
Dass Herr Köhler fahren konnte, nahm Pankraz ja an. Aber er wollte in dem Gespräch dem Menschen Thomas Köhler kennen lernen, Schließlich mussten sie ja zusammen im Wagen sitzen und da wollte er keinen Feind haben. Nach einer viertel Stunde verabschiedete er sich von Herrn Köhler.
„Ich möchte im Augenblick weder zu noch ab sagen, da ich noch einige Bewerber mir anschauen möchte. Sie können sich aber darauf verlassen, dass ich nicht in den nächsten Tagen melde.“
Als es wiederum schellte machte diesmal Dalli die Tür auf und wunderte sich noch mehr, denn vor ihr stand eine ältere Dame. Sie stellte sich als Frau Küfer vor und sagte: „Können sie mich zu ihrem Chef bringen, ich habe mich als Chauffeur beworben und wurden für heute herbestellt.“
Dalli war jetzt total verwirrt, weil Pankraz nur von einem Bewerber gesprochen hatte; aber sie sagte sich was geht`s mich an und antwortete der Dame. „Sie meinen sicher Herrn Hallgarten, aber er ist nicht mein Chef.“
„Tut mir leid, dass ich sie für eine Sekretärin hielt. Ich hoffe sie können mir das noch einmal verzeihen, gnädiges Fräulein.“

„Auch hier irren sie, ich bin seit einigen Monaten glücklich verheiratet. Um ihre nächste Frage zu beantworten. Nein nicht mit Herrn Hallgarten und ich wohne auch nicht hier, ich besuche nur meine Freundin. Aber kommen sie doch bitte herein, Herr Hallgarten erwartet sie schon.“
„Guten Tag Frau Küfer“
, sagte Pankraz und ging mit ausgestreckter Hand auf sie zu. „Mich würde es mal interessieren, wie sie zu diesem Beruf gekommen sind?“
„Früher habe ich als Taxifahrerin gearbeitet, mein Mann und ich wir hatten sogar ein kleines unternehmen, was uns genug Geld einbrachte, mit den Kindern zu überleben. Dann liefen uns aber die Fahrer weg weil sie meinten, wir würden sie nicht richtig bezahlen und dann starb auch noch mein Mann. Als ich dann Konkurs Anmelden musste, wollte ich in meinem Alter nicht mehr als Taxifahrerin, arbeiten. Weil ich ja nichts anderes gelernt habe, wollte ich es mal in diesem Beruf versuchen.

Während Pankraz sich noch eine Weile mit der Dame unterhielt, klingelte im Flur das Telefon, nach kurzem Gespräch kam Dalli rein und flüsterte ihm zu, dass der dritte Bewerber abgesagt hätte.
„Tja Frau Küfer, wenn sie es auch mit mir versuchen wollen, können wir einen Vertrag machen.“
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Re: Was ist bloß mit dem Ponyhotel passiert

Beitragvon Oma Janzen » Do 20.Nov.2014 12:53

Dallis Heimfahrt

An diesem Abend rief Dalli ihren Mann in Malente an und fragte wie es ihm geht.
„Eigentlich ganz gut, du weißt ja wie ihr zu Anfang wart und die neuen Auszubildenden bilden da auch keine Ausnahme.“
„Wie macht sich den Regina denn als Fahrschülerin?“
„Das kann ich nicht genau sagen, aber bisher hat sich der Karl nicht beschwert.“

Sie unterhielten sich noch eine ganze Weile über alltägliche Dinge, aber keiner von beiden traute sich, das wichtigste anzusprechen, bis Dalli es dann nicht mehr aushielt und fragte. „Du sprichst nur von deiner Arbeit, aber wie geht es dir?“
Jetzt war es auch mit Alberts erzwungener Haltung zu Ende und er fragte mit kaum hörbarer Stimme: „Weißt du dass denn nicht?“
„Doch ich ahne es, ich komme ja bald zurück; halt noch ein kleines Weilchen durch.“
„Okay noch kann ich es aushalten, aber lass mich nicht zu lange warten“
und legte traurig auf.
Auch Dalli war nach diesem Gespräch nicht gerade froh und überlegte: Margot hat zwei gesunde Knaben und einen Mann in Aussicht, so wie sie ihrer Freundin anvertraut hatte. Aber auch Pankraz hatte diesmal sogar eine Chauffeurin und sie glaubte, dass aus dem Arbeitsverhältnis bald mehr würde. Eigentlich ist ihre Person ja hier gar nicht mehr notwendig, dass sie auch der Sehnsucht nachgeben könnte und nach Hause fahren. Im Grunde war sie ja auch gespannt ob die Temperatur dort so eisig ist wie hier. Aber für heute konnte sie eine solche Entscheidung gar nicht mehr umsetzen, denn es war schon dunkel.

Während der Nacht hatte sie noch ihren Koffer gepackt ließ ihn jedoch noch in ihrem Zimmer stehen, denn sie wollte ihre Gastgeber nicht vor vollendete Tatsachen stellen, indem sie den gepackten Koffer sahen.
Lustig wie jeden Morgen kam sie zum gemeinsamen Frühstück runter. Als Margot sie dann fragte: „Was hast du denn heute Morgen, dass du so gute Laune hast.“
„Nichts gegen euch aber ich möchte heute eigentlich wieder zurück fahren.“
„Ach die kleine hat Sehnsucht nach ihren Papa“,
scherzte Pankraz
„Ja zieht mich ruhig auf will mein Mann so viel älter ist“, antwortete Dalli wütend. „Trotzdem ist er der liebste Ehemann, den ich mir Wünschen kann.“
Pankraz merkte dass er zu weit gegangen ist und sagte beschwichtigend. „Das bezweifelt doch auch keiner, sonst hättest du ihn doch nicht geheiratet. Ich wollte dich doch nur aufziehen, aber ich wusste nicht das du dass gleich verkehrt auffasst.“
„Na dann hast du ja gerade noch mal die Kurve bekommen“
, sagte sie schon wieder halb versöhnt. „Aber egal, ,jetzt muss ich mich verabschieden, mein Zug fährt in einer Stunde.“
Nur gut dass sie mit der Verabschiedung so früh begonnen hatte, sonst wäre der Zug bestimmt ohne sie gefahren. Als Margot sagte: „Komm ich fahr dich schnell zum Bahnhof. Die Beiden da oben, Schlafen sowieso die nächsten zwei Stunden und bis dahin bist du ja schon halb zu Hause.“
„Jetzt mach mal Halblang. Ein Zug ist doch kein Flugzeug. Aber du hast recht, wenn ich erst mal im Zug sitze gibt es kein zurück mehr, komm lass uns gehen.“

Inzwischen hatte Pankraz schon ihren Koffer aus ihrem Zimmer geholt und im Kofferraum des Wagens verstaut.
Die beiden Freundinnen stiegen ein und brausten los, Richtung Bahnhof. Dort holte Margot sie noch eine Bahnsteigkarte, damit sie Dalli bis zu ihrem Zug bringen konnte. Sie waren gerade die Treppe rauf gekommen, als der Zug auch schon in den Bahnhof einrollte. Zum Glück hatte der Zug hier zwei Minuten Aufenthalt, so dass sie genug Zeit hatten den richtigen Wagen zu finden und sich zu verabschieden, dann hieß es schon: „Bitte Türen schließen und Vorsicht an der Bahnsteigkante, der Zug fährt ab.“
Margot konnte Dalli gerade noch ein letztes Wort durch das Zugfenster zurufen, aber dann hatte die Lokomotive Dallis Wagen auch schon aus dem Bahnhof gezogen und Margot konnte nur noch winken bis der Zug verschwunden war.
Dalli hatte sich darauf eingerichtet, ihren Krimi weiterzulesen, der während ihrer Tage in Eltville in ihrer Tasche auf sie gewartet hatte; da sie aber Vormittags fuhr und ein sonniger Tag war gab es viel zu sehen.
Auf dem teilweise vereisten Fluss glitzerte die Sonne, teilweise musste sie sogar die Augen zukneifen, weil es blendete. Kurz nach der Abfahrt sah sie im Rhein mehrere kleine Inseln, die zu dieser Jahreszeit einfach nur Kahl waren; allerdings hatte der Frost sie mit unzähligen Diamanten überzogen. Drei Inseln lagen ziemlich nahe am linksrheinischen Ufer und auch die Inselchen lagen ziemlich Nahe bei einander, so dass zwischen ihnen einige Stockenten scheinbar über das Wasser liefen.
Als aber ein Raubvogel kam, der es auf dieses Federvieh abgesehen hatte; konnte sie beobachten, dass die Eisschicht nur sehr dünn war. Letzt endlich konnte der Raubvogel froh sein, sein Leben zu behalten. Bei dem Versuch nach einer Ente zu greifen, die sich natürlich heftig wehrte, geriet er erst nur mit seinen befiederten kräftigen Fängen und dann mit den Flügeln unter Wasser. Seine Federn sogen sich natürlich sofort voller Wasser und der schwere Vogelkörper versuchte sich immer wieder an der dünnen Eisschicht festzuhalten, die durch sein wildes flattern immer weiter brach. Zufällig wurde er an eine der Inselchen getrieben und konnte sich dann mühsam in die Luft erheben, eine Beute war ihm jetzt ganz egal, er wollte nur noch weg. Ob der Vogel es wirklich geschafft hatte, konnte sie nicht mehr sehen, weil er aus ihrem Blickfeld verschwand.
Bis *Bingen* sah sie nur die Burg Klopp, dafür aber mehrere kleine Städtchen, die sich wunderbar in die Landschaft schmiegten. Weil der Zug auf der rechten Rheinseite fuhr, konnte sie nur das gegenüberliegende Ufer beobachten. An ihrem Flussufer standen zwar auch einige Burgen, die jedoch von steilen Hängen verdeckt wurden.
Nachdem bei Bingen, was auf der linken Rheinseite lag *die Nahe* einmündete, kam auch schon der Binger Mäuseturm in Sicht, die Sage dazu kannte sie ja schon aus Omas Erzählungen. Überhaupt, wie schön wäre es jetzt wenn ihre Oma jetzt hier neben ihr im Zug sitzen würde.
Das der Zug schon wieder den Binger Bahnhof verlies, merkte sie gar nicht, so war sie mit ihren Gedanken beschäftigt. Erst als die *Burg Reichenstein* über den Lautsprecher, angekündigt wurde, wachte sie wieder auf. Jetzt konnte sie die nächsten drei Stunden, ihre Augen nicht mehr von der vorbei ziehenden Landschaft lösen. Ihre Oma hatte recht gehabt, das Mittelrheintal war einfach wunderbar.
Danach folgte das Siebengebirge, von dem sie allerdings nicht all zu viel mitbekam, weil die Berge auf der Zugseite ziemlich hoch aufstiegen. Jetzt kam die Bundeshauptstadt Bonn in Sicht, dann noch mehrere kleine Orte und dann hielt der Zug auch schon in Köln, wo sie umsteigen musste um nach Hamburg zu kommen. Tatsächlich roch es hier schon nach Frühling und sie meinte auch dass die Luft etwas wärmer war.
Zu dem Zug nach Hamburg musste sie diesmal sogar auf einen anderen Bahnsteig wechseln, diesmal brauchte sie sich allerdings nicht zu beeilen. Schließlich hatte sie noch eine halbe Stunde Zeit, bis der Zug abfuhr. Als sie in die Bahnhofshalle runter kam entdeckte sie noch vor dem nächsten Bahnsteig ein Cafe und weil es schon kurz vor Mittag war ging sie hinein. Dort bestellte sie sich ein Kännchen Kaffee und aß dazu ein Stück Schwarzwälder Torte. Dass die Torte so gut war, wie sie nur ein Konditor machen konnte überraschte sie doch und sie bestellte sich gleich noch ein zweites Stück. Danach hatte sie gerade noch Zeit zu zahlen und musste jetzt doch rennen um ihren Zug zu bekommen. Dass der Zug Verspätung hatte wusste sie ja nicht, deswegen musste sie sogar noch etwas an der Bahnsteigkante warten.
Drei Stunden später war sie in Hamburg, jetzt musste sie nur noch einen Zug finden, der sie nach Malente brachte. Sie hatte gestern Abend noch auf dem Immenhof angerufen und gefragt, ob Hein sie in Malente abholen könnte. Hein war sogar am Telefon und meinte: „Natürlich nehme ich mir die Zeit meine *kleine Dalli* vom Bahnhof abzuholen.“
Als sie an dem einzelnen Bahnsteig von Malente ausstieg, kam Hein ihr lachend entgegengehumpelt. Diesen Gang würde er wohl sein Leben lang behalten; dass er sich aber nach dem schweren Unfall wieder so gut erholt hatte, war trotzdem ein Wunder.
„Hein fahr mich bitte zum Immenhof, bei dem schönen Frühlingswetter kann ich die paar Meter zum Friesenhof laufen.“
„Aber Dalli, dass ist doch kein Umweg für mich.“
„Natürlich, dass weiß ich auch! Aber ich möchte Korni überraschen und wenn du mich mit der Kutsche bringst sieht er mich sofort.“
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Re: Was ist bloß mit dem Ponyhotel passiert

Beitragvon Oma Janzen » Mi 26.Nov.2014 16:57

Auf hoher See

Am nächsten Morgen ging die noch kleine Familie ins Restaurant. Das Personal hatte extra einen Hochstuhl für das Töchterchen bereitgestellt. Die Eltern bekamen Kaffee mit Brötchen, die sie selber belegen konnten und Franzi bekam erst einen Griesbrei mit einem Glas Orangensaft.
Sie waren gerade wieder auf ihrer Kabine, wo Heinzelmännchen schon die Spuren der Nacht beseitigt hatten, als es an der Kabinentür klopfte. Dick wunderte sich wer sie schon aufsuchte, aber sie ging zur Tür und öffnete sie vorsichtig. Vor ihr stand Marlene und fragte: Seit ihr bereit für eine Brückenführung, der Kapitän hat gerade Zeit wo wir auf See sind.“
Dick schaute gerade zu ihrem Mann und sagte dann: „Wir kommen gerne! Willst du kurz reinkommen ich muss nur Franzi umziehen, sie kleckert schon mal beim essen.“
„Wenn ich euch nicht störe.“
„Nein, ist schon alles in Ordnung“
, sagte Ralph. Dem Marlenes Figur sehr gut gefiel, aber mehr wollte er auch nicht, denn er war ja glücklich verheiratet.
Ausgerechnet heute musste Franzi beim umziehen Theater machen, so dass er seiner Frau helfen musste. Trotzdem betraten sie eine halbe Stunde später betraten sie allerdings die Brücke und Ralph hatte seinen Zeichenblock mitgenommen, weil er hoffte dort Motive zu finden.
Freudig kam der Kapitän auf sie zu und dann sah er auch Franzi und sagte: „Ah da kommt ja auch meine kleine Freundin, die mich gestern so gut unterhalten hat.“
Aber jetzt begrüßte er die Eltern und fragte Ralph: „Marlene hat mir erzählt, dass sie ein wahres Zeichentalent sind, haben sie schon etwas vom Schiff gezeichnet?“
„Das ja, aber es sind keine besonderen Zeichnungen.“
„Junger Mann trotzdem möchte ich sie mir Mal ansehen. Hoffentlich haben sie die dabei. Kommen sie doch am besten mal zum Kartentisch rüber, da haben wir bessres Licht.“

Ralph glaubte zur Zeit wirklich nicht an seine Kunst, außerdem war dies hier etwas anderes, als die Plakate die er bisher gemacht hatte.
„Mein lieber Herr Schüller, warum sagen sie ihre Zeichnungen seien nicht gut. Ich habe dass Gefühl die Szene würde in diesem Moment hier vor meinem Auge passieren. Darüber würde ich gerne noch ausführlich sprechen, aber erst mal möchte ich ihren Frauen die Brücke erklären“ und zu Dick gewandt meinte er: „Marlene hat mir auch erzählt, dass sie eine Hobbyseglerin sind und gerne hier mit anpacken würden.“ Dam musterte er sie mit seinen Blicken und meinte: „Nur an Deck halte ich dass nicht für die gute Idee, bei ihrem Zustand. Aber sie können mir gerne hier auf der Brücke helfen, was halten sie davon?“
Jetzt war es an Dick sich *ganz klein* zu fühlen, aber natürlich freute sie sich über dieses Angebot.
„Kapitän, dass würde mich sehr freuen, aber leider habe ich noch nicht sehr viel Üben können, ich bin noch ein Anfänger.“
„Und wenn schon, auch ich habe mal klein angefangen oder meinen sie mir wurde dieses Wissen in die Wiege gelegt“,
fragte der Kapitän schmunzelnd.
„Kapitän, darf ich sie mal fragen, wieso sie so gut unsere Sprache können?“
„Ja warum denn nicht, schließlich ist das ja auch meine Muttersprache. Ich heiße Andreas Jungblut und komme aus Hamburg-Mitte, darum habe ich ja auch einen deutschen Namen.“
„Aha“,
machte Dick erst mal etwas perplex, aber dann sagte sie: „Dann kennen sie wohlmöglich das Segelrevier wo ich gelernt habe?“
„Lassen sie mich raten. In einem der vielen Segelvereine, auf der Außenalster.“
„Stimmt genau“
und sie nannte auch den Verein, denn mittlerweile war sie in ihrem Element. „Kennen sie den Verein Segel e.V. an der Rabenstraße?“
„Ja natürlich, dort habe ich auch Angefangen, allerdings ist dass jetzt ungefähr dreißig Jahre her“
, sagte der Kapitän, der jetzt auch ins schwärmen kam. „Darüber müssen wir aber auch noch reden. Ich glaube mit dem Thema können wir uns durchaus einen interessanten Abend machen. Jetzt sollten wir uns doch lieber der Brücke widmen.“
„Ja gucken“,
krähte Franzi jetzt, der die reden der Erwachsenen zu langweilig wurde.
„Auch wenn Franzi davon nicht begeistert sein wird muss ich noch etwas Theorie einflechten. Der Begriff *Brücke* stammt aus der Zeit der Raddampfer, bei denen der Schiffsführer auf einem brückenartigen Steg zwischen den beiden Radkästen stand.“ Dann fuhr er fort: „Das Teil hier in der Mitte kennen sie ja sicher.“
„Natürlich“,
sagte Ralph, „das weiß ich ja sogar als Landratte. Dass ist das Schiffsruder und daneben ist der Schiffstelegraf.“
„Ja dass stimmt! Aber wie sie sehen kommen wir auch hier auf der Brücke nicht ganz ohne moderne Technik aus. Dies ist ein Radargerät neuester Ausführung, sie sehen wir überlassen nichts dem Zufall.“
„Das hier ist ein Kreiselkompass“,
sagte Dick. „Aber wofür sind diese Geräte notwendig? Sieht ja fast aus wie eine Wetterstation.“
„Dass sieht nicht nur so aus, sondern hier wird die Luftfeuchtigkeit, Luftdruck und Temperatur angezeigt. Wir bekommen zwar immer wieder einen Wetterbericht über Funk, trotzdem ist es hilfreich wenn wir die genauen Werte haben. Gerade ein Segelschiff, ist für diese Änderungen noch empfindlicher. Da drüber wird noch angezeigt wie viele *Knoten* wir aktuell machen, außerdem haben wir noch einen Tiefenmesser, damit wir nicht aus versehen in *Untiefen* geratenund wohlmöglich kentern.“
„Ich dachte eine Brücke ist heute so kompliziert, das ist ja noch recht übersichtlich“,
staunte Dick.
„Ja Frau Schüller da haben sie recht, aber sie dürfen nicht vergessen wir sind hier auf einem Segelschiff und nicht auf einem Motorschiff oder gar auf einem Frachter“, erklärte Kapitän Jungblut geduldig.
„Frau Schüller haben sie Lust nach dem Essen mit dem Rudergänger den Kurs auszuarbeiten?“
„Aber gerne“
, antwortete Dick mit leuchtenden Augen. Weil die See im Augenblick ruhig war sprach er doch mit Dick über Hamburg und bald waren beide in ihren Erinnerungen und Fachsimpeleien gafangen. Ralph kam sich dabei etwas überflüssig vor. Nachdem Franzi über die Brücke geflitzt war und die Offiziere von ihrer Arbeit abhielt, war sie müde geworden und hatte sich wieder in einer Ecke zusammengerollt. Also holte er seine Zeichensachen und begann die Geräte auf der Brücke zu zeichnen und später machte er noch ein Bild, was die ganze Brücke mit dem Blick auf`s weite Meer zeigte.
Auf einmal hörte er den Kapitän wie er zu Dick sagte: „Na Prima, dann wünsche ich ihnen jetzt erst mal einen guten Appetit“ und brachte sie mit Ralph und Franzi zu dem *Niedergang* der zum Restaurant führte.
Als sich der Kapitän verabschiedet hatte und sie weiter zum Restaurant gingen, war Dick so aufgeregt und redete immer wieder von verschiedenen Segeleinstellungen. So hatten Ralph und auch die kleine Franzi es schwer dass ihre Mutter sie bemerkte. Dies änderte sich erst als Dick die schön gedeckten Tische sah und sie beinahe über Franzis Hochstuhl stolperte.
Sie saßen gerade am Tisch und hatten das Essen schon bestellt, als Dick fragte: „Wo sind eigentlich deine Zeichensachen, hast du die schon in die Kabine gebracht?“
„Nö! Sch… dass merke ich auch gerade, die Sachen habe ich wohl auf der Brücke vergessen, wir sind ja auch ziemlich überstürzt aufgebrochen. Na egal, dann bringe ich dich nachher zum Kapitän und nehme meine Sachen dann mit.“
„Hmm, das sieht aber lecker aus“,
schwärmte Dick, die ihren Teller gerade bekommen hatte. Sogar Franzis Essen saß lecker aus, allerdings fragte Dick sich wie ein Kleinkind ein Wiener Schnitzel mit Pommes Frittes essen sollte. Erst als sie begann Franzi zu füttern, merkte sie was sich die Leute in der Küche hatten einfallen lassen: Es war ein püriertes Schnitzel, dass aber so Geformt war wie ein echtes Schnitzel, nur die Fritten waren echt. Die konnte Franzi auch ohne Hilfe essen und stürzte sich drauf. Bei dem Wiener Schnitzel jedoch verzog sie erst ihr Gesicht, denn so eine große Fleischportion hatte sie noch nie auf ihrem Teller gesehen. Außerdem behagte ihr der Geschack nicht, aber nach den ersten Bissen, konnte sie nicht schnell genug mehr davon bekommen.
Noch bevor Dick ihren Mann bedauern konnte, bekam auch er sein Essen serviert. Er hatte sich eine Scholle mit einer großen Portion Salat bestellt, schließlich wollte er doch etwas abnehmen. Ihre Scholle hingegen war nach Müllerin Art zubereitet, danch sagte sie: „Ich weiß nicht wie es dir geht, aber ich habe das Gefühl ich wäre schon im neunten Monat. Jedenfalls verzichte ich auf einen Nachtisch.“
„Ich auch“
, gestand Ralph und versuchte dabei seinen Bauch einzuziehen.
„Aber ich möchte noch einen Pudding haben“, krähte Franzi dazwischen.
„Das verschieben wir doch besser auf heute Abend“, meinte ihre Mutter. „Sonst wird dir wieder schlecht.“
Franzi schmollte zwar noch etwas, aber ihre Eltern standen auf, um dass Restaurant zu verlassen.
Dick freute sie schon auf ihre Aufgabe am Kartentisch und lenkte ihre Schritte zur Brücke. Ralph wollte erst Protestieren, aber dann fielen ihm seine Zeichensachen ein, die er dort noch liegen hatte. Als sie auf die Brücke kamen stellte der Kapitän ihr gleich seinen ersten Offizier *Dagir Erikson* vor.
„Barbara, Dagir ist Isländer und wird einmal mein Nachfolger, wenn er sein Kapitänspatent hat, vorerst legt er unseren Kurs fest. Aber heute wird er das mit ihnen zusammen tun.“
„Ich bin während meiner Ausbildung auf verschiedenen Schiffen gefahren, aber hier gefällt es mir immer noch am besten“
, sagte Dagir in akzentfreiem Deutsch zu ihr. „Wollen sie sich jetzt mal die Karten ansehen?“
„Gerne, aber soviel praktische Erfahrung auf dem Gebiet der Nautik habe ich ja noch nicht.“
„Das werden wir schon schaffen“
, sagte Dagir und grinste dabei spitzbübisch. Seine athletische Figur, das jugendliche Alter und die blonden Haare unterstrichen sein Auftreten noch.
Als die beiden in die Karten vertieft waren drehte er sich um und sah gerade noch wie Ralph sein Sachen in der Hand hatte und die Brücke verlassen wolle.
Ralph, laufen sie doch nicht gleich weg“, sagte der Kapitän. „Ich wollte mit ihnen doch noch über ihre Zeichnungen sprechen. Ich habe inzwischen auch ihre neuesten Werke von der Brücke gesehen, sie sind ihnen sehr gut gelungen.“
„Ich verstehe nicht, wie ich ihnen helfen könnte“,
fragte Ralph verwundert.
Jetzt kam Marlene dazu und fragte, ob sie mit Franzi einen Ausflug hier auf dem Schiff machen könne? Da Dick schon ganz in die Kursbestimmung vertieft war, sagte Ralph: „Das ist wahrscheinlich eine gute Idee, denn soweit ich sehe werde ich wohl hier noch eine Weile beschäftigt sein und Franzi beginnt sich schon zu langweilen.“ Denn sein Töchterlein zupfte dauernd an seinem Hosenbein, weil ihr schon wieder langweilig wurde.
Nachdem die beiden gegangen waren, meinte der Kapitän: „Fotos sind ja schön und gut, aber ihre Zeichnungen, würden dem ganzen noch den letzten Pfiff geben. Die Reederei hatte mich letztens gefragt, ob ich nicht irgendetwas für die Werbung wüsste. Würden sie einen solchen Auftrag für unsere Reederei annehmen?“
„Ja gerne“
, antwortete Ralph überrascht. „Womit soll ich denn Anfangen?“
„Ich muss meinen Chef natürlich überzeugen, das geht natürlich am besten, mit einer bunten Auswahl. Zeichnen sie einfach einige Szenen vom Schiff, so wie sie schon begonnen haben. Aber auch einige Impressionen der Häfen die wir anlaufen und Ausflugssituationen können nicht Schaden. Wir bieten ja auch einige Landausflüge an, da finden sie bestimmt einige Motive.“
„Wie lange habe ich denn dafür Zeit?“
„Solange sie hier auf dem Schiff sind. Ich nehme an, sie können mir eine Adresse geben, wo ich sie später erreichen kann.“
„Die entgültige Adresse weiß ich noch nicht, aber auf dem Weingut wo mein Freund arbeitet, wissen sie immer wo ich zu finden bin“
und gab ihm die Adresse.
Voller guter Laune und mit neuer Energie verließ Ralph die Brücke und suchte sich direkt ein Motiv. Jetzt wo sie auch immer weiter Richtung Süden fuhren, brauchte man sich auch nicht mehr so dick anziehen. So suchte er sich er sich einen Platz in der Frühlingssonne und zückte seinen Zeichenstift.
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Re: Was ist bloß mit dem Ponyhotel passiert

Beitragvon Oma Janzen » Mo 01.Dez.2014 16:48

Abschied vom Immenhof

Dalli hatte auch wirklich dass Glück ungesehen auf den Friesenhof und sogar in die Wohnung zu kommen. Unterwegs hatte sie Hein einige Male Anhalten lassen und noch etwas für ein Abendessen eingekauft.
Nachdem sie in der Wohnung war, zog sie sich um und ging sofort in die Küche. Dort musste sie allerdings er einmal einen Geschirrberg wegspülen, weil ihr Mann dazu nicht mehr die Zeit gefunden hatte. Dalli konnte sich vorstellen, dass er fast nur noch im Stall zu finden war, um sich von seinem Strohwitwer dasein abzulenken.
Jetzt konnte sie beginnen das Essen vorzubereiten, mit dem Kochen wollte sie noch nicht beginnen, weil sie nicht wußte, wann ihr Mann aus dem Stall kam. Er konnte ja nicht wissen, welche schöne Überraschung auf ihn wartete.
Als er in die Wohnung kam, wunderte er sich nur dass im Wohnzimmer Licht brannte. Das Licht hatte er doch heute Morgen ausgemacht, überlegte er; auch wunderte ihn dass die Zimmertür angelehnt war. Eigentlich wollte er sich ja was zu Essen machen, auch wenn er nicht viel Lust hatte sich etwas zu kochen, aber der Hunger machte es doch Notwendig. Trotzdem siegte erst einmal die Neugier und er öffnete die Tür ganz.
Was er dort sah, ließ ihn trotz Müdigkeit Jubeln. Dort saß seine Frau im Sessel zusammengerollt und war eingeschlafen. Ein Buch lag neben dem Sessel auf dem Boden, es war ihr wohl aus der Hand gefallen.
Sanft weckte er sie. Nachdem Dalli richtig wach war, fuhr sie erschreckt hoch und sagte sie: „Ich geh mal erst in die Küche und mache das Essen fertig.“
„Moment mal, erst noch eine Vorspeise, die habe ich schließlich ewig entbehren müssen.“
Dalli gab ihm den erbettelten Kuss und sagte lachend zu ihm: „Jetzt gib mal nicht so an, ich war ja noch nicht mal eine Woche weg.“
„Für einen frisch verheirateten Ehemann doch viel zu lange“
, sagte er mit Unschuldsmine.
Unterdessen hatte Dalli sich schon rum gedreht und war zu ihrer hausfraulichen Pflicht gegangen.

Die nächsten Wochen vergingen mit Routinearbeiten. Korni ging wie immer in den Stall, Dalli räumte die Wohnung auf und ging dann zum Immenhof.
Stopp, heute lief es etwas anders. Sie hatte in den letzten Wochen ihren Führerschein gemacht und fuhr jetzt stolz mit dem Wagen nach Hamburg ins Reisebüro, wo sie zwei Flüge in die USA buchte. Schließlich sollten sie in knapp zwei Wochen, dort auf dem Gestüt mit der Arbeit beginnen und eigentlich wollten sie vorher noch eine kleine Rundreise machen, nur hatten sie bei dem Plan nicht an die fünf Pferde gedacht, die sie mit nehmen wollten.
Im Reisebüro kümmerte sich Dr. Westkamp, wobei er sich auch gleich um den Lufttransport der drei Friesen und Diana mit ihrer Freundin kümmerte. „Was sie an Bescheinigungen für die Pferde brauchen, brauche ich ihnen ja nicht aus einander zu setzten?“
„Natürlich nicht! Uns ist nur wichtig dasdie Pferde drüben gesund und munter ankommen.“
„Die Leute die ich beauftragt habe, machen solche Transporte Hauptberuflich. Ich kann ihnen da einiges erzählen, die Turnierreiter haben meist mehr Angst vor dem Transport, als die Pferde selber.“

Gegen Mittag kam sie aus Hamburg zurück und fuhr sie ein letztes Mal zum Immenhof um letzte Fragen zu klären und sich von allen ausführlich zu verabschieden. Am Tag des Abfluges kamen sie nur kurz um Diana und Mara abzuholen, von denen Dalli sich nie getrennt hätte. Dianas erstes Fohlen blieb jedoch zurück, den es war schon abgesetzt und brauchte die Mutter nicht mehr, im Gegenteil der Junghengst zeigte schon ganz deutlich was er einmal werden wollte; nämlich ein Springpferd.
Aber erst mal lagen vor ihr noch zwei Tage in denen sie die Sachen von sich und ihrem Mann zusammenpacken musste, dann kamen die Sättel und alles weitere Zubehör für die fünf Pferde dran die sie nach Amerika begleiteten.

Am Nachmittag des übernächsten Tages, fuhren Korni und Dalli zum Flughafen. Denn sie brachten alle Gegenstände die sie mitnehmen wollten schon einmal hin, damit sie am nächsten Tag sich ganz auf das verladen der Pferde konzentrieren konnten. Als Reitlehrer hatte Albert ja schon gekündigt, trotzdem sagte Herr Larsen, daß sie noch die eine Nacht in der Wohnung bleiben könnten.

Am nächsten Morgen luden sie erst die drei Friesen in den LKW des Friesenhofs und holten dann die beiden Stuten vom Immenhof. Schon im LKW zeigte sich, dass sie nicht die Pferde in beliebiger Reihenfolge stellen konnten. Aber im Flugzeug mussten sie dann trotzdem auf eine genaue Reihenfolge achten, als erstes kam Paard, dann Brötje danach die beiden Trakehner und zum Schluss Martsje, denn sie vertrug sich nun mal nicht mit Paard; erst Recht weil beide Damen ja von Brötje ein Fohlen in ihrem Bauch trugen.
Seinen Wagen hatte der Reitlehrer an seinen bisherigen Chef verkauft, der ihn wahrscheinlich an seinen Nachfolger weiter verkaufte. Da Herr Larsen den Pferdetransporter wiederhaben wollte fuhr ein Angestellter vom Friesenhof mit ihnen zum Flughafen. Als die Pferde dann im Flugzeug ihre vorübergehenden Boxen bezogen hatten und sich die beiden Reiter auch in die Maschine bewegten, fuhr der Angestellte Stolz den leeren LKW zurück; schließlich durfte er das schwere Fahrzeug das erste mal alleine fahren.

Natürlich hatten die beiden in der Maschine ihre Plätze, die sie aber nur beim Start und bei der Landung benutzten, ansonsten waren sie bei ihren Pferden, die trotz Beruhigungsmittel etwas Nervös waren. Brötje fing sogar an nach Mara und Paard zu schnappen, die direkt neben ihm stand. Ein solches Verhalten der Pferde auf Flügen, war wohl nicht so selten.
Dalli schaute sich die Boxenwände jetzt genauer an und sah das sie an der Außenseite jeweils einen Knopf hatte. Indem sie diese drückte fuhr aus den Halbwänden rechts und links, von dem Hengst ein Gitter hoch, so das Brötje die Stuten zwar sehen konnten, aber nicht mehr Zwicken konnte. In dem Moment atmeten die Stuten auch auf und beruhigten sich schnell. Was Dalli doch verwundere, das Diana mit Martsje Fellkraulen spielte und nicht mit Mara ihrer Freundin. Aber dann überlegte sie, daß Pferde im Flugzeug sich anders verhielten wie im Stall.
Während dem achtstündigem Transatlantikflug mussten sie die Pferde mehrmals Tränken, zum fressen waren sie zu Nervös. Nur als Korni jedem eine Möhre hinhielt, wurde die gnädiger weise verspeist.
Als die Maschine dann endlich zum Landeanflug ansetzte war die Sonne gerade aufgegangen, das war ja klar. Da sie die Datumsgrenze gegen den Uhrzeigersinn überquert hatten, war die Uhr scheinbar fünf Stunden stehen geblieben.
Als sie in *Los Angeles* die Maschine verliessen, stand auf dem Flugfeld auch gleich ein LKW um die Pferde aufzunehmen, vorher überzeugte sich aber ein Tierarzt noch einmal, dass die Tiere gesund waren. Da sie aber noch in Deutschland alle notwendigen Untersuchungen und Impfungen hatten machen lassen, war dies eher eine Formalität als eine wirkliche Untersuchung.
Nachdem die Pferde verladen waren, mussten Dalli und Korni erst einmal ins Flughafengebäude wo sie die Zollformalitäten erledigen mussten und ihr ganzes Gepäck abholten.
Als sie mit dem Vollbeladenen Gepäckwagen auf den Parkplatz kamen, empfing ihr neuer Arbeitgeber sie und zeigte ihnen den Weg zum LKW. Der war um einiges größer, wie der vom Friesenhof, gleich sollten sie auch erfahren warum. Denn der Wagen hatte nicht nur fünf Pferdeboxen, sondern er war auch so eingerichtet, dass drei Personen darin während einem Turnier wohnen konnten. Jetzt wollte natürlich keiner drin wohnen, dafür konnten sie das ganze Gepäck darin verstauen, samt Sättel und Putzzeug.
Während der Fahrt zum Gestüt, saßen alle drei im geräumigen Führerhaus und plauderten locker mit ihrem neuen Arbeitgeber.
Als der Motor endlich schwieg zeigte er den beiden die Boxen für ihre Pferde, nachdem diese die Strolager wahrnahmen, schmissen sich alle fünf sofort ins Stroh nachdem sie in der Box waren, wo sie sich wälzten oder auch nur ruhten.
„The saddles and the other stuff they can put here and then I show them once her home. You also want to make sure only after the long travel times fresh“, sagte Mr. Maikels zu ihnen. „If they are subsequently re-fit, they come but please into our house, my wife has prepared a snack.”
Dann drückte er ihnen die Schlüssel für das Gästehaus in die Hand und ging wieder zu den Ställen.
Nachdem sie ins Haus getreten waren staunten beide. Selbst Albert hatte in seinem ganzen Leben noch nicht eine solche Prachtvilla gesehen und Dalli überlegte, wie riesig dann erst das Haupthaus sein musste.
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Re: Was ist bloß mit dem Ponyhotel passiert

Beitragvon Oma Janzen » Do 04.Dez.2014 11:19

Der fremde Kontinent

In den guten zwei Wochen, die sie noch an Bord waren, hatte Ralph fast das ganze Schiff gezeichnet. Nur in die Kabinen, konnte er natürlich nicht und den Maschinenraum ließ er auch besser aus. Dafür hatte er einige Impressionen von den Landausflügen gezeichnet. Auch Dick hatte sich von dem Schreck am Anfang gut erholt, wo ihre Tochter verschwunden war.
Während sie noch auf offner See waren, haben sie so manchen Abend mit Kapitän Andreas verbracht. Er erzählte ihnen nicht nur *Seemannsgarn*, bei dem Franzi immer vor Spannung mit großen Augen und offenem Mund zuhörte. Dem Kapitän machte es beinahe mehr Spaß, dass kleine Mädchen mit immer neuen Geschichten zu verzaubern, als sich mit den Eltern zu unterhalten. Aber er hatte ja auch genügend Übung, immerhin hatte er drei Kinder, die inzwischen selbst verheiratet waren und ihm sieben Enkelkinder geschenkt hatten.
Während Dick ihre Tochter ins Bett brachte, hatten die Männer Zeit bei einem guten Cognac eine oder mehrere Partien Schach zu spielen. Als Dick dann wieder zu den beiden Männern in die Kapitänskajüte kam, setzten sie ihre Unterhaltung fort. Bald kannten ihre Schwärmereien über Hamburg keine Grenzen mehr und das Dick auch noch seine Leidenschaft für das Segeln teilte, gab so manchem Abend noch das Sahnehäubchen. Ralph verließ dann heimlich die Kajüte und setzte sich an die Bar, wo er manchen Abend zuviel Trank. Denn er wollte die Erinnerungen Dicks schlimme Zeit, wo sie ihr erstes Kind verloren hatte, nicht hoch kommen lassen. Nachdem der Barmann Ralph schon kannte kamen sie irgendwann ins Gespräch und Ralph erzählte ihm alles was ihn bedrückte. Der Mann war einige Jahre älter wie sein schon etwas angetrunkenen Gast und sagte: „Natürlich ist ihre Situation nicht leicht, aber für mich gilt das auch, wenn auch in anderer Hinsicht. Meine Frau und ich haben schon zwei Kinder, von denen eines nicht ganz gesund ist und im Augenblick seine Mutter braucht. Allerdings steht meine Frau kurz vor der dritten Geburt und müsste sich eigentlich vielmehr schonen. Können sie sich denken wie mir ist wenn ich Wochenlang in dieser vornehmen Atmosphäre bin und weiß meine Frau muss sich abquälen?“
In dem Augenblick kamen Ralph seine Grübeleien recht kleinmütig vor und er sagte noch: „Ich wünsche ihnen und ihrer Frau, trotzdem alles gute.“
Dieses Gespräch hatte ihn so weit ernüchtert, dass er jetzt mit festen Schritten in ihre Kabine gehen konnte, wo Franzi in süßen Träumen lag.

Am nächsten Tag wurde es ernst, denn Dick packte ihre Koffer, die durch Mitbringsel von den verschiedenen Ländern in denen sie angelegt hatten langsam recht dick wurden. Ralph hatte sine Zeichen Utensilien schon am Vorabend in einer Extratasche zusammengepackt. Die aber sehr dünn war, weil die meisten Zeichnungen ja auf dem Schiff zurückblieben, bis das Schiff in ungefähr zwei Monaten Hamburg anlief und Andreas die Zeichnungen seinem Chef in der Reederei übergeben würde.
Unter anderem hatte Dick sich in Spanien zwei luftige aber Blickdichte und leichte Umstandskleider gekauft. Erst wollte sie nicht, aber dann meinte ihr Mann, dass sie die sicher nicht nur diesen Sommer bräuchte, denn er wünschte sich ja eine große Familie. Dick wollte gerade protestieren, sagte aber dann nur: „Da habe ich wohl auch noch ein Wörtchen mitzureden. Jetzt hilf mir lieber mal die Koffer zu schließen.“
Eins der Umstandskleider konnte sie auf der weiterreise gleich einweihen, denn für Perth und erst recht das Barossa Valley waren dreißig Grad und mehr angesagt.

Am nächsten Morgen legte die *Star Cloud* in dem Hafen von Perth an. Sie verabschiedeten sich von Kapitän Jungbluth und der ganzen Mannschaft, denn im Laufe der Reise hatten sie zu allen ein persönliches Verhältnis bekommen. Inzwischen hatten sie auch die Heimatadressen vom Kapitän und Marlene und versprachen sich zu melden, wenn sie ein Haus gefunden hätten.
Vom Schiff aus hatten sie ein Taxi zum Anleger bestellt, denn jetzt mussten sie ja noch mit dem ganzen Gepäck zum Flughafen. Die Flugtickets nach Adelaide hatten sie ja schon und konnten gleich zum Abfertigungsschalter gehen. Doch dann mussten sie noch fast eine Stunde in dem stickigen Wartebereich am Flughafen warten, bis ihr Flug aufgerufen wurde.
Dann endlich durften sie in dem Bus steigen, der sie auf`s Vorfeld zu ihrer Maschine brachte. Da die reservierten Plätze im vorderen Bereich der Maschine waren, stiegen sie erst ziemlich spät ein und wenig später wurde auch schon die Türen geschlossen und dann liefen die beiden riesigen Motoren an, die unter den Flügeln montiert waren. Sie mussten sich auf ihren Sitzen anschnallen und dann rollte die Maschine auch schon in Startposition. Dort mussten sie noch kurz warten, bis der Pilot vom Tower die Starterlaubnis bekam. Jetzt brüllten die Motoren richtig auf und sie wurden sanft in die Sitze gedrückt. Aber das genügte, dass die kleine Franzi anfing zu weinen. Schließlich hatte sie heute auch schon viel erlebt und überall war die Luft heiß, auch wurde sie langsam Müde.

Drei Stunden später landeten sie in Adelaide und mussten jetzt noch mit einem Bus noch mal eine gute Stunde nach Seppeltsfield fahren. Das gefiel Franzi sehr gut, inzwischen hatte sie ja auch im Flugzeug ihren Mittagsschlaf gemacht und war jetzt wieder munter. Zu beginn der Fahrt gab es auch immer wieder etwas anderes zu sehen und sie hatte für ihre Mutter keinen Blick übrig; dass kleine Mädchen drückte sich an der Scheibe die Nase platt. Anders war es bei ihrer Mutter, die in der heißen Enge mit ihrer Schwangerschaft Probleme hatte. Als die Zeit verging und Franzi im Landesinneren nur noch Wüste sah, die Hauptsächlich aus rotem Sand bestand; fing sie an zu quengeln und schlief dann ein.
Dann endlich hielt der Bus in einer riesigen Staubwolke und die Türen gingen auf. Jetzt konnten sie endlich aus dieser fahrenden Schaukel raus, doch draußen war es aber nicht wirklich kühler.
Dafür stand Ethelbert braungebrannt, mit kurzen Hosen und Sonnenbrille an der Haltestelle. Jetzt wo der Bus weitergefahren war und sich die Staubwolke allmählich legte, konnte Ralph seinen Freund erkennen. Der kam lachend auf sie zu, nahm ihnen erst einmal das Gepäck ab und sagte: „Ich bin mit dem Geländewagen von dem Gut hier und wollte euch abholen.“
Dick war schon alles egal, sie lechzte nur nach einem Schluck Wasser und wollte endlich aus dieser brütenden Hitze.
„Ich habe zwar schon ein Haus für euch gefunden, aber ich glaube ihr wollt euch lieber erst mal ausruhen. Ihr seid doch sicher schon seit heute Morgen unterwegs.“
„Da vermutest du richtig“,
antwortete Dick lustlos und resignierend. „Der Flug war ja noch ganz angenehm, aber dann die Busfahrt hier her, war das anstrengenste auf dieser Reise. Hat der Wagen wenigstens eine funktionierende Lüftung?“
„Nicht nur das, der Wagen ist mit dem neuesten ausgerüstet, was die Technik heute bietet, er hat sogar eine Klimaanlage. Wenn ich dich so ansehe ist dies wohl auch nötig“
und schob Dick in den Wagen. Dann ging er zur Fahrerseite und startete den Motor, damit die Klimaanlage anfangen konnte zu arbeiten.
„Warte noch einen Moment, ich werde nur noch mit Ralph euer Gepäck verstauen.“ Damit verließ er wieder den Wagen und ging zum Wagenheck wo Ralph schon mit Sack und Pack wartete.
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Re: Was ist bloß mit dem Ponyhotel passiert

Beitragvon Oma Janzen » Sa 06.Dez.2014 17:22

Dallis Erzählung

Jetzt hatte Billy und Bobby die vornehme Dame, die sich ihnen inzwischen als Dalli vorgestellt hatte, das Gut gezeigt wie es heute Aussieht. Da fragte Dalli auf einmal: Gibt es eigentlich noch die alte Scheune?“
Die Zwillinge schauten sich ratlos an, natürlich gab es hier mehrere Gebäude wo Arbeitsgeräte wie Trecker und Egge standen, aber da waren sie ja schon gewesen; die meinte als Dalli sicher nicht. Auf einmal kam Bobby eine Idee und sie sagte zu ihrer Schwester und Dalli: „Na kommt mal mit, ich glaube ich weiß was Dalli meint.“
Sie führte die Beide durch eine Ecke des Gutes die ziemlich verwildert war. Zu dieser Jahreszeit blühten trotzdem einige Wildblumen, es duftete in der Sommersonne wunderbar nach Kamille; nur vor den Bennesseln mussten sie sich in acht nehmen, mittlerweile wuchsen sie so hoch, wie sie selbst waren.
„Wo führst du uns denn hin“, fragte Billy und wollte sich gerade weigern weiterzugehen. „Komm ruhig mit, dir passiert schon nicht, Schwesterlein. Das hier habe ich vor kurzem hier entdeckt.“
Und dann ragte vor ihnen eine Bretterwand auf, was sich sehr schnell als ein Gebäude heraus stellte. Sie gingen etwas weiter und kamen zu einem großen zweiflügeligen Tor, was mit einem einfachen Holzriegel verschlossen war.
„Das die wirklich noch existiert, hätte ich nicht gedacht“, rief Dalli erfreut aus. Vor ihrem inneren Auge zogen kurz Bilder von dem Ponyzirkus auf und wie Ralph auf der Gießkanne Trompete spielte.
Das Holz sah zwar alt und verwittert aus, aber schon schien die Scheune noch fest auf der Erde zu stehen.
„Kommt mit“, rief Dalli begeistert aus, „vielleicht finden wir da drinnen noch paar Strohballen, auf die wir uns setzen können.“
Sie hoben den Riegel an und öffneten quietschend eines der großen Scheunentore, wer weiß wie lange diese Scheune kein Licht mehr gesehen hatten. Natürlich war sie leer, bis auf drei Strohballen in einer Ecke und Dalli Sagte begeistert: „Kinder setzt euch mal hin, dann erzähle ich euch mal so einiges aus früheren Zeit, als ich hier selber so alt war, wie ihr heute seid.“
Billy und Bobby setzten sich auch schnell hin, denn es klang ja ganz spannend was die nette Frau da sagte: „Na dann schieß mal los, was war denn hier los?“
„Dann passt mal auf, aber es wir eine ziemlich lange Geschichte, ihr habt doch sicher Zeit“,
fragte Dalli sie. Jetzt bekamen sie vorübergehend ein schlechtes Gewissen, denn eigentlich wusste ja niemand wo sie waren, aber dann siegte die Neugier , schließlich hatte sie gerade erst Mittag gegessen. „Na klar haben wir Zeit“, logen sie deshalb. „Nun fang schon an.“
„Nun gut wenn ihr meint, fange ich mal an. Damals lebte meine Schwester noch hier …“
und sie erzählt ausführlich von ihren ersten Jahren. Über sie schreckliche Zeit wo sie nicht wussten ob sie jemals den Immenhof wieder sehen würden, und als sie dann zu Hoteliers wurden, bis zu dem Zeitpunkt wo sie mit ihrer Lehre begann. Dann schaute Dalli im Dämmerlicht der Scheune auf die Uhr und meinte: So für heute sollten wir aber lieber Schluss machen, bevor euer Vater eine Vermissten Anzeige aufgibt. Natürlich gibt es noch viel mehr zu erzählen, aber ich bin ja noch paar Tage hier und ihr müsst doch sicher noch Schularbeiten machen.“
Die Zwillinge schauten verschämt auf den sandigen Boden und malten mit den Stielspitzen irgendwelche Kringel. Dann standen sie auf und schlichen mit schlechtem Gewissen aus der Scheune und bahnten sich den Weg durch das Gestrüpp. Dalli machte das Scheunentor noch zu und folgte den beiden Mädchen dann. Als sie wieder auf dem Wag standen fragte Bobby: „Wir könnten doch Morgen einen Picknickkorb mitnehmen und was essen, während du uns die Geschichte weitererzählst.“
Dalli lächelte vor sich hin, wie sie daran dachte, dass sie und Dick zu der Zeit eigentlich immer Hunger hatten und antwortete. „Warum eigentlich nicht? Bei dem schönen Wetter sollten wir uns aber woanders hinsetzen, als in der dunklen Scheune. Überlegt euch doch mal was bis Morgen. Wir können ja sowieso erst nach dem Mittagessen fort, vorher müsst ihr doch in die Schule gehen um was zu lernen.“
Auf dem Rückweg zum Haupthaus schaute Billy ihre neue Freundin Dalli flehend an, erst wollte Dalli nicht reagieren, aber denn fragte Bobby sie mit unsichrer Stimme: „Dalli, kannst du uns bei dem Matheaufgaben helfen, egal wie wir uns bemühen, wir kapierens nicht.“
„Na wenn ich so nett gefragt werde, kann ich ja schon gar nicht mehr nein sagen“, sagte Sie lächelnd. Zum Glück ist Mathe ja ein Fach, was ihr immer leicht gefallen ist. „Was macht ihr denn gerade in der Schule?“
„Die blöden binomischen Formeln mit zwei Unbekannten und Jetzt will Frau Fuchs noch eine unbekannte mehr. Steigst du da durch?“
„Klar aber erst mal meldet euch bei eurem Vater.“

Da ging auch schon die Haustür raus und Herr Arkens stand oben auf der Treppe zwischen den Säulen. „Sagt mal, wo habt ihr euch denn schon wieder rumgetrieben? Habt ihr keine Schularbeiten zu machen?“
Jetzt mischte Dalli sich ein. „Die Zwillinge haben mir ihr Gut gezeigt, wie es heute aussieht. Dann sind wir auf die alte Scheune gestoßen und ich habe den Beiden von meinen ersten Jahren hier auf dem Immenhof erlebt habe.“
„Jetzt kommt erst mal zum Abendessen und dann macht ihr eure Aufgaben“
und zog die beiden an den Ohren ins Haus, zu Dalli gewandt Lächelte er aber, also wusste sie das er das nicht so ganz ernst meinte.
Nach dem Essen setzte sich Dalli mit den Zwillingen and die Aufgaben und es dauerte auch gar nicht lange bis die beiden diese Formeln verstanden, denn es fehlte ihnen nur jemand, der ihnen den Stoff richtig erklärte.
„Jetzt aber schnell in die Betten, sonst kommt ihr Morgen nicht raus. Duscht ihr eigentlich auch jeden Morgen kalt?“
„Ne, da für sind wir schon zu alt.“

Dalli grinste sich einen, bei dem Gedanken, was sie und ihre Schwester alles für Ausreden hatten. Aber auf diese Idee sind sie doch nicht gekommen.
„Na dann probiert das doch ganz einfach ab Morgen mal aus. Übrigens ich mache das heute noch und bis jetzt hat`s mir nicht geschadet und jetzt wird geschlafen.“
Unten setzte sie sich noch mit Herrn Arkens hinters Haus, denn die Sommernacht war so mild und sie war noch gar nicht müde.
„Was haben sie eigentlich den Beiden erzählt?“
„Nichts besonderes, nur was meine Schwester und ich hier erlebt haben“
und sie wiederholte die Geschichte in Stichworten. Mehr wollte der Hausherr auch gar nicht wissen, denn im Gegenteil zu Dalli war er Müde und der neue Tag begann für ihn auch schon wieder bei Sonnenaufgang.
„Aber ich wünsche ihnen noch einen schönen Abend, sie können ja auch einige Stunden länger schlafen. – Gute Nacht die Dame!“
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Re: Was ist bloß mit dem Ponyhotel passiert

Beitragvon Oma Janzen » Mi 10.Dez.2014 21:49

Die Fortsetzung

„Vati, wir brauchen doch heute gar nicht zur Schule, dürfen wir mit Dalli ausreiten?“ Bettelten Bobby und Billy ihn an, nachdem er nach der Morgenarbeit vom Feld gekommen ist.
„Von mir aus, seit ihr denn zu Mittag wenigstens hier?“
Beide schauten Hilfe suchend zu Dalli. Irgendwie hatten sie die Hoffnung, dass Dalli wieder mal für sie alles richtete.
„Bobby hatte vorgeschlagen einen Picknickkorb mitzunehmen, allerdings dachte ich die Beiden haben erst noch Schule.“
„Das gibt es seit gut einem Jahr nicht mehr, dafür hat jeder Tag in der Woche eine Stunde mehr. Ich bin einverstanden, dass ihr den ganzen Tag unterwegs seit, aber nur unter der Voraussetzung das ich mitreite.“
„Ach Vati muss dass sein“
, fragte Billy, die sich sonst eher zurückhielt.
„Lass mal Billy“, mischte Dalli sich ein. „Euer Vater scheint doch ganz in Ordnung zu sein, vielleicht kriegen wir noch mehr zu lachen.“
Schnell waren vier Isländer gesattelt, was Dalli auch noch an die alte Zeit erinnert. Doch der Isi den sie reiten sollte, war doch ganz anders wie die Isis der sechziger Jahre, wie sie schnell merkte. Er war längst nicht so brav wie dass Lieblingspferd von ihr und ihrer Schwester.
Erstmal ritten sie zum Kellersee, weil es ihnen dort aber zu Schattig war, wendeten sich aber sehr bald den Feldern zu. Die meisten Feldwege waren zwar inzwischen Asphaltiert, aber an den meisten Feldrändern waren schmale Pfade, auf denen ihre vier Pferde hintereinander gehen konnten. Dass war zwar nicht schön, aber sie konnten hier wenigstens schneller Reiten wie auf den harten grauen Feldwegen. Am Waldrand fanden sie bald eine passende Wiese auf der sie ihr Picknick machen konnten und Dalli endlich weitererzählen konnte.
So eifrig hatte Alexander seine Zwillinge noch nie erlebt, so eifrig wie sie die Picknickdecke ausbreiteten und die Leckereien rausholten. Dallis Geschichte musste ja sehr spannend sein, langsam wurde er auch neugierig. Es war ja auch ein schöner Sommertag und bis sie zurück reiten mussten, hatten sie ja noch fast den ganzen Tag.
Weil Dalli noch keinen Hunger hatte legte sie sich erst mal auf den Rücken ins warme Gras und ließ sich von der Sommersonne bescheinen. dabei Die Pferde Grasten in der Nähe und sie hörten nur das rupfen des Grases, aus der Halmen strömte je ein wunderbarer Geruch nach frischem Gras. So ließ es sich aushalten und setzte sie ihre Erzählung fort. Da sie bei einem so wichtigen Ereignis in ihrem Leben aufgehört hatte, was ihre Kindheit jetzt auch einschneidend beendete, konnte auch Alexander ihr Folgen ohne Zwischenfragen stellen zu müssen. Hatten die Zwillinge schon bei dem Unfall ihrer Schwester den Atem angehalten, protestierten sie lauthals über Jochens Tod.
„Wie können die Jungs nur so gemein sein? So was würden wir nie tun.“
„Billy, darf ich euch an eure Streiche erinnern“
, sagte ihr Vater. „Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie oft die knapp an einem tödlichen Ausgang vorbei gegangen sind.“
„Okay“,
sagten beide im Chor und schauten verschämt auf den Boden. „Dalli erzählst du trotzdem weiter?“
„Ja später, aber darf ich das schöne Essen nur ansehen oder auch genießen?“
„Natürlich können wir eine Pause machen“
, sagte Bobby. „Solange können wir es gerade noch aushalten.“

Nach einer Stunde Pause erbarmte sie Dalli der Leidensmienen der Zwillinge und setzte die Geschichte fort. Dass dabei die Sonne langsam über den Horizont wanderte merkte keiner, denn es war immer noch sonnig und Warm. Im Gegenteil, Dalli war jetzt froh dass die Bäume ihren sanften Schatten über sie warfen, es war auch im Schatten noch heiß genug.
Als Sie dann an die Stelle kam, wo sie und ihr Mann ausgewandert waren, hörte sie auf und sagte: „So jetzt möchte ich aber noch einen schönen Ausritt machen, denn Isländer haben wir in Kanada nicht“ und fing sich ihr Pferd ein um ihn wieder zu satteln. Die Zwillinge schauten ihren Vater erstaunt an, aber der meinte nur: „Kommt macht eure Pferde fertig, gönnt doch unserem Gast auch etwas Freizeit.“
Nachdem sie einige Stunden später vor dem Stall auf dem Immenhof ankamen, setzte jetzt langsam die Dämmerung ein, also sattelten sie die vier Isis ab und brachten sie auf die Weide. Viel war zwar nicht mehr zu erkennen, aber Dalli merkte dass die Zwillinge am liebsten noch mehr gehört hätten, darum sagte sie gleich: „Puh, jetzt bin ich aber fertig für heute, ich will nur noch ins Bett. Morgen können und müssen wir weiter reden, denn es geht ja auch um die Zukunft; ich bin ja nicht nur zufällig hier.“

Die breite Holztreppe zur oberen Etage hatte sich ganz gewaltig verändert, aber der Pferdekopf am Geländer, hat neben der heutigen Treppe einen Ehrenplatz gefunden. Wie in den letzten Tagen ging sie an dieser Holzfigur vorbei, in die gemütlich umgebaute Wohnküche zum Frühstück.
Es war schon später Vormittag, als Dalli dort auf die Zwillinge traf, die auch nicht gerade unternehmungslustig waren. Schnell packte sie mit an den Frühstückstisch zu decken. Erstaunt fragte sie jedoch: „Wieso eigentlich nur für uns drei, wo ist denn euer Vater?“
„Genau weiß ich das nicht, aber ich nehme an er ist schon auf dem Feld.“
„Das sieht dir wieder mal ähnlich dass du nicht daran denkst“
, sagte Bobby zu ihrer Schwester. „Gestern Nachmittag als wir noch beim Picknick waren, sind doch die Charolais-Rinder angekommen. Vati ist doch sicher schon im Stall, denn er will ja damit eine Zucht aufbauen.“
„Bobby, hat er etwas gesagt, wann er wieder kommt“,
fragte Dalli und sah etwas ratlos drein. „Ich müsste nämlich dringend noch etwas wegen der Zukunft des Immenhofs besprechen, denn ich muss in den nächsten Tagen wieder Fliegen.“
„Ich dachte du bleibst für immer hier“,
fragten Billy und Bobby, wie aus einem Mund und schauten jetzt ganz überrascht drein.
„Wo denkt ihr hin, wir haben in Kanada ein großes Gestüt und ich habe auch Sehnsucht nach meinen beiden Kindern.“
„Wie alt sind sie denn?“
„Noch sind sie ganz Klein, aber ich nehme an, bei diesen Eltern werden sie eines Tages auch mit Pferden zu tun haben.“
„Ja, müssen wir jetzt hier alles aufgeben“,
fragte Alexander, der bei den letzten Worten gerade ins Haus gekommen war.
„Nein im Gegenteil! Ich wollte dir den Immenhof zum Kauf anbieten“, antwortete Dalli.
„Ja willst du gar nicht mehr hier Leben“, fragte Bobby überrascht
„Nein ich muss euch wohl etwas von meinem Leben erzählen.“
„Au ja jubelten die Zwillinge“
und setzten sich so hin als erwarteten sie eine längere Erzählung von Dalli.
„Also gut“, sagte sie ergeben. „Mein Mann und ich sind damals in die USA gegangen um dort auf einem Gestüt zu arbeiten, dabei habe ich noch eine Fortbildung gemacht.
Wir hatten fünf Rassereine Pferde mitgenommen, von denen im ersten Jahr die zwei Friesenstuten und die Trakehnerstute jede ein Fohlen bekommen hatten. So haben wir beschlossen, nach Beendigung meiner Ausbildung, uns mit einem eigenen Gestüt Selbstständig zu machen. Mr. Maikels, bedauerte zwar so einen guten Reitlehrer wie Albert zu verlieren, aber er half uns doch bei unseren Zukunftsplänen. Er war der in der Pferdezucht ein sehr einflussreicher Mann und hat uns dann dieses Gestüt in Kanada vermittelt. Der Besitzer fühlte sich zu Alt für diese Arbeit und hat uns das ganze für einen sehr günstigen Preis überlassen. Allerdings hatte er eine in Amerika sehr verbreitete Pferderasse gezüchtet und stellte die Bedingung dass wir die Zucht weiterführen. Also züchten wir jetzt Friesen, Trakehner und Quater Horses. Diese Rasse wurde Ursprünglich für die Arbeit mit Rindern gezüchtet, es ist eine Kreuzung aus Vollblut und den wilden Mustangs.“

Hier unterbrach Dalli ihren Bericht, denn sie wollte zwischen durch auch noch ihr Brötchen essen. Doch fragten die Zwillinge neugierig. „Warum war der Immenhof hier kein Ponyhotel mehr als wir herkamen?“
„Ja das würde mich auch interessieren“,
sagte Alexander, der inzwischen auch sehr aufmerksam zuhörte.
„Genau weiß ich das auch nicht. Jedenfalls sind Hein und Rieke eines Tages auch nach Australien ausgewandert. Denn sie waren für die Kinder meiner Schwester so etwas wie Großeltern.
Dann schrieb mich vor einem guten Jahr die Gemeinde von Bad Malente an, das sie den Immenhof an sie verpachtet hätten, obwohl dass Gut wohl ziemlich verfallen war.“
„Allerdings das kann ich bestätigen. Das Haupthaus war so marode, dass erst einmal Lebensgefahr bestand, wenn man auch nur einen Fuß darein setzte. Trotzdem habe ich dass mit viel Geld, Geduld und fleißigen Bauarbeiten wieder hinbekommen, wie du heute siehst.“

Dalli überlegte, welchen Kaufpreis sie vorschlagen sollte, dann kam ihr plötzlich eine Idee und sie sagte: „Nach der Arbeit die sie hier hatten, kann ich ja nicht viel verlangen. Wie wäre es mit einer Jahrespacht, die du sonst an die Gemeinde zahlst.“
„Auch wenn wir uns in den letzten Tagen näher gekommen sind, kann ich ein solches Geschenk doch nicht annehmen. Das Gut war doch früher sicher viel mehr Wert.“
„Ja, aber du sagst ganz richtig *früher*, aber die Zeiten haben sich geändert. Dafür erwarte ich auch einen jährlichen Brief wie es hier Weitergeht, mit der ökologischen Landwirtschaft und was aus diesen beiden neugierigen Damen geworden ist.“
„Das ist kein Problem“
, erwiderte Alexander erleichtert, „aber wie machen wir es mit der Zahlung.“
Dalli schrieb ihm ihre Kontoverbindung in Amerika auf und sagte: „Denn Kaufvertrag haben wir ja soweit aufgestellt, lass mir einfach eine Reinschrift zukommen und überweise mir das Geld. Ich hatte von beginn an geplant, Morgen zurück zu fliegen.“ Zu den Zwillingen gewandt sagte sie: „Wenn ihr morgen aus der Schule kommt sehen wir uns noch kurz, aber dann muss ich aufbrechen.“
„Heißt dass wir sehen dich nie wieder“,
fragte Billy scheu.
„Ich werde wohl kaum noch einmal hier her kommen, aber ihr könnt uns gerne drüben Besuchen. Wer weiß vielleicht, wollt ihr ja später auch mal in die Pferdezucht einsteigen.“
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Jeder dumme Junge kann einen Käfer zertreten. Aber alle Professoren der Welt können keinen herstellen.
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